Ein Jahr Bayreuth

Ein Semester normal, eines digital – vom plötzlichen Umbruch eines Studentenlebens

von Lena Fiala

Vor genau einem Jahr ging es für mich los: mein erster Tag an der Uni – ein neuer Lebensabschnitt. Ich hatte mich gründlich vorbereitet: ein Zettel mit allen Einführungsveranstaltungen, die ich mir ansehen wollte, sollte mich durch diese ersten Tage begleiten.

Trotzdem passierte mir gleich am ersten Tag ein Fauxpas: Ich landete im falschen Raum und musste zehn Minuten nach Beginn der Veranstaltung feststellen, dass ich hier überhaupt nicht hingehörte. Also bat ich alle aus meiner Reihe aufzustehen und mich wieder herauszulassen. Endlich draußen angekommen, kam ich natürlich zu spät zu der Einführung, die ich eigentlich gesucht hatte.

Ein Highlight in diesen Tagen: Die Campusführung. Ich bekam zwar nicht viel vom Campus und seinen Gebäuden mit und irrte daher in den folgenden Wochen wenig zielstrebig herum, bis ich meiner Orientierung einigermaßen vertrauen konnte. Aber dafür lernte ich viele Studierende aus anderen Studiengängen kennen, mit denen ich mich während der Führung unterhielt und inzwischen sind aus einigen dieser Begegnungen gute Freundschaften geworden.

Zusammen wagten wir den ersten Besuch in der Mensa: Erst einmal schauen, wie das mit dem Karte- Aufladen eigentlich funktioniert… Nachdem diese Hürden der ersten Tage, inklusive eines ereignisreichen Mensaabends, gut überstanden waren, begann der Ernst des Unilebens:

Ich hatte meine ersten Vorlesungen und Seminare. Mein Mitbewohner half mir dabei, mich im Dschungel von Campus Online, cm life und e-Learning zurecht zu finden und zusammen meldeten wir mich für die richtigen Kurse an. Gleich zur ersten Vorlesung war ich zu spät und hatte daher keinen blassen Schimmer davon, worum es ging – sehr zum Leidwesen meiner Sitznachbarin.

In den nächsten Wochen ging es aufwärts, ich gewöhnte mich schnell an meinen neuen Alltag: ein paar Vorlesungen hier und da, dann mal wieder Pause, in die Bib, Mittagessen in der Mensa oder auch einfach mal Kaffee trinken. So einige kuriose Charaktere unter den Dozent*innen sowie den Studierenden waren auch dabei, eine vertieftere Meinung dazu sollte ich mir erst im Verlauf des Semesters bilden. Mehr als einmal dachte ich dabei an den Satz meines Mitbewohners: „Im Studium kommen so viele unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Hintergründen zusammen, da triffst du Persönlichkeiten, mit denen du noch nie in deinem Leben zu tun hattest“.

Aber was viel wichtiger war: Selbstverständlich gab es nicht nur Lehrveranstaltungen am Campus, sondern auch jede Menge anderer Events. Da war zum einen die bayerische Woche (inklusive Afterparty), dann die Mensaparty, das Running Dinner, die Nikofete oder auch gemeinsame Treffen beim Winterdorf bzw. im gemütlichen WG-Wohnzimmer. Unumgänglich war ohne Frage der Genuss eines erstklassigen Totengräbers im Kanapee. Als ich auch dieses Ritual hinter mich gebracht hatte, konnte ich mich endlich eine echte Bayreutherin nennen.

Nach Weihnachten begann meine erste Klausurenphase: Sechs Klausuren in einer Woche, das war nicht ohne. Und in den Semesterferien dann erst einmal Geld verdienen. Hätte ich gewusst, dass nach den Semesterferien alles anders sein würde, hätte ich vielleicht weniger Zeit hinter der Verkaufstheke in einer Bäckerei in meinem Heimatort verbracht. Aber wer konnte das schon wissen?

Ende März kam dann die E-Mail des Grauens: ein rein digitaler Semesterstart sollte es sein, und das zuvor so schöne Studentenleben wurde von heute auf morgen auf den Kopf gestellt: Anstatt Austausch auf dem Campus gab es nun leere, zeitweise mit Gesichtern gefüllte Kacheln auf Zoom. Mein Laptop wurde mein bester Freund und engster Vertrauter, gezwungenermaßen mussten wir mehr Zeit zusammen verbringen als je zuvor.

Erst mit der Zeit merkte ich, was mir alles abging: Nicht nur, dass es keine Veranstaltungen oder Feiern gab, die zuvor noch so selbstverständlich gewesen waren, nein, noch nicht einmal meine heiß ersehnten Treffen mit meinen geliebten Freuden im WG-Wohnzimmer waren möglich. Die Häufung an schriftlichen Abgaben zwang mich zudem in einen 9-to-5 workday, aber sieben Tage die Woche!

Und dabei hatte ich zuvor so oft gehört: „Der erste Sommer in Bayreuth wird der Beste.  Das wird echt krass!“ – tja, hier war er nun, mein erster Sommer in Bayreuth. Krass vielleicht schon, aber gut ist was Anderes. Als die Beschränkungen langsam wieder gelockert wurden, war es dafür das beste Gefühl überhaupt, mit einer Gruppe von fünf (!) Leuten ins Kreuzsteinbad zu gehen.

Am Ende des Semesters war ich so weit, dass ich schon vergessen hatte, dass ich ja früher oft in der Mensa zu Mittag gegessen hatte, woran ich erst wieder erinnert wurde, als ich mir die Bilder aus dem ersten Semester in meiner Galerie ansah. Umso enthusiastischer war ich deshalb, als ich nach der Wiedereröffnung zum ersten Mal wieder in den Frischraum ging. Dort gibt es jetzt zwei Schokoriegel zum Preis von einem, vielleicht hatte der Lockdown also doch etwas Gutes.

Nichtsdestotrotz kann ich nach diesem jähen Umbruch nur hoffen, dass im nächsten Semester wieder mehr Leben auf den Campus und in die Stadt kommt, denn so gerne ich meinen Laptop habe, ich verstehe doch mehr unter meinem Studium, als ständig nur vor ihm zu sitzen.


Königlicher Besuch im Männerland

Glosse: Ernährungsministerin Julia Klöckner beehrte die Fakultät VII in Kulmbach.

Sieben Männer mit Maske stehen im Halbkreis um eine sitzende Blondine, die in die Kamera lacht. Nun sind Sie gefragt: um welche Situation handelt es sich hier? Den Beginn eines schlechten Pornos, oder doch einfach nur bayerische Lokalpolitik während Corona? Und warum steht da eigentlich Bier auf dem Tisch?

Frank, Martin, Ingo, Jörg, Eckard, Christian und Stephan freuen sich sehr, dass die Julia heute gekommen ist. Denn Julia ist Bundesernährungsministerin und muss sich im Urlaub irgendwie nach Kulmbach verirrt haben. Als Trost für dieses Missgeschick hat jeder von ihnen in der ganzen Stadt nach dem tollsten Geschenk als Erinnerung an diesen unvergesslichen Tag gesucht. Das Ergebnis: sieben Flaschen Bier in einem schicken Holzkorb – das Beste, was die fränkische Provinz eben zu bieten hat! Als Dank hat sich Julia auch in das Goldene Buch eingetragen und den interdisziplinären Ansatz des neuen, innovativen, spannenden Campus für Lebensmittelwissenschaft der Ortschaft gelobt. Denn in Kulmbach, dem „wichtigen Standort für Lebensmittelwissenschaft in Deutschland“ (Julia), kann man nicht nur Helles brauen, sondern auch Pils! Das ist gelebte Zukunft.

Man fragt sich nur noch: wer ist eigentlich die zweite Frau im Bild? Die sich da ganz keck zu der Herrenrunde gesellt hat und begehrlich zur Julia schielt? Etwa die Sekretärin? Weit gefehlt! Das ist Emmi, ihres Zeichens Korbstadtkönigin aus Lichtenfels (Wikipedia). Kein Wunder, dass sie neidisch ist, denn Julia war nicht nur olle Provinzprinzessin für Flechterzeugnisse, sondern durfte sich deutsche Weinkönigin nennen. Im Gegensatz zu den anwesenden Männern haben es aber beide Frauen in den deutschen Bundestag geschafft – und das obwohl sie in der Unionsfraktion sind. Vielleicht schauen die Männer deshalb so neidisch zur Julia rüber. Oder stie- ren sie in Wahrheit doch nur auf das Bier? In Franken weiß man nie…

Quo Vadis, Lesbos?

Bericht von einer Insel, auf der die Hoffnung auf bessere Zeiten zu schwinden scheint.

Die Türkei ist von der Küste aus gut zu erkennen, an manchen Stellen ist das Meer kaum acht Kilometer breit. Zu Tausenden kamen die Geflüchteten im Frühjahr 2015 an den Stränden an, jeden Tag. Die Insel ist fast zur Hälfte vom türkischen Festland umgeben, über die Küstenstraße machten sich die Gestrandeten auf den Weg in die Ortschaften. Damals herrschte Ausnahmezustand, es kamen so viele Menschen über das Meer nach Lesbos wie nie zuvor. Die Lage der Insel macht sie zu einem neuralgischen Punkt auf dem Weg nach Europa. Einheimische berichten, es habe immer schon Menschen gegeben, die hier versucht haben, nach Griechenland zu kommen. Bereits seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2011 landeten immer wieder Boote an den Stränden, erste Hilfsinitiativen gründeten sich, um die Geflüchteten mit dem Nötigsten zu Versorgen und nach Mytilene zu bringen. Doch die Ereignisse im Jahr 2015 überforderten alle – eine Katastrophe bahnte sich an, für die Geflüchteten ebenso wie für die Insel.

Als im Winter vor fünf Jahren die Zahl der gestrandeten Menschen wuchs, kamen auch immer mehr Hilfsorganisationen wie das UN- Flüchtlingshilfswerk oder NGOs vom europäischen Festland – zu einer Zeit, in der die Insel normalerweise im Winterschlaf liegt. Die Stimmung unter den Einheimischen war dementsprechend positiv, denn die freiwilligen Helferinnen und Helfer brauchten Betten in Hotels, besuchten Restaurants und Bars. Auch die Asylsuchenden kauften Lebensmittel und Hygieneartikel in den kleinen Shops, denn die Versorgung durch die NGOs reichte nicht immer aus. Die Hilfsbereitschaft war groß. Im Frühjahr und Sommer kamen auch noch immer einige Touristen, halfen zum Teil bei der Versorgung mit. Die damals errichteten Lager dienten nur der Registrierung, die Menschen verließen die Insel schnell wieder gen Festland. Mit dem EU-Türkei-Abkommen aus dem Jahr 2016 änderte die Lage sich allerdings, der große Ansturm war vorbei. Die europäische Grenzschutzmission der Frontex überwacht seitdem verstärkt das Meer, die Fregatten liegen in den Häfen und Buchten, täglich fliegen bis heute Helikopter die Küste ab. Die NGOs zogen sich größtenteils nach Mytilene zurück, in die Nähe des Camps in Moria. In den Dörfern blieben mit den Geflüchteten aber auch die Touristen weg. Die anfängliche Euphorie kippte nicht nur in Deutschland, und Lesbos wurde mit seinem Lager zum Symbol für die Schrecken der Flüchtlingskrise. Seitdem kommt nur noch ein Bruchteil der Urlauber nach Lesbos, alternative Inseln in der Ägäis gibt es reichlich. Seit fünf Jahren ist dies nun schon so, und es gibt wenig Hoffnung auf Besserung.

Auch die politische Lage im Lande ist schwierig. Im Sommer 2019 wurde bei den Parlamentswahlen die linke Regierung von Alexis Tsipras durch den konservativen Ministerpräsidenten Mitsotakis abgelöst. Er hatte im Wahlkampf versprochen, die Lager auf den Inseln aufzulösen und damit auch die Stimmen der Menschen auf Lesbos gewonnen. Doch passiert ist nichts, im Gegenteil: seit dem Amtsantritt seiner Regierung wurden kaum noch Anträge bearbeitet, niemand durfte die Insel mehr verlassen und das Lager wurde immer voller. Bis zu 20 000 Asylsuchende hielten sich dieses Jahr dort auf, unter katastrophalen Umständen.

Im Frühjahr wurden Pläne der Regierung aus Athen bekannt, ein neues Lager in der Region Karavas zu errichten. Die Bevölkerung reagierte mit massiven Protesten, es kam zu Ausschreitungen gegen die Polizei, die wiederum Tränengas einsetze. NGOs, die gegen ein neues, geschlossenes Lager protestierten, bildeten gemeinsam mit wütenden Inselbewohnern eine unheilvolle Koalition, die letztlich den Neubau verhinderte. Spätestens seit diesem „Erfolg“ ist die Stimmung äußerst angespannt. Rechte Gruppierungen nutzen die Wut der Griechen für ihre Zwecke aus und unterwandern die Proteste: die Geflüchteten in den Lagern werden zum Sündenbock für alle Probleme der Insel. Aus Sicht vieler Bewohner tragen sie die Schuld für die wirtschaftliche Misere, die sich durch die Corona-Pandemie nur noch weiter verschlimmert hat. Ohne Tourismus bangen viele um ihre Existenz. Das totale Versagen der Machthaber in Athen, Brüssel und anderen Hauptstädten kocht sich auf dieser Insel zu einem Konflikt zusammen, bei dem es nur noch zwei Seiten gibt. Jeder, der den Status Quo erhält, wird zum Feind. Die Logik: die Asylsuchenden müssen die Insel um jeden Preis verlassen. Wer ihnen die dringend benötigte Hilfe leistet, erlaubt es der Regierung in Athen, die Camps weiter aufrechtzuerhalten, ohne sich kümmern zu müssen. Eine menschenverachtende Ideologie, bei der das Wohlsein der Flüchtlinge als Druckmittel eingesetzt wird. Doch in ihrer Perspektivlosigkeit sehen viele Inselbewohner keinen anderen Ausweg. Spätestens seit der der letzten Wahl ist die Botschaft aus Athen deutlich: die Lager bleiben.

Das hat auch Konsequenzen für die Arbeit der NGOs. Eine lokale Hilfsinitiative schreibt auf ihrer Website, neben Spenden könne man derzeit am einfachsten helfen, indem man den nächsten Urlaub auf Lesbos buche. Ginge es der Insel besser, wäre auch ihre Tätigkeit vor Ort einfacher. Denn es wird zwar nicht gerne offen darüber gesprochen, doch viele ausländische Freiwillige fühlen sich bedroht, man- che haben die Insel deswegen schon verlassen. Auch Griechen bekommen das zu spüren: in manchen Orten wurden nachts Häuser mit Drohungen beschmiert, in denen engagierte Familien wohnen, die sich für die Geflüchteten einsetzen. Gastwirte werden unter Druck gesetzt, wenn sie NGO-Mitarbeitende bei sich einkehren lassen – geschweige denn Geflüchtete bewirten. Man solle sich besser nicht einmischen, heißt es auch gegenüber anderen Europäern, die hier ihren dauerhaften Wohnsitz hin verlegt haben. Es gehe andere nichts an, das sei die Sache der Inselbewohner. Und das ist dann die gut gemeinte Warnung. Offen etwas gegen die unmenschlichen Bedingungen in den Lagern zu sagen, trauen sich hier nur wenige, zu groß ist der Druck in der Gemeinschaft. Zu groß sind auch oft Wut und Verzweiflung, die sich statt gegen die Regierung auf die Geflüchteten richtet. Es gibt ein Feindbild und die Abschreckung wirkt.

Selbst wenn es eines Tages eine Lösung für die Migrationsfrage in der EU geben wird, wonach es derzeit nicht aussieht, und die Camps in Moria oder Kara Tepe wie Schreckgespenster der Vergangenheit wirken; selbst dann wird der Konflikt in der Bevölkerung nicht einfach verschwunden sein. Denn die Frage, wie man mit den Asylsuchenden „vor der eigenen Haustüre“ umgeht und umgegangen ist, wird sich jeder stellen müssen. In Gesprächen mit engagierten Leuten wird immer wieder deutlich, wie sich das Klima schon jetzt spürbar gewandelt hat. Es sind nicht nur offene Drohungen oder Schmierereien, sondern auch Details im täglichen Leben: argwöhnische Blicke, abweisende Gesten. Verlorenes Vertrauen zwischen Nachbarn, Freunden und Bekannten wieder aufzubauen wird daher eine große Her- ausforderung bleiben.

Neu in Bayreuth?

Willkommen in Bayreuth. Hier wolltet ihr nie hin? Jetzt seid ihr nun mal da. Ein Plädoyer für und gegen das Studierendenleben in der Provinz

Von Felix Beißel und Helena Schäfer

Willkommen in der Hölle.

Erstaunlich, dass ihr uns überhaupt gefunden habt – Oberfranken liegt im Nirgendwo, und das bekanntlich hinter Bielefeld, rechts von Chemnitz. Um es direkt vorwegzunehmen: Mit den Festspielen werdet ihr hier nichts zu tun haben, außer wenn ihr den Provinznasen von zu Hause mal wieder erklären müsst, was Bayreuth überhaupt ist.  

Dass hier Kurioses vor sich geht, merkt schon der findige Geografie-Abiturient: Wie kann der einzige „Fluss“ im regenreichsten Ort Deutschlands letztlich doch nur ein winziges Bächlein sein? Ein kleines Wunder, ein seltenes. Der Rote Main wird von Bayreuth ausgeschlürft, blutleer, wie die Studierenden nach dem ersten Semester. Aber macht euch nichts draus, wenn die Sintflut kommt – und hier kommt sie zuerst –  ist im Kanal Platz für alle.  

Doch um eins wird man euch beneiden: Sprachdiversität. Fränkisch ist ein Gemisch aus genau all dem, was sich nur schwer in Buchstaben ausdrücken lässt, der natürlichste Sprachkurs, ohne Einstufungstests, ohne Anmeldesoftware aus den 50ern, ohne Warteliste. Entfernt einfach K, P und T von der Tastatur, schüttet ein Weißbier drüber – and you’re good to go. Richard Wagner, der Kollegah des 19. Jahrhunderts, fand in seiner Bayreuther Bossvilla seinen – nicht – ewigen Frieden. War ihm dann doch zu trostlos hier, der Leipziger starb in Venedig. Doch auch mit zeitgenössischen Prominenzen geizt die Metropole nicht: Karl-Theoder zu Guttenberg, Alice Weidel – Alumni der besten Uni der Welt (in Deutschland, unter 50 Jahren, mit Campus).  

Als Lokführer käme man immerhin regelmäßig raus aus Bayreuth. Erreicht man Nürnberg (bei Fürth), könnte man sogar Tageslicht erblicken. Schnell würde man verstehen, was Platon mit dem Höhlengleichnis meinte. Wer sich aber im Dunklen wohlfühlt, sollte auch direkt das Kanapee frequentieren und wenn man schon einmal in der Maxstraße ist, gewarnt sein: Die Todesrinne kann zwar verunglückte E-Bike-Kuriere ins Krankenhaus befördern, euch aber leider nicht mehr zurück in die normale Welt teleportieren, selbst wenn sie blau leuchtet. Spaß beiseite: Bayreuth ist, sagen wir mal so, ein Ort. Hier gibt es Straßen, hier gibt es Häuser. Ihr wisst, worauf ihr euch eingelassen habt: Alle edlen Menschen gehen durch die Hölle, die anderen stehen davor und wärmen sich die Hände.  

Willkommen im Paradies.

Ihr hattet es schon im Gefühl und wir können bestätigen: Bayreuth hat mehr zu bieten als Festspiele, Wagner und Bratwurststände. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, denn jetzt wo ihr hier seid, können wir es euch verraten: Es geht überhaupt nicht um die Stadt, es ging nie um die Stadt, sie ist bedeutungslos und wenn ihr eines Tages von hier weggeht, werdet ihr sie vergessen. Es gibt Kopfsteinpflaster wie überall in der Provinz, viele Eisdielen und noch mehr Spielhallen. Zu wenig Radwege, einen Park, in dem man nicht grillen darf, zu wenig Wasser und zu viele Autos pro Einwohner, viele schöne Häuser und ein hässliches, das alle anderen überragt. Man könnte auch sagen: Bayreuth ist langweilig. Aber keine Sorge, ihr Paradiessuchenden, jetzt kommt der Twist: Weil die Stadt nichts von sich aus zu bieten hat, wird Bayreuth zu einer Projektionsfläche. Die Stadt ist nur das und all das, was ihr daraus macht.

Besser als irgendwo sonst könnt ihr hier zum Beispiel den Mittwoch zum Sonntag machen und niemand merkt etwas. Das geht so: Alle in der WG wachen spät auf und beschließen: Heute ist Sonntag. Einer geht dann Brötchen holen, andere decken den Tisch und zünden ein paar Kerzen an. Die Balkontür wird aufgemacht. Musik läuft aus der Box. Ein paar Freunde kommen vorbei. Dann sitzt man zusammen, das Crêpe-Eisen dampft und die Stunden verstreichen. Später trifft man andere Freunde im Freibad, dann gehen alle zusammen zu einem Fußballspiel der Wilden Liga, trinken Radler in der Abendsonne. In vor- und nachpandemischen Zeiten gibt es am Abend eine WG-Party, die den regelmäßigen Ermahnungen der Polizei an der Tür trotzt. Da tanzt ihr bis in die Morgenstunden unter dem Ufo aus Pappmaschee und habt am Ende hier in dieser gottverlassenen, elenden Provinzstadt das Studierendenleben, von dem die Menschen in Berlin und München träumen, die 40 Minuten mit der S-Bahn zur Bar fahren müssen, nur um da festzustellen, dass ihre Freunde schon weitergezogen sind. Gerade weil Bayreuth so nichtssagend ist, steht hier niemals die neue Bar oder das neue Café an der Ecke im Vordergrund, sondern immer die Menschen, mit denen ihr der Stadt Leben einhaucht und sie zu eurem Zuhause macht.

Anmerkung: Der erste Teil dieses Artikels erschien schon einmal in leicht veränderter Form in der Ersti-Ausgabe im Wintersemester 2018/19.

No Blue Wave but a Long Awaited Biden Win

Gastbeitrag von Taylor Tensen Cooperman

In the US, Election Day was last Tuesday. By Wednesday evening it seemed very clear that Biden would win the presidential election. However, what followed was a four day wait as battleground states slowly counted millions of mail-in ballots. Biden officially became president-elect on Saturday; since then many parts of the United States have erupted in celebration. People gathered in parks and streets of “blue” cities to shout their relief and celebrate. At these celebratory assemblies, beside Biden/Harris flags, LGBTQ pride flags, Black Lives Matter flags, American flags were also being waved, not the most common sight at gatherings of the American left. But liberals and leftists of the country were united over the weekend in what they saw as a victory against fascism; against a ‘law and order’ president who refused to condemn white supremacy, or be guided by any reasonable standard of truth, and who used the office of the president to feed his ego.

For those who don’t see a Biden administration as a true victory for their political agenda, still see reason to celebrate his win, insofar as Biden is decidedly not-as-bad-as Trump. Noted progressives, such as congresswoman Ocasio-Cortez, and Senator Sanders, worked hard to help get Biden elected, even though they are ideologically opposed to his vision for America. Now, though they see a new kind of fight ahead of them under the Biden/Harris administration, they also see this as a moment to commemorate a hopeful turning point in American political history. The American left took a pause before beginning the struggle to promote progressivism in Biden’s cabinet picks and policy proposals.

The celebratory eruptions that occurred over the weekend were definitely not the result of excitement about the incoming president, a decidedly uninspiring centrist who is nearing his 80s. Rather they were a reaction to what many see as the survival of American institutions, a resilience in the so called ‘American experiment.’ For some, Biden’s victory is worth celebrating because it returns us to the Obama years when the United States was still able to garner a modicum of respect, even admiration, on the international stage. For others, this victory is worth celebrating because it gives us a chance at a planet that will remain habitable longer into the future — Biden has promised to rejoin the Paris Agreement and to tackle the climate crisis; Trump denied the very fact that ecological breakdown is underway. People also saw reason to celebrate in the vice president-elect, Kamala Harris, who will be the first woman and the first person of color to hold that office. But the ultimate reason for most people’s celebration is, of course, Donald Trump’s defeat.

Trump was indeed defeated in the election, though by a popular vote margin that was narrower than some expected. So far, Trump has received about 71 million votes, and Biden has received around four and a half million more. Biden, may well end with a significant margin in his electoral college win, the likelihood being that he will receive 36 more votes than the 270 required to take the White House. However, this election, though a defeat of Trump it has been, a defeat of Trumpism it has not. Trump’s base of supporters has grown since 2016. This year he was able to garner more support from racial minorities, especially from Latinx voters. And his supporters are unwavering, even in the face of this clear democratic defeat, they insist that Trump is the real winner and the system was rigged to favor Biden — a completely baseless claim. However, Trump has effectively amassed a following that believes the truth can only be determined by the words coming from Trump’s own mouth, or his Twitter feed.

Trump often confuses PR campaigns with legal battles and this election is no different. He and his team immediately geared up for lawsuits in battleground states, lawsuits that have no real chance to change the outcome of the election. But Trump is not one who can lose gracefully, nor is he one who holds much regard for vital American institutions — not even the democratic process on which the United States stands. Trump is also planning to hold more of his infamous rallies in the coming weeks as the litigation challenging  results of the election continues.

When President elect, Joseph Biden, is sworn into office on January 20th, Trump will leave the White House but I think we have little reason to believe he will leave the American consciousness. There is already much speculation about what Trump will do as an official loser. Some people have suggested the possibility that he may begin a media company. In the last months he has begun to turn against his beloved Fox News, which has been his propaganda machine from the start of his political career; as in all things, his supporters are following suit. Now more radical right-wing sources are becoming favored to Fox in Trump circles. If Trump begins his own media company it will almost certainly be aligned with these kind of alt-right news outlets and will likely have an easy time getting the attention of at least the 71 million Americans who voted for Trump. However much many Americans may want it, Trump will likely not fade quietly into the background. He has unleashed a deep seeded racism and nationalism in the US and weaponized it to propel himself to power. Letting go of that power, and the attention that comes with it will not be easy for him.

As well, Trump’s presidency has profoundly changed the Republican Party. Even if Trump is not the person leading the offensive, his brand of politics will likely remain a mainstay of the party in the coming years. For now, the Republicans who have accepted that Biden will become America’s 46th president must focus their energy on two very important runoff races in the state of Georgia. These are two races for Senate seats that will occur in January. Whichever party wins will likely hold a majority in the Senate. The outcome of these runoff races will be hugely influential for how much the Biden administration is able to achieve during their first two years in power. Mitch McConnell, the Republican Senate majority leader tirelessly fought to block the Obama administration at every turn, and McConnell and his Republican colleagues will undoubtedly treat the Biden administration no differently. Biden has repeatedly emphasized American unity and stated he believed he would be able to work with Republicans in order to pass important legislation. If the Republicans maintain control of the senate, Biden will may not be able to live up to that promise. He and Harris will be stepping into their roles amidst a national crisis, with daily coronavirus cases surpassing 100,000; they have vowed that their first order of business will be getting the coronavirus outbreak under control. In order to do so, some bipartisan work may be necessary. Though, in this profoundly divided political landscape, it has never looked less likely.

Another Republican Supreme Court Confirmation

How Will it Impact Next Tuesday’s Election?

Gastbeitrag von Taylor Tensen Cooperman

What is left of the 2020 presidential election? Not much, besides the actual voting day, and even that has passed for the approximately 58 million Americans who have already voted. The final presidential debate was last Thursday. It was calmer than the shouting match that took place during the first debate and it was mostly recognized as having no significant impact on voters, especially since very few remained undecided. Biden still leads in the polls and, much like in 2016, there is even speculation that traditionally Republican states, such as Georgia and Texas, may go blue this year. Democrats have a real shot at winning a majority in the Senate.

When it comes to American politics, what has held a lot of attention lately, perhaps even more than the Biden and Trump campaigns themselves, is the Senate Judiciary Committee hearings regarding Amy Coney Barrett’s nomination to the Supreme Court. The death of Ruth Bader Ginsberg, a former Supreme Court justice, on the 18th of September, and President Trump’s subsequent nomination of Judge Barrett to fill the vacancy, may impact the results of the November election.

First, some backstory. On February 13, 2016, justice Antonin Scalia died leaving a vacancy on the supreme court. At the time, Republican legislators refused to allow President Obama to appoint a new judge, which is standard procedure — when a supreme court justice dies the sitting president appoints a new one. At the time Republicans said it was too close to the election (which was 9 months away in November of that year) to appoint a new justice. Because Republicans had control of the Senate there was very little that could be done to prevent Republican legislators from abusing their power by preventing a new justice from being appointed under a Democratic president. Since then, Republican lawmakers have repeatedly said that if a vacancy on the supreme court were to come up in the last year of Trump’s presidency and the primary elections had begun, then they would not confirm a judge. 

This past September, when justice Ginsburg died, the primary elections had not only begun, but had also ended, and the general election was less than two months away. Senate Republicans, with astonishing hypocrisy, immediately reversed their position and rushed to go ahead with the confirmation hearings for Amy Coney Barrett, Trump’s third supreme court nominee of his presidency. 

Democrats were outraged and many Americans opposed the hypocritical and, in some people’s opinion, undemocratic move by Republicans to rush through a nominee weeks before a presidential election. Trump was already trailing in the polls, but many thought that this brazen disregard for fairness and consistency of rules by the Republican party would  further diminish Trump’s chances of winning re-election. As well, hugely important laws such as marriage equality and abortion rights, issues which have support among the majority of Americans, are also at stake with Barrett on the court. As well, the Affordable Care Act (ACA), also known as Obamacare, which is one of the most important voting issues for many Americans, is put into grave danger. Republicans have been trying for years to repeal President Obama’s landmark policy and if a case about the constitutionality of the ACA comes before the supreme court it is likely to be struck down now that the court has a conservative majority. With such a public display of bad faith politics and by appointing a far-right judge to the Supreme Court, the Republicans seem to be hurting their chances of success in the 2020 election.

However, Trump’s pick, judge Barrett, is perfectly suited to quelling Americans’ fears about the impacts of a six to three conservative majority on the court. Barrett comes off as intelligent, sensible, and kind and she clearly tries to present herself as anything but a far-right activist or radically conservative — and she does this quite convincingly. By the end of the confirmation hearings, a majority of Americans supported appointing judge Barrett to the highest court in the country. On October 20th, a Gallup poll revealed that 51% of Americans wanted Barrett to be confirmed to fill the vacancy and 46% were opposed to Barrett’s confirmation. 

Democratic senators knew they had no power to stop the confirmation of Amy Coney Barrett and used the confirmation hearings to try to communicate to the American people that this process was unfair and hypocritical. They also used the opportunity to attempt to influence judge Barrett on policy issues that the cases likely to come before the supreme court would have major impacts on. Some told personal stories about their constituents who rely on the ACA for healthcare coverage. Senator Whitehouse (D-Rhode Island) took the opportunity to talk about the dark money involved in the US court system, where millions are spent on activist court cases defending the special interests of corporations and conservative organizations. Cory Booker (D-New Jersey) very movingly spoke to judge Barrett about systemic racism and how the American justice system has a long and ugly history of perpetuating the oppression of black and minority Americans. 

After the confirmation hearings ended, Democrats continued to fight in symbolic ways, as they don’t have the votes to actually oppose the confirmation. On Monday evening judge Barrett was confirmed with a vote of 52 to 48, almost entirely along party lines. Certainly, with an eye on next week’s election, they continue to remind the public that what has happened is not normal nor fair. Over the weekend, Chuck Schumer, a Democratic senator from New York said that he wanted “to be very clear with the American people about what’s going on here,” also saying “the Republican senate majority, America, is breaking faith with you…don’t forget it America, don’t forget what’s happening here.” It’s clear that when Democrats most urgently don’t want Americans to forget this is when they cast their ballots.

It is worth considering what the move by Republicans to rush the nomination process really means. On the one hand, it could be the case that they believe cementing a significant conservative majority on the court is more important than retaining the White House and Senate, especially since judges are appointed for a lifetime, while presidents and senators are only in office for a few years. On the other hand, the Republican Party may have recognized their dim chances of winning in November and decided that they had little to lose (and a lot to gain) by confirming Barrett. In a speech on the Senate floor on Sunday, Mitch McConnell, the Senate Majority Leader, highlighted the success and meaning of this nomination for conservatives by noting that in the coming years, Democrats may well be able to undo the policies put into place during Trump’s presidency, but the lifetime appointment of Amy Cony Barrett to the Supreme Court cannot be undone.

Trump or Not-Trump?

The answer will unfold amid chaos and uncertainty

Gastbeitrag von Taylor Tensen Cooperman

There is less than a month until the American presidential election. The sitting president has been in the hospital and his state of health is unclear; a novel coronavirus is resulting in novel voting practices; the country has been devastated by the terrible handling of a pandemic; the future makeup of the supreme court, which will impact federal laws for an entire generation, is uncertain; the domestic political divide has never been more severe, and Americans feel that what’s at stake this November is far larger than simply determining who will be the commander-in-chief for the next four years. These are the circumstances under which the United States will be conducting the fast-approaching November election, the results of which are seen by many to determine the future of the United States in an unprecedented way.

         One of the things that the last four years of Trump’s presidency has done is make politics absolutely inescapable: in personal relationships, on social media feeds, in everyday purchasing choices, and with the bombardment of a non-stop news cycle. What does this pervasiveness, and the resulting exhaustion, mean for the upcoming election? And how will that election be handled by a country which has been swamped by the Coronavirus pandemic? To answer these questions, one must first consider who is running, and for what.

         The choice can be said to be this: Trump or Not-Trump. I know nobody who is excited about the prospect of Joseph Biden becoming the 46th president of the United States.  There is no groundswell of energy or ‘Hope’ — the word which propelled Biden to the White House for the first time (as Barack Obama’s running mate) in 2008. Yet, I know almost nobody who is not voting for Biden. On the one hand, this could highlight the fact that I’m in a political bubble — and I, like most Americans, am. On the other hand, this feeling that one votes for ‘Not-Trump’ by putting down ‘Biden’ on the ballot, speaks to a majority of Americans’ reality — if polls are to be trusted after the 2016 election upset. FiveThirtyEight, a website that focuses on opinion poll analysis, has simulated the outcome of this year’s election 40,000 times. In their results Biden wins the election 81 out of 100 times; Trump wins 18 out of 100 times. Though some effort has been made to improve polling practices since their failure in 2016, it’s important to keep in mind that to openly support Trump is deeply embarrassing for some voters, which could lead them to lie to pollsters about who they are truly voting for, giving Biden an inaccurate boost in the polls.

         Looking back to the Democratic primaries, it was clear that Biden was not a favorite: he lost the first three states that voted and was only able to dominate the primaries once all the other centrist candidates dropped out and backed him. Tellingly, even during the Democratic primaries many who voted for Biden were really voting against someone else: Sen. Bernie Sanders, who was seen as too left-wing by many older Democrat voters and as a risky choice against Trump in the general election. All this is to say that it seems a majority of Americans absolutely do not want another four years of Trump in the White House, even though that majority does not feel inspired by a future led by Biden.

People don’t want Trump for many reasons, but one that should not be under-estimated is exhaustion. People are tired of the chaos that is the Trump-administration. They don’t want to hear about the ridiculous thing Trump tweeted, nor listen to the blatant lies told by himself and members of his administration, nor deal with the embarrassment of another international diplomatic fumble. For those who are tired, “Sleepy Joe” (as Trump dubbed Biden) is the perfect candidate. He promises a return to the neoliberal status-quo of the Obama era and a break from the political mayhem. But will Trump-fatigue drive people to the poles to vote for an unexciting opponent? Perhaps that would be sufficient were voting a simple task to be completed under normal circumstances. However, this year many Americans will have more difficulty than usual when voting.

The coronavirus pandemic has led to a substantial increase in early voting and mail-in ballots. In theory, this should make it easier for voters to cast their ballots. In practice, however, the country has struggled to adapt to the new formats quickly and smoothly. Many people have requested mail-in ballots weeks ago (or longer) and are still waiting for their arrival. Others have shown up to their polling stations to vote early only to find lines with ridiculously long wait times – sometimes over eight hours. Long wait times as a result of too-few polling stations is a particular problem for communities of color. It is one voter suppression tactic (among many) that Republicans use. Republicans tend to do better in elections when there is lower voter turn-out. They know this and employ tactics to try to make it more difficult for people, especially black and latinx Americans, to vote. The pandemic offers even more opportunities for voter suppression. Couple this with the fact that the US postal service is under-funded and ill-equipped to handle mail-in voting on a larger scale, and one may wonder how many Americans will even be able to vote in this election. I, for one, am still waiting on my ballot, requested nearly a month ago.

         The situation in the US is uncertain. The conditions are historically unparalleled, the stakes could scarcely be higher, and Americans certainly feel passionately about Trump, one way or another. If we trust the polls, Biden is very likely to win. If we have flashbacks to 2016, then another four years of Trump (and all that that entails) is absolutely on the table. From where I stand, I think Biden has one huge advantage in this race, that Clinton didn’t have when she went toe to toe against Trump in the last presidential election and that is fear. Back in 2016, most Americans, even those who voted for Trump, had trouble really believing that a Trump presidency was possible. Now it is our reality and Americans are frightened. They have seen the damage Trump has done and are cognizant of how much worse it could get were he to win re-election. Voters know that, in addition to key issues like healthcare, immigration, the political leanings of the Supreme Court, and the government’s ability to handle the Coronavirus pandemic, democracy itself may be on the line this November. That fear may well be the fuel that an uninspiring candidate needs to catapult him to victory. Even then, a huge question hangs in the air: how far would a losing Trump go to hang on to power and preserve his ego?

„Diese Revolution wird mit Fawaz’ Blut weitergeführt”

Nach einigen Wochen Corona-Ruhe im Libanon kam es Ende April im Rahmen neuer Proteste zur Tötung des 26-jährigen Fawaz Fouad al-Samman durch einen Soldaten. Nun wird Samman als Märtyrer gefeiert.

Gastbeitrag von Franziska Fluhr, veröffentlicht am 22. Mai 2020

Einige Wochen war es sehr ruhig im kleinen Mittelmeerstaat, wo es seit dem 17. Oktober zu Massenprotesten gegen das korrupte Regime und die Bankelite kommt. Die Angst vor einer Corona-Ansteckung in einem Land mit dem unter der Wirtschaftskrise leidenden Gesundheitswesen und kaum existenter sozialer Absicherung war zu groß. Beiruts Downtown, der Hauptherd der Proteste in der Hauptstadt, war gespenstisch leer. Seit Oktober haben sich die Forderungen der Demonstrierenden jedoch nicht erfüllt, im Gegenteil. Mit der Wiedereröffnungder Parlamentssitzungen im April kamen deshalb auch die Proteste zurück. Zur Wut über die korrupte Wirtschafts- und Politikelite kommt nun ein entscheidender neuer Faktor hinzu: Nach dem endgültigen Kollaps der libanesischen Wirtschaft werden die Ausschreitungen inzwischen auch als „Protests of Hunger“ bezeichnet. Während die Preise stetig ansteigen, verlieren immer mehr Menschen ihre Arbeit oder erhalten weniger Lohn. Schätzungen des libanesischen Think Tanks Triangle zufolge sind inzwischen um die 45 Prozent der libanesischen Bevölkerung unter die relative Armutsgrenze von 4 Dollar täglich gefallen. Der Staat hat versagt, für den schutzbedürftigsten Teil der Bevölkerung zu sorgen. „Es ist egal – entweder wir sterben an Hunger oder an Corona“, heißt es daher auf den Protesten. Zurückgekommen sind die Protestierenden nicht nur in verringerter Anzahl, sondern auch wesentlich gewaltbereiter. Waren die Demonstrierenden im Oktober bereits wütend, so hat die Entrüstung inzwischen ein komplett neues Level erreicht. Hage Ali, Fellow am Carnegie Middle East Center in Beirut, bezeichnet es als unrealistisch, von einer hungernden und verarmten Bevölkerung zu erwarten, friedlich zu demonstrieren. Fokus der neuen Proteste sind Schlüsselorganisation im Kampf gegen das Regime: Angegriffen werden kommerzielle Banken, die Zentralbank und der nationale Stromerzeuger. Seit Wochen verliert die libanesische Währung an Wert. Nach einem neuen Rekordabsturz am 27. April folgte in der kommenden Nacht die bis zu diesem Zeitpunkt höchste Eskalation der Proteste, insbesondere in Tripoli. Die mehrheitlich sunnitische Stadt im Norden des Landes ist die ärmste des Libanon. Seit Oktober ist sie Hauptschauplatz der Revolution, viele bezeichnen den Zusammenhalt der Tripolianerinnen als beispiellos. Es ist nicht verwunderlich, dass sich also genau dort Demonstrierende und das Militär gewalttätige Auseinandersetzungen lieferten. Dass die libanesischen Fernsehsender zum ersten Mal nicht über die Ausschreitungen und das hefige Eingreifen des Militärs berichteten, sorgte auf social media Plattformen für einen Aufschrei. Mitten im Chaos der Auseinandersetzungen wurde der 26-jährige Demonstrant Fawaz Fouad al-Samman von einem Soldaten mit scharfer Munition angeschossen. Zum ersten Mal seit Beginn der Proteste machte das Militär Gebrauch von diesem Mittel. Noch in der Nacht ins Krankenhaus eingeliefert, erlag Samman am nächsten Morgen den Folgen seiner Verletzung. Als erstes Opfer der Proteste im Jahr 2020 markiert sein Tod eine Zäsur. Der Tod des Demonstranten Alaa Abou Fakhr im Herbst 2019 hatte zwar auch für viel Aufmerksamkeit gesorgt, auch er wurde zum Märtyrer erklärt. Doch die Umstände des Todes von Samman sind für viele bedeutend: Getötet wurde er nicht nur im „Herzen der Revolution“ Tripoli, er fiel während der Ausschreitungen scharfer Munition des Militärs zum Opfer. Die Armee ist konfessionell durchmischt und bei vielen die angesehenste Institution des Landes. Seit Beginn der Proteste haben viele Soldatinnen mit den Protesten sympathisiert, es gab zahlreiche Szenen gegenseitiger Solidaritätsbekundungen. Viele sehen die Soldatinnen als Teil der vom Regime vernachlässigten Bevölkerung. Das Vertrauen in das Militär wurde zwar immer wieder von Einzelfällen gestört, wenn Soldatinnen unverhältnismäßig stark gegen Protestierende vorgingen. In der Hauptkritik standen jedoch meist die Politik und Polizei. Die Tötung Sammans durch militärische Hand hat nun das öffentliche Bild und Vertrauen in diese Institution massiv geschwächt. Das Militär bedauerte später über Twitter und in einem offiziellen Statement den Tod von Samman. Eine offizielle Untersuchung werde eingeleitet, hieß es. Die Armee bezeichnete Samman außerdem als „Märtyrer“. Die gleiche Bezeichnung wurde vom UN-Sonderkoordinator für den Libanon Jan Kubis genutzt. Ein Märtyrer ist Samman also, da sind sich alle einig. Aber ist er auch ein Held?

Am Wochenende nach Fawaz Fouad al-Sammans Tod in Tripoli. Plakat hinten: Der Märtyrer von Unterdrückung und Armut. Plakat vorne: Wir fegen euch raus. // Foto von Arthur Sarradin

Zumindest die Seite der Demonstrierenden scheint sich hier einig zu sein: „Natürlich ist er ein Held für uns. Als Märtyrer der Revolution hat er einen Heldenstatus“, sagt Wael Ayoubi, ein guter Freund von Sammans Schwester. Das bestätigen auch die landesweiten Reaktionen auf seinen Tod: Nach der Beisetzung, begleitet von hunderten Trauernden, folgte die „Night of Molotov“: In der bereits toxischen Mischung aus Hoffnungslosigkeit und Wut über die Politik sorgte Sammans Tod für noch mehr Öl im Feuer. In einer neuen Eskalationsstufe wurden erneut Banken, aber auch Soldatinnen und Armee-Fahrzeuge angegriffen. Demonstrierende warfen Molotowcocktails in Bankfilialen, einige brannten vollständig aus. Die Banken versuchen sich seitdem aus Selbstschutz einzumauern, errichten meterhohe Metallbarrieren. Eine aus Beirut angereiste Autokolonne unterstützte am darauffolgenden Wochenende den Trauermarsch und ein Sit-In in Tripoli. Hunderte hielten Poster mit Sammans Gesicht in die Höhe. Die Atmosphäre vor Ort war eine Mischung aus Trauer, Bestürzung und natürlich Wut. Eine Mahnwache, begleitet mit Kerzen, wurde zur Ehrung von Samman abgehalten. Sie war aber kein Moment friedlicher Trauer, sondern ein politisches Spektakel. „Unsere Kerzen sind Molotowcocktails“, wurde gemeinsam mit den bereits bekannten Beleidigungen von Politikerinnen gerufen. Rana Dimassi, Sammans Mutter, verlangt Gerechtigkeit für den Tod ihres Sohnes. Einige Freund*innen fordern die Todesstrafe für den verantwortlichen Soldaten. Unwahrscheinlich, denn seit 2004 ist diese im Libanon de facto außer Kraft gesetzt, es gab seitdem keine Hinrichtung mehr. Widerfahre Samman jedoch keine Gerechtigkeit, so die Familie, werde auch sie auf die Straße gehen und dafür kämpfen. In einem Fernsehinterview hob Fatima Fouad, Sammans Schwester, noch einmal den Märtyrerstatus ihres Bruders hervor: „Diese Revolution wird mit Fawaz’ Blut weitergeführt. Und wir wissen, dass wir mit noch mehr Blut bezahlen werden müssen, um dieses gesamte System – von den Banken bis zu den aufeinanderfolgenden Regierungen – zu stürzen.“ Insgesamt sind die nun seit mehr als sieben Monaten andauernden Proteste sehr dynamisch. Sie haben mal mehr, mal weniger Momentum; werden mal von mehr, mal von weniger Menschen auf der Straße getragen. Laut Demonstrant Jimmy Matar habe jeder auf einen neuen Trigger zur Mobilisation gewartet, der Tod von Samman hat genau dies erreicht. Er ist zum Helden, vielmehr noch zum Symbol für die Proteste in Tripoli und im ganzen Land geworden. Sein Gesicht findet sich auf Postern in der Stadt, sein Name ist in aller Munde.

Die Familie von Fawaz Fouad al-Samman in Tripoli. Sein Bruder hält Fawaz Fouad al-Sammans Kind in die Höhe. // Foto von Arthur Sarradin

Ein Land, zu groß für die Freiheit

Was hat es mit dem neuen Sicherheitsgesetz auf sich und wie denken chinesische Studentinnen in Bayreuth über die Entwicklung in Hongkong? In zwei Interviews sprechen sie über Protest, Unabhängigkeit und Chinas Art, die Dinge zu regeln.

Die ersten Proteste in Hongkong sind jetzt bereits über ein Jahr her. Am 9. Juni demonstrierten Bürgerinnen Hongkongs in der eigentlich von China unabhängigen-autonomen Region gegen das umstrittene Auslieferungsgesetz. Das Gesetz sollte eine Auslieferung von straffällig gewordenen Chinesen an China ermöglichen. Kritikerinnen sehen dieses Gesetz jedoch vor allem als Vorwand der chinesischen Zentralregierung zur Ausweitung der Verfolgung von politischen Gegnern und zur Erweiterung der Kontrolle in den Sonderverwaltungszonen (darunter auch Taiwan, Tibet und Xinjiang). Nach wochenlangen Protesten begleitet von gewaltvollen Polizeieinsätzen, erreichten die Demonstrantinnen im September letzten Jahres eine Rücknahme des Auslieferungsgesetzes. Nun griff die chinesische Regierung jedoch zu anderen Maßnahmen und erließ Anfang dieses Monats das sogenannte „Sicherheitsgesetz“. Dieses richtet sich gegen Terrorismus, gegen Unabhängigkeitsbewegungen und gegen die Untergrabung der chinesischen Staatsgewalt. Die Autonomie Honkongs ist durch das Gesetz nahezu aufgehoben und die demokratischen Grundrechte sind stark gefährdet. Kritikerinnen zufolge sind durch diese neue Form der Zensierung die Meinungsfreiheit und die öffentliche Berichterstattung weltweit bedroht.

Um einen persönlicheren Blick auf das Thema zu bekommen und die Perspektive zu wechseln, haben wir zwei chinesische Studentinnen der Universität Bayreuth interviewt.

Laura*, ist 25 Jahre alt, aus Shanghai und studiert Sprachwissenschaften im Master in Bayreuth. Momentan arbeitet sie an ihrer Masterarbeit. In dieser analysiert sie unter anderem Medienberichte Deutschlands zu den Protesten in Honkong. Ihrer Auffassung nach, ist die Berichterstattung nicht neutral und berichte immer mit denselben Schlüsselworten über die Proteste. Die Proteste werden von vornherein als pro-demokratisch verstanden und alle Informationen dazu sind dementsprechend gelabelt.

Did you, family members or friends engage in the protests in Hongkong in some way?

No, I didn’t participate, nor did my relatives participate and I don’t know any of my friends who did.

Did any one of your friend or relatives experience police violence during the protests?

No.

Do you support the engagement of Joshua Wong?

I don’t agree with his action. In my opinion it’s too violent. To beat up the police is too hard. For me private rights, as for instance, to state your opinion freely and in public, are important. But as I see the situation, China only acts if something happens, like when they are afraid that an underground movement could plan a subversion. China is so huge and hard to control that Chinese people are often scared about losing a part of the country, and so the government, too, is worried about Hongkong’s intentions to become independent.

Now that China has enacted the new security law what do you think about the future for Hongkong?

In general, I think Hongkong will me more stable. It’s good for Hongkong, it’s going to be more secure and it can’t be a region for criminals to hide anymore. Cause that is what it was all about in beginning. With this law, the Chinese government wants to prevent that criminal people who committed crimes in China flee to Hongkong to escape prosecution (because of its special legal situation).

Do you plan to go back to Germany/China or did your plans change?

Yes, I want to go back to Bayreuth to finish my master degree, but for now the flights are really expensive from Shanghai to Germany. I will have to wait.

Do you think German institutions as for example the University of Bayreuth should publicly oppose the new law?

I think they shouldn’t make a statement, because that could make it difficult for Chinese students to study in Germany in the future. If they publish a statement against the Chinese Government, it could happen that the government breaks the contract with the university as a partner institution.

Referring to a survey from the international news agency Reuters, about 34 percent of the population in Hongkong support the new law. Do you think they support the law because they fear the Chinese regime or because they support the regime in general?

I don’t think that they say “yes” to the law because they are afraid. They want security and stability. Hongkong is economically very weakened by to the protests.

Do you think that economic sanctions for China could prevent China from further interventions?

No, stupid economic sanctions won’t change anything. It’s more important that other countries understand the way China is acting. It’s not good to intervene in political decisions of other countries, without understanding the actions. The protests in Hongkong were in a really Western way of protesting with violent riots and in Chinese understanding it’s not the right way to protest. We value harmony.

Is a call for independence really the solution, considering that there is a contract allowing China to take back over?

In my opinion every step towards an independence is not good in general.

Pei-Kang (27) ist in China aufgewachsen. Sie lebt und studiert seit Jahren in Bayreuth.

Did you, family members or friends engage in the protests in Hongkong in some way?

I have only one friend from Hongkong who is currently living in Germany and he didn’t participate in the protests.

Did any one of your friends or relatives experience violence from the police during the protests?

Not that I know. But a German friend of mine who said something in a private call against the Chinese government got a call from the local police in China.

Do you support the engagement of Joshua Wong?

Yes, I do. It reminds us of the Student Protests in China in 1989 which went out of control. I support the protests, but I am not brave enough to stand with them. I think it is really dangerous and it’s hard to change.

For me it’s also important to know both sides. At the campus in Bayreuth I found some flyers with information about the situation in Hongkong. It was interesting with more contra-information. But if I would support the student movement publicly, it will definitely cause problems for me, my relatives and friends in China, economically or socially.

Now that China has enacted the new security law what do you think about the future for Hongkong?

China will take over more and more. As Joshua Wong said, until today it used to be a 1,5 system (one country, 1,5 systems) and it will be only one System. So, there will be a new equilibrium.

Do you plan to go back to Germany/China or did your plans change?

I like the multi-sides of China and its solutions to development. I am open to living in different countries.

Do you think German institutions, for example the University of Bayreuth should publicly oppose the new law?

Yes, I think it should. Nowadays, students are too busy to protest for their interest. In Bayreuth it’s also peaceful.

But at the same time I think the partnership and scholar communications between the institutions could be cancelled.

Referring to a survey from the international news agency Reuters, about 34 percent of the population in Hongkong support the new law. Do you think they support the law because they fear the Chinese regime or because they support the regime in general?

I think a lot of them are scared because of the potential risk. In general I think most Chinese people won’t dare to say “I am for it” or “I disagree with it”. A single answer makes no difference.

Do you think that economic sanctions for China could prevent China from further interventions?

No, I think it won’t change (lacht). China is really powerful and from historical examples it had more serious sanctions and isolations and it stayed.

Is a call for independence really the solution, considering that there is a contract allowing China to take back over?

Solution is a word more for chemistry. I think it makes sense because participants make their voices heard. But considering the way of thinking of most of the Chinese population and government, terms like “human rights” and “democracy” are not so frequently used. The most important topic is the fight against poverty.

Thank you very much for your willingness to answer our questions.*Die Namen der Interviewpartnerinnen wurden zur Wahrung der Anonymität geändert.

Hochschulwahl: Grüne dominieren weiter, alle anderen zersplittert

Nach vier Wochen Briefwahl sind sie endlich da: Die Ergebnisse zur Hochschulwahl. Vor allem auf den hinteren Rängen hat sich dabei viel getan. An der Spitze bleibt dagegen die Grüne Hochschulgruppe (GHG) unangefochten stärkste Kraft.

Wie in der diesjährigen Legislatur werden die Grünen auch im neuen Studierendenparlament zehn Abgeordnete stellen. Davon zwei für den Senat und zwei für den Hochschulrat, die beiden wichtigsten universitären Gremien. Die studentische Vertretung im Rat bleibt damit die alleinige Aufgabe von GHG-Vertretern. Im Senat wird Felix Granzow (Jusos) die Flagge der restlichen Gruppen hochhalten müssen.

Damit behalten die Jusos ihren Senatsplatz. Generell haben sie aber wenig Grund zur Freude. Zwar sind sie erneut zweitstärkste Kraft nach der GHG, allerdings mit deutlichen Einbußen. Bei der Wahl der sonstigen StuPa-Abgeordneten verlieren sie fast sechs Prozentpunkte und dadurch einen Sitz. Damit sind sie nur noch mit drei statt mit vier Mitgliedern im neuen Parlament vertreten.

Wahlergebnis bei den sonstigen StuPa-Abgeordneten

Noch härter trifft es die Liberale Hochschulgruppe (LHG). Die büßt zwar absolut gesehen bei den sonstigen StuPa-Abgeordneten „nur“ 4,4 Prozent ein – sie steht jetzt bei 13,4 Prozent (2019: 17,8 Prozent). Aber ihre Sitze halbieren sich: Luca Preller ist der einzige liberale Vertreter im neuen Studierendenparlament.

Damit steht die LHG auf einer Stufe mit der neuen Volt Hochschulgruppe. Bei ihrem ersten Auftritt an der Uni Bayreuth gelingt es den Paneuropäern, immerhin 9 Prozent der Stimmen für sich zu gewinnen. Der Lohn dafür ist der Einzug von Hannah Pentz ins Studierendenparlament.

Vergleich der diesjährigen Wahlergebnisse (links) zur Hochschulwahl 2019 (rechts) bei den sonstigen StuPa-Abgeordneten

Auch der RCDS hat Grund zur Freude. Als einzige „etablierte“ Hochschulgruppe legt der Ring Christlich-Demokratischer Studierender sogar leicht zu. Der Sprung von 13,5 auf 13,7 Prozent der Stimmen reicht, um die LHG zu überholen und sich einen zweiten Sitz zurückzuholen. Den hatte der RCDS bei der vergangenen Hochschulwahl verloren.

Weniger erfolgreich war dagegen „Die Liste“, der Uni-Ableger der Satirevereinigung „Die Partei“. Schon der Wahlvorschlag für die sonstigen Abgeordneten war ungewöhnlich. Alle anderen Hochschulgruppen stellen 12 oder 24 Kandidierende auf. „Die Liste“ begnügte sich dagegen mit drei Kandidierenden. Das bedeutete dann auch nur 3,3 Prozent der Stimmen – nicht genug für einen Platz im StuPa. Für Senat und Hochschulrat trat die Gruppe gleich gar nicht an.

Zusammensetzung des neuen Studierendenparlaments: Von 29 Mandaten entfallen auf die GHG zehn, auf die Jusos drei, auf die LHG eines, auf den RCDS zwei und auf Volt eines. Die Fachschaften sind mit zwölf Sitzen vertreten.

Insgesamt festigt das Wahlergebnis die Dominanz der Grünen Hochschulgruppe. Um insgesamt 17 Sitze haben die politischen Gruppen gekämpft – 10 davon gingen an die GHG. Einen zusätzlichen Vorteil für die Grünen bot dabei das Zuteilungsverfahren. Knapp über 40 Prozent der Stimmen genügten beim aktuellen Wahlrecht für rund 60 Prozent der „politischen“ Mandate.

Eine Mehrheit hat die GHG damit aber noch nicht, denn 12 der 29 StuPa-Sitze werden wie immer an die sechs Fachschaften vergeben. Trotzdem sind die Grünen auch im nächsten Jahr die bei weitem stärkste Kraft in der Studierendenvertretung. Die restlichen vier politischen Hochschulgruppen teilen sich dagegen nur sieben Mandate. RCDS und Volt dürfen sich dabei immerhin über ihr Abschneiden freuen. Für die LHG ist die Wahl dagegen bitter, die Jusos bleiben knapp die Größten unter den Kleinen.

Für das vollständige Wahlergebnis hier klicken

Wahlergebnisse für den Senat
Wahlergebnisse für den Hochschulrat

Die Liste der Gewählten:

GHG:
Senat: Erik Ahlborn, Henrike Haggeney
Hochschulrat: Aila Banach, Patrick Bennesch
Sonstige Abgeordnete: Elena Arnold, Marlene Tillack, Lorenz Kiel, Julia Roettger, Paul Neumaier, Friederike Schick

Jusos
Senat: Felix Granzow
Sonstige Abgeordnete: Katharina Holzer, Rebecca Zimmer

RCDS:
Sonstige Abgeordnete: Christoph Hoffmann, Lea Dörfler

LHG:
Sonstige Abgeordnete: Luca Preller

Volt Hochschulgruppe:
Sonstige Abgeordnete: Hannah Pentz

Für die Fakultätsräte:

Fachschaft MPI:
Julia Schwarz, Marcel Schalling

Fachschaft BCG:
Bettina Firmke, Anna Hollweg

Fachschaft RW:
Peter Herzog, Waldemar Ludwig

Fachschaft SpLit:
Mary Chairopoulou, Lisa-Michelle Helten

Fachschaft KuWi:
Laura Grünewald, Sarah Hettler

Fachschaft Ing:
Laura Hufnagel, Anne Voss

Diskurs (un)möglich?

Die Mohrenapotheke in Bayreuth steht in der Kritik, mit ihrem Namen und Symbolen in den Schaufenstern rassistische Stereotypen zu reproduzieren. Apothekeninhaber Dr. Andreas Paul stört, dass keine offene Diskussion möglich sei. Eine Gruppe von Studierenden findet genau diese Ansicht problematisch. Ein Artikel über Deutungshoheit und verhärtete Fronten.

Von Helena Schäfer

Gelegen an einem der zentralsten Plätze Bayreuths trägt die Apotheke an der Ecke zur Sophienstraße seit Anfang des 17. Jahrhunderts den Namen ‚Mohrenapotheke‘. An den Fensterscheiben sind Bronze-Embleme angebracht, die die Köpfe Schwarzer Menschen mit verzerrten Proportionen und manche mit einem goldenen Ring in der Nase darstellen. Seit langem sorgen Name und Symbole für Fragen und Diskussionen.

Das Wort „Diskussion“ wird immer wieder in diesem Artikel auftauchen, oder auch „Diskurs“ oder „Debatte“. Es könnte problematisch sein, die Sache mit der Mohrenapotheke als kontroverse Debatte darzustellen. Noah Sow schreibt in ihrem Buch „Deutschland Schwarz Weiß“, das schon Jahre vor der aktuellen Bewegung Alltagsrassismus in Deutschland thematisierte: „Es besteht bei uns [in Deutschland] die Gepflogenheit, jedes Thema kontrovers zu diskutieren, selbst Themen, bei denen eine ‚Kontroverse‘ automatisch beinhaltet, dass eine Seite der anderen Seite Menschenrechte aberkennt (wie zum Beispiel ‚Hautfarbenbedingte Polizeikontrollen ja oder nein?‘)“. Auch im Falle der Mohrenapotheke wird eine „Kontroverse“ geführt über etwas, das vielleicht gar nicht verhandelbar ist, nämlich die Frage, ob eine bestimmte Bezeichnung diskriminierend ist oder nicht. Zwei Seiten stehen sich jetzt gegenüber: Eine Gruppe an Kritiker*innen, die die Frage für nicht verhandelbar halten und ein Apothekeninhaber, der besagte Kontroverse führen möchte.

Diese Konstellation entstand, als die Kritik an der Mohrenapotheke spätestens im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung eine neue Dimension angenommen hat: In einem Brief an den Apothekeninhaber fordert eine Gruppe aus hauptsächlich Studierenden, die sich gegen rassistische Bezeichnungen und Abbildungen in Bayreuth einsetzen, „die Umbenennung und Umgestaltung der M.-Apotheke“. In einer Stellungnahme an den Falter erklärt diese Gruppe, die sich unter dem Namen „Ohrenprojekt“ formiert hat: „Auch wenn das Wort M. schon vor der Kolonialzeit verwendet wurde, war es immer eine Fremdbezeichnung für Schwarze Menschen und demnach niemals ein neutraler Begriff. Seit dem 17. Jahrhundert steht die Bezeichnung M. außerdem in direktem Bezug zu Kolonialismus und Versklavungshandel genauso wie die heute verbreiteten Darstellungen als exotisch anmutende Dienerfiguren (man denke an den Sarroti M.) oder edle Wilde. Der Kolonialbezug des Begriffs M. und seiner bildlichen Darstellung ist also unbestreitbar“.[1]

Apothekeninhaber Dr. Andreas Paul sieht sich mit dem Rassismus-Vorwurf zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt. Im persönlichen Gespräch mit dem Falter erklärt er: „Wenn ich es böse verstehen will, bin ich jetzt einer, der Fahne schwingend für die Braunen im Ku-Klux-Klan über die Straßen zieht. Das stimmt einfach nicht.“ Er stört sich an der offensiven Art, mit der er beschuldigt wird. Fragen von Kund*innen und Reisenden nach dem Namen der Apotheke habe es immer gegeben. „Dieses Jahr neu hinzugekommen ist das offensive ‚Du Rassist‘. Da wird nicht groß hinterfragt, wer denn nun genau wie für den Namen verantwortlich ist.“ Neben Briefen, teils nicht unterzeichnet, hingen Schilder an der Tür, er fand Kreidezeichnungen auf der Straße und Schaumküsse an der Fensterscheibe. Paul betont im Gespräch immer wieder zwei Dinge: Einmal, dass für ihn alle Menschen gleich seien: „Es ist mir scheißegal, ob er, sie, es, ob jung oder alt, ob Schwarz, Weiß, das ist mir vollkommen piepe. Mir kommt es darauf an, ob der Mensch ein feiner Kerl ist oder ein Arschloch.“ Zweitens, dass wir in einem freien Land leben und er wie auch die Schaumkusswerfer*innen ein Recht auf freie Meinungsäußerung habe. So sieht er es auch als sein Recht, die Eindeutigkeit des Rassismusvorwurfs anzuzweifeln.

Die Darstellungen der Schwarzen an den Fensterscheiben findet er „diskussionswürdig“. „Ich kann die Kritik bei den Darstellungen sehr gut nachvollziehen.“ Doch auch hier vermisse er eine gewisse Offenheit: „Ich bin trotzdem überrascht, dass hier von Geköpften geredet und immer wieder der Sklavenring zitiert wird. Also wenn ich das schon auf die Pieke treibe, dann kommt nie die Diskussion auf, dass es ein goldener Ring und vielleicht auch traditioneller Schmuck ist, der da dargestellt wird.“

Er sagt auch: „Würde man einen Weißen zu komplett anderer Gegebenheit hinhängen, der unvorteilhaft dargestellt ist, weiß ich nicht, ob ich mich da persönlich angegriffen fühlen würde. Andersherum fühle ich mich jetzt natürlich selbst angegriffen, indem mir ein Vorwurf gemacht wird für etwas, was ich nicht beeinflussen kann, dass nämlich diese Apotheke schon seit sehr langer Zeit so heißt. Genauso wie ein Schwarzer nicht beeinflussen kann, dass er Schwarz ist, ob er es will oder nicht. Das ist vielleicht die größte Parallele, die wir im Moment haben.“ Auch wenn Paul als Inhaber, der die Apotheke nur mietet, nicht alleine über eine Entfernung der Symbole entscheiden kann, bleibt die Parallele hier sehr zweifelhaft. Andere Mohrenapotheken benannten sich in den letzten Jahren um. Erst in diesem Sommer, angeregt durch die ‚Black Lives Matter‘-Bewegung, gab eine gleichnamige Apotheke in Kiel ihre Umbenennung bekannt. Zudem wird Rassismus in der wissenschaftlichen Diskussion oft als ein von Weißen gegen Schwarze historisch gewachsenes Konstrukt verstanden, das weder umgedreht werden kann noch vergleichbar damit ist, dass jemand unvorteilhaft dargestellt wird. Die Bayreuther Professorin Susan Arndt schreibt zum Beispiel in ihrem Buch „Die 101 wichtigsten Fragen – Rassismus“: „Weißsein ist ein kollektives Erbe des Rassismus. Es geht weder um Schuldzuschreibungen noch um Sühne, sondern darum, anzuerkennen, dass Rassismus – analog zum Patriarchat im Falle der Geschlechterkonzeptionen – ein komplexes Netzwerk an Strukturen und Wissen hervorgebracht hat, das uns sozialisiert und prägt.“

Auf die Frage, ob er die Kritik auch bei der Namensgebung verstehen könne, sagt Paul: „Da ich nicht mit der schwarzen Hautfarbe geboren bin und Rassismus nicht permanent erlebt habe, kann ich das auf einer emotionalen Basis nur versuchen nachzuvollziehen, ich kann es aber nicht verstehen, weil ich diese Erfahrung nicht habe. Bei der Namensgebung fällt es mir tatsächlich schwer, den emotionalen Part zu teilen.“ Paul will zur Klärung des Vorwurfs an ihn auch auf die Wortherkunft schauen. Während das Wort „Mohr“ nicht eindeutig geklärt werden könne, so Paul, sei es bei Mohrenapotheken ziemlich sicher, dass der Name sich auf die Mauren, also Menschen aus Mauretanien, beziehe: „Sie standen dafür, dass man im Morgenland eine hochwertige, überlegene Medizin in einer Zeit hatte, wo bei uns Aderlass, gelbe Galle, schwarze Galle das Nonplusultra waren und, ich glaube, mehr Leute an der Medizin gestorben sind als geheilt wurden.“ Zu dem Argument, die Bezeichnung der Apotheke sei nicht diskriminierend, sondern eine Ehrung der ‚maurischen Medizin‘, sagen die Mitglieder des Ohrenprojekts: „Historisch gesehen ist der Name eher als Exotisierung anstatt als Ehrung zu verstehen. Die Figur des M. steht stellvertretend für fremde, exotische Wunderheilmittel. Desweiteren nehmen die Darstellungen im Schaufenster in keinerlei Weise Bezug auf irgendeine Form der Heilkunst, geschweige denn auf die ‚maurische Medizin‘. Wir empfinden es als absurd, kolonial-rassistische Darstellungen als Zeichen für eine Apotheke zu verwenden und dies anschließend als Ehrung Schwarzer Menschen zu interpretieren.“ 

Neben dem Hinweis, der Name der Apotheke sei nicht eindeutig rassistisch, verfolgt Paul auch eine Argumentationsstrategie, die eher zu jemandem passen würde, der den Namen seiner Apotheke  tatsächlich für rassistisch hält: „Verbannen und aus Stein rausmeißeln und aus Büchern tilgen, finde ich einen schlechten Weg. Steine des Anstoßes sind notwendig, damit man eben nicht vergisst, dass man sich dran stößt, um die Diskussion beizubehalten, um eben nicht wieder in dieselben Fehler rein zu tappen, die gemacht wurden.“ Das Ohrenprojekt kritisiert, dass zurzeit gerade diese kritische Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Rassismus fehle: „Es werden koloniale Bezüge und die Reproduktion von Rassismus geleugnet. Wir sehen die Namensänderung nicht als Selbstzweck, sondern als Teil einer breiteren Auseinandersetzung mit Rassismus und Kolonialgeschichte in Bayreuth. Somit sollte es in einem größeren Kontext darum gehen, wie wir als Gesellschaft mit unserer rassistischen Prägung, unserem rassistischen Erbe umgehen können.“

Paul weist auch immer wieder auf den hohen und rechtlich komplexen Aufwand hin, der mit einer Änderung des Namens verbunden wäre. Er erklärt, dass das Haus unter Denkmalschutz und der Apothekenname in seinem Mietvertrag stehe und damit auch seine Apothekenbetriebserlaubnis an ihn geknüpft sei. Das Hauptproblem hierbei sei, dass Paul die Räumlichkeiten der Apotheke nur mietet und der Eigentümer das letzte Wort über Änderungen am Haus habe. Mit diesem sei er im Gespräch, die Sache müsse allerdings mit Fingerspitzengefühl angegangen werden: „Ich weiß im Moment einen Gesprächsstand, den ich aber erstmal nicht weitergeben möchte, weil da zu viel dranhängt.“

Er beschäftige sich jedenfalls damit, die „Problematik zu würdigen“: „Wir sind sehr wohl am überlegen, wie wir das historisch und mit Bezug auf die Rassenproblematik professional ausarbeiten. Ich weiß nicht, was dann am Schluss dabei rauskommt. Vielleicht bin ich ja der weltgrößte Rassist, ich hab’s bloß bis jetzt nicht gewusst. Vielleicht kommt durch die Diskussion angeregt in zwei Jahren raus, dass das Wort ‚Mohr‘ tatsächlich in Deutschland per Gesetz überall getilgt werden muss.“ Nach aktuellem Stand werde er versuchen, in und an seinem Laden und in schriftlicher Form, Informationen bereitzustellen, sodass diejenigen, die sich an dem Begriff stören oder die sich dafür interessieren, eine Antwort bekommen. Paul hofft, das Problem auf diese Weise lösen zu können: „Ich glaube, wenn die Symbole nicht einfach nur Deko oder Marketing sind, sondern in einen Kontext gesetzt und entsprechend beleuchtet werden, dann hätten etliche Menschen weniger Probleme damit.“

Ein tief sitzendes Problem scheint für Paul die offensive und konfrontative Art der Rassismus-Beschuldigung zu sein: „Mich stört, dass die, die mir da was um die Ohren gehauen haben, vorher nicht persönlich mit mir gesprochen haben, um vielleicht auch meine Historie und meine Gedanken zu verstehen. Jeder kann seine Meinung frei äußern, es nervt bloß, wenn ich merke, dass gar keine offene Diskussion möglich ist. Es wird die Deutungshoheit an sich genommen, was wie zu interpretieren ist und beschlossen, du als Betreiber bist Rassist.“ Paul sagt selbst, dass er als Weißer die Erfahrung des Rassismus nie gemacht habe. Auf den Einwand, dass er deshalb denen, die sagen, sie empfänden den Namen als verletzend oder diskriminierend, vielleicht die Deutungshoheit zugestehen müsse, anstatt zu versuchen, den Begriff selbst einzuordnen, sagt Paul: „Mit Verlaub, das sehe ich etwas anders. Ich finde, dass eine gemeinsam getragene Meinung dann gut ist, wenn sie wirklich gemeinsam getragen wird, und wenn man gemeinsam feststellt, dass das entweder die wahrscheinlichste oder die beste oder die mit dem größten Konsens ist.“ Zurzeit sieht er sich von einer gemeinsam getragenen Meinung weit entfernt: „Ein plumpes ‚Benenn dich um!‘ kann man fordern, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Dann kann ich auch sagen: ‚Nein.‘ Vorwürfe muss ich tolerieren, das ist ein freies Land, ich muss halt nur nicht derselben Meinung sein.“

Die Mitglieder des Ohrenprojekts kritisieren genau diese Ansicht. Sie finden es problematisch, wenn die Debatte als „ihre Meinung“ gegen „die Meinung des Apothekers“ geführt wird. Nach ihnen dürfte es gar keine Debatte in diesem Sinne geben: „M. ist eine eindeutig rassistische Bezeichnung, welche auch im Duden als ‚heute diskriminierend‘ beschrieben wird. Dass nun Weiße Menschen darüber diskutieren und meinen, entscheiden zu können, was rassistisch sei und was nicht, ist eine typische Abwehrreaktion gegen die Thematisierung von Rassismus und somit selbst Ausdruck eines rassistischen Machtverhältnisses innerhalb der deutschen Gesellschaft.“  

Weit entfernt von einem fruchtbaren Diskurs darüber, wie es weitergehen soll, haben sich verhärtete Fronten gebildet: Eine Gruppe Studierender, die sich wissenschaftlich fundiert gegen Rassismus im Alltag und Stadtbild einsetzen möchte, dabei aber darauf beharrt, dass die Thematik an sich nicht zur Debatte stehen könne und damit Ärger und Kränkung beim Beschuldigten hervorruft. Ein Apotheker, der die Situation einer „Nicht-Diskussion“ beklagt, gleichzeitig aber wenig Einsicht dafür zeigt, dass rassistische Strukturen auch unbewusst über den Namen seiner Apotheke weitergetragen werden können. Einige Fragen bleiben offen: Wie können sich Kritiker*innen und Namensverfechter auf Augenhöhe begegnen? Kann ein Diskurs über die nächsten Schritte überhaupt geführt werden, wenn schon keine Einigung über die Ausgangslage besteht? Sollte Protest sich überhaupt an der Möglichkeit eines Diskurses orientieren? Lässt sich in dieser Sache ein gemeinsamer Nenner finden und wenn ja, wie?


[1] Anmerkung: Das Ohrenprojekt wollte sich dem Falter gegenüber nicht in einem direkten Gespräch äußern, da sie sich als Kollektiv verstehen und somit keine Person in den Vordergrund stellen wollen. Außerdem finden sie die Debatte im Sinne ‚ihre Meinung‘ gegen ‚die Meinung des Apothekers‘, problematisch. Dazu mehr im Artikel.

Rückschläge

Ein Gedicht

Wir haben uns nichts zu sagen,

alle Suchen sind vergeben

und trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen,

in den Anderen hineinzusehen.

Entartet, das was uns erwartet.

Dystopien von Schmerz und Heiterkeit,

wie ein Geflecht aus Fleisch und Leid.

Woher dieser schmerzvolle Klang?

Jeden Tag aufzustehen, sich selbst in die Augen zu sehen und in die Welt hinauszugehen, mit heit‘rem Gang.

Andren Menschen zu begegnen,

ihre Hand entgegenzunehmen,

reden, klagen, bewundern, hochzusehen

und sich gleichzeitig nicht für sich selbst zu schämen.

Erfolg und Anerkennung, Missgunst und Angst,

in einem Strudel aus dem du nie kannst.

Wir sind beim du, es wird intim,

doch dem kannst du dich nicht entziehn.

Vom Auf und Ab zum links nach rechts,

du siehst dich um und bist entsetzt.

Was mache ich hier? Habe ich mich verrannt?

Ich habe alles, doch bin ich verdammt.

Da, wo man das Schreiben lernt

Wo man Schreiben studieren kann und was das kostet.

Mit dem Schreiben Geld verdienen, den Krimi des Jahrhunderts veröffentlichen, seine Gedichte in Klassenzimmern interpretiert zu hören, gelesen werden. Davon träumt so mancher Schreiberling – sicherlich zurecht – aber für den großen Traum der Schriftsteller*in muss man nun mal gut Schreiben. Aber wo lernt man das, das gute Schreiben?

Die erste Möglichkeit, die auftaucht, wenn man nach dem Schreiben Lernen sucht ist ein Fernstudium. Das Angebot ist groß, man ist flexibel, kann überall sein Handwerk lernen und sich scheinbar nebenbei die Kunst der Worte zu eigen machen. Ein Beispiel für so ein Fernstudium bietet die Schule des Schreibens – Deutschlands größte Autorenschule. Hier lernt man nicht nur einfach literarisches Schreiben, sondern kann sich spezifisch festlegen. Liebesromane, Krimis, Kinderbücher – für jedes Genre gibt es einen Kurs. Der einzige Haken, der vor allem Studierenden schmerzen wird, sind die Kosten. Die betragen nämlich bei der Schule des Schreibens gute 5000€. Ob das Erlernen einer vermeintlich „brotlosen Kunst“ so viel wert ist, muss wohl jeder angehende Autor selbst entscheiden.

Wenn man keine 5000€ auf dem Konto liegen hat oder einfach mehr Zeit als einige Monate ins Schreiben investieren möchte, für den ist das Schreiben als Bachelorstudium vermutlich besser geeignet. Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus kann man beispielsweise in Hildesheim studieren. Nach einem Bewerbungsverfahren bei dem man, selbst wenn man nicht angenommen wird, die Chance auf Feedback hat, kann man dort sechs Semester lang das Schreiben lernen. Das Studium ist in das Hauptfach Literatur, zwei selbst gewählte Beifächer sowie die Fächer Interdisziplinarität und Kulturpolitik unterteilt. Der Schwerpunkt des Studiums liegt auf kulturjournalistischem, literarischen und dem eigenen Schreiben.

Der zweite Bachelorstudiengang in Deutschland, durch den man das Schreiben lernen kann, ist Literarisches Schreiben in Leipzig. Das Studium ist laut der Website der Uni Leipzig anwendungsorientiert und künstlerisch. Es gliedert sich inhaltlich in Prosa, Lyrik und Szenisches Schreiben. Der Autor Bov Bjerg (er schrieb die Bestseller Auerhaus und Serpentinen) studierte Literarisches Schreiben in Leipzig. Schreiben hat er dort nicht unbedingt gelernt, aber das kritische Betrachten von Texten, die Arbeit mit Worten und die Kunst des Lektorierens. Er würde es jederzeit wieder machen, sagt er in einem Interview mit dem BR.

Genauso wie in Hildesheim und Leipzig kann man Literarisches Schreiben als Vollstudium an der Hochschule der Künste Bern in Biel studieren. Besonders ist hier der mögliche Austausch mit französischsprachigen Studierenden. Auf den ersten Blick unterscheidet es sich sonst nicht groß von dem Studium in Leipzig – in Biel steht auch der eigene Schreibstil, die künstlerisch-reflektierte Arbeit und Kritikfähigkeit im Mittelpunkt.

Wer weder in die Schweiz noch in vermeintlich verschlafene Städte oder nach Sachsen möchte kann das Schreiben in Berlin studieren. An der SRH Hochschule der populären Künste Berlin wird der Studiengang Kreatives Schreiben & Texten angeboten. Die Studiengebühren betragen hier 650€ im Monat, sind also etwas höher als das, was man in Leipzig oder Hildesheim bezahlt. In sieben Semestern lernt man hier unter anderem das Handwerk des Schreibens und laut Website die Neugierde auf neue Textsorten. Besonders ist hier, dass unsere Welt als digitaler Arbeitsplatz wahrgenommen wird. Auf dem Lehrplan stehen daher auch Texten für Games, Blogs und Storytelling für audiovisuelle Umgebungen.

Wer es eilig hat, kann das Schreiben auch in zwei Semestern studieren. Den Lehrgang Literarisches Schreiben bietet die SAL Zürich an. Hier wird man unter Obhut von Literatur-Dozierenden und Gästen aus der Branche mit Methodiken und Techniken der literarischen Produktion vertraut.

Diese sechs Möglichkeiten sind sicher nicht die einzigen, es gibt zahlreiche weitere Institute, auch Stiftungen fördern angehende Autor*innen häufig in ihrer Schreibstilfindungsphase. Wenn man sich nicht am Deutschen festhält, scheinen die Möglichkeiten des Schreibenlernens beinahe grenzenlos. Beim Betrachten der Lebensläufe von Bestsellerautoren scheint es auch nicht ausschlaggebend zu sein, ein abgeschlossenes Schreibstudium zu haben, um Schreiben zu können. Schaden kann es sicher nicht, und doch lernt man das Schreiben wohl am besten durchs Schreiben selbst.

Momentaufnahmen

Es ist kurz vor knapp. Der Tag ist rum, aber nur fast. Der Himmel hat die falschen Farben und ich schlechte Laune. Seit guten zehn Minuten ist es auch noch kalt und alle Blumen um mich herum haben angefangen sich vor mir zu verschließen. Das macht man jetzt wohl so, das sich vor mir verschließen. In guten zehn Minuten kann ich eh nichts mehr sehen, dich auch nicht, dann ist das sowieso egal. Mir wird immer kälter, es wird immer düsterer, der Mond löst die Sonne ab. Der Himmel fängt an wieder die richtigen Farben zu haben. Ganz dunkelblau ist er jetzt, so blau wär ich jetzt auch gern, denke ich bei mir und sage dir gute Nacht. Dabei haben wir noch den ganzen Heimweg vor uns.

Zurück Zuhause. Ich war dieselbe, Zuhause war dasselbe. Alles gleich und trotzdem war ich inkompatibel mit dieser Welt, die meine war. Ich schlurfte durch den langen grauen Gang zu unserer Wohnungstür, steckte den Schlüssel ins Schloss, überzeugt davon, dass er nicht passen konnte. Er passte. Ich atmete ein, aus, drückte die Tür auf und war wieder da, wo ich vor drei Wochen war. Und beinahe jeden Tag vorher. Der Gang roch nach meiner Mutter und jetzt auch nach mir, denn ich war die, die ihr Parfum getragen hatte die letzten Wochen. Sie musste sich ein neues gekauft haben. Der Gedanke, dass sie mich genau wie ihr Parfum ersetzt hatte huschte an mir vorbei. „Hallo!“, ein Krächzen meinerseits. „Hallo, ich bin wieder da.“, meine Tasche schmiss ich in mein Zimmer, wäre ich ein Schulmädchen gewesen, ich hätte mich ähnlich verhalten. Hallo, ich bin wieder da. Ranzen in den Raum gepfeffert, der meiner ist, für den ich keine Miete zahle. Nur ein selbstverständliches Verständnis für Eigentum macht den Raum zu meinem. Es ist dreizehn Uhr. Es müsste niemand zuhause sein, aber es könnte. Meine Mutter fand ich in ihrem Bett. Sie schlief, aber Wimperntusche und Lipgloss verrieten, dass sie eingenickt war und ohne Einverständnis ihrer Selbst ruhte. Ich legte mich neben sie. Meinen Kopf presste ich in die Kuhle, die ihr Rippenbogen mit den Brüsten bildete. Behütet fühlt man sich in solchen Körperkuhlen. Versorgt.

Es war kalt draußen, so kalt, dass man Fridas Atem sehen konnte, den sie durch die gepuderte Nase in die Luft stieß. Frida, die langen Hände in den Muff aus Kängurupelz gewickelt, den ihr ihr Mann den vorigen Herbst aus Australien mitgebracht hatte, wartete wie jeden Mittwoch auf den Bus, der sie zu genau diesem Mann bringen würde, wenn auch nur für zwanzig Minuten. Fridas Mann war ein schwer beschäftigter Mann. Er war von früh bis spät auf den Beinen. Er stand vor Frida auf und ging nach ihr zu Bett und manchmal war sie sich nicht sicher, ob er überhaupt nach Hause kam. Wenn Fridas Mann nicht ab und zu seine großen, meist sehr kalten, Hände zwischen ihre Pyjamahose und ihre Pyjamabluse gleiten ließ, dann hätte Frida wahrscheinlich geglaubt, er würde sich nicht mehr gern neben sie legen. Dabei war Frida die schönste Frau von all den Frauen, die die Männer, die dort arbeiteten, wo auch Fridas Mann arbeitete, hatten. Frida hatte volle, dunkle Haare und samtige Haut, gesprenkelt mit kleinen Muttermalen, die nur an den richtigen Stellen waren. Frida war groß, nicht riesig, aber doch den Durschnitt um stolze drei Zentimeter überragend. Und Frida hatte die tollsten Augen, denen man im Leben begegnet, wenn man in dem Leben auch Frida begegnet ist. Von langen Wimpern umkränzt leuchten Fridas Augen unter mühsam gezähmten Brauen hervor. Wenn Frida liest, und dann ihren Blick vom Buch weghebt, um irgendetwas im Raum mit ihrem Blick zu finden und versehentlich dabei andere Augen findet, dann kann es einen schon mal erschlagen. Die ganze Schönheit, die da aus Fridas Augen fließt, erschlägt einen dann, bis Frida sich wieder ihrem Buch widmet.
Neben Frida stand wie jeden Mittwoch die kleine Frau mit dem noch kleineren schwarzen Dackel und das junge Mädchen mit dem fettigen Haar, das streng zu Zöpfen gekämmt war. Ein lustig anzuschauendes Trio, man könnte es mit Blumen vergleichen: eine Knospe, eine in voller Blüte und eine schon längst verwelkt. Heute entschloss sich die Knospe, die die Blüte schon seit drei Wochen jeden Mittwoch neugierig beäugte, Frida anzusprechen. Sie nahm einen beherzten Schritt von dreißig Zentimetern in Richtung Blüte und tippelte die restliche Distanz in den kleinen Schritten, die wohl nur kleine Mädchen beherrschen. Kurz vor Frida, etwa in der Entfernung des ersten Schrittes, fuhr sie ihren kurzen Arm auf Maximallänge aus und tippte an Fridas Pelz. Frida, das tippelnde Ding schon seit Schritt eins beobachtend, senkte ihren Blick und erschlug das kleine Mädchen. Taumelnd fand sie wieder zurück. Sehr darauf bedacht, nicht noch einmal mit Fridas Augen zu kollidieren, tippte sie noch einmal auf den Muff. „Ist das echt?“ Frida nickte. „Was ist das?“ „Känguru.“ Die Verwelkte Blume lachte unerwartet. Eigentlich hatten die Blüte und die Knospe sich in Zweisamkeit gedacht.

Wir saßen schon eine ganze Weile so beisammen. Sie redete, ich schwieg. Sie zündete sich eine Zigarette an. Atmete grau aus. Irgendwie erschlug mich der Kippenrauch. Das schmeckte wie bei Oma, weil bei Oma immer geraucht wurde. „Geräuchert hält länger.“ Murmelte Oma immer und wenn ich mir die dünnen Lippen, die vor sich hin schrumpelten, genauer anschaute, fragte ich mich auch immer wie ich ohne Narben von ihren Küssen auf meiner Babyhaut davonkommen konnte. Und diese alte Schachtel, die sich ihr Lebensfeuer immer wieder mit diesem Nikotinrausch minimierte, überlebte ohne weiteres das halbe Dorf. Nikotin – von einer in die andere Schachtel transportiert, eine dampfende Eisenbahn nach Dauerfahrplan. „Geräuchert hält länger.“, murmelte sie und ich erwachte aus meinem Tagtraum von Oma.

Heute hier, morgen dort

Die Justizvollzugsanstalt Sankt Georgen liegt an der Markgrafen Allee Nummer 47. Hier leben bis zu 900 Gefangene hinter Gittern. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man in seine Zelle tritt und weiß: Das ist jetzt mein Leben?

„Wir sind hier ja sozusagen eine kleine Gemeinde und ich bin dann der Bürgermeister“, erklärt der Justizvollzugsanstalts-Leiter. In seinem Büro steht der Text von Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“, schön kalligraphiert von einem alten Kollegen. Eine Landstreicher-Hymne. Herr Konopka ist verantwortlich für 900 Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Sankt Georgen.

Die Anstalt beherbergt Gefangene jeglicher Vergehens-Grade. Von ein paar Monaten bis zu Jahrzehnten Strafmaß ist alles dabei. Der Zuständigkeitsbereich der drittgrößten JVA Bayerns geht bis nach Ingolstadt. Für Angehörige oft ein schweres Los.

Im Internet findet man Beschreibungen der brutalen Prozeduren, denen die Gefangenen im 18. Jahrhundert, als die Anstalt gegründet wurde, ausgesetzt waren. So wurden die neuen Gefangenen damals angeblich mit gefesselten Händen an die Willkommenssäule gehängt und ausgepeitscht.

Heute ist alles anders. Die Broschüre der JVA Bayreuth liest sich fast wie eine Werbung. Die Rede ist von kompetent- und leistungsfähigem Personal. Die Ausbildungs- und Freizeitangebote werden gelistet und mit schönen Fotos unterlegt. Wächter gibt es keine, die gibt es nur im Zoo. Heute gibt es Justizvollzugsbeamte. Es gibt auch keine Zellen, sondern Hafträume. Nur die Gefangenen bleiben auch in der Justizvollzugsanstalt Gefangene.

Das gesetzlich festgeschriebene Ziel der deutschen Gefängnisse ist die Resozialisierung. Und in der Tat, wird alles daran gesetzt die Gefangenen auf ein Leben ohne Gitter vorzubereiten. Man kann zwanzig unterschiedliche Ausbildungen machen, in den Chor gehen, zur Berufsschule und bei guter Führung auch raus in die Welt.

Wir werden durch zwei Betriebe und einen Zellenblock geführt. Überall hängen Fotos von nackten Frauen. Und nicht die gemäßigte Variante mit überkreuzten Beinen, die man in manchen Autowerkstätten findet. Die Männer pfeifen uns aus den Fenstern hinterher, vor allem der Fotografin. Drei Stunden Besuchszeit pro Gefangenem im Monat, die sie auf bis zu drei Personen aufteilen können. Zu Corona-Zeiten eine Stunde, eine Person. Natürlich immer unter strengster Beobachtung. An Sex ist also nicht zu denken. Und auch Küssen ist wohl anders unter fremden Augen.

Begleitet von den Justizvollzugsbeamten werden wir in die abschließbaren Büros geführt und lassen uns von den Betrieben und ihren Erfolgen erzählen. Hauptthema sind die neuen Maschinen und Aufträge. Acht Stunden am Tag müssen alle arbeiten. Die Gefangenen bekommen zwischen 80 und 140 Euro im Monat. Davon dürfen sie 4/7 ausgeben (man kann Bestellungen aufgeben) und 3/7 werden zwangsgespart, für später.

Der Alltag scheint freundlich. Die Beamten werden gesiezt und keiner, den wir fragen, kann von irgendeinem Vorfall berichten. Die Werkbetriebe zu führen, sei auch nicht groß anders als draußen. Die Männer bewegen sich frei in der Schreinerei, benutzen die lange Messer und sägen und arbeiten Schulter an Schulter mit den Aufsehern. Sie zeigen uns, was sie machen, sind ausgesprochen höflich und halten dabei Abstand. Der einzige Unterschied scheint zu sein, dass am Abend die Messer gezählt werden.

Auf die Frage an die Beamten, ob sie sich schlecht fühlen, wenn sie abends nach Hause gehen, folgt das prompte: Nein, wieso, ich darf doch. Ein kollegiales Verhältnis wird und darf sich nicht einstellen. Keine Bevorzugung, zu viele Gefangene haben schon Beamte überredet, ihnen etwas von draußen mitzubringen. Sie dürfen nichts erzählen, nicht von ihrer Familie oder ob sie im Urlaub waren. Angst haben die Beamten keine. Dann wäre das auch der falsche Job, sagen sie.

Uns wird eine Zelle gezeigt. Die Fotos an der Wand, die Taschentuchbox auf dem Nachttisch, der Rasierschaum und das Klo. Wir können uns umschauen, die Zellen werden eh täglich kontrolliert. Es wird nach verbotenen Gegenständen oder Manipulationen gesucht. Manchmal ist dann eine Fliese gelockert worden, so dass man dahinter eine Kleinigkeit verbergen kann.

Wir stehen in der Küche, flankiert vom Vollzugsanstaltsleiter und zwei Justizvollzugsbeamten. Eine Gruppe Gefangene macht Döner, eine andere kocht Bulgur. Um zum Waschbecken zu kommen, gehen sie aus der Tür raus und hinten wieder rein, weil der direkte Weg sie an uns vorbeigeführt hätte. Vielleicht dürfen sie das nicht. Gemeinschaftsräume außer der Küche werden wenig benutzt. Die Gefangenen sitzen zusammen in ihren Zellen. In ihren Zellen wurden letztes Jahr auch zwei Gefangene tot aufgefunden. Am einzigen Ort in der Justizvollzugsanstalt, an dem keine Kamera aufzeichnet.

„Deshalb is okay, wenn das Leben ihm ne Pause gibt. N bisschen Zeit zum Überlegen einfach aus Prinzip“ rappt Sido in seinem Song „Striche zählen“. Und wirklich, es scheint, als hätte der Staat in dem Leben seiner Gefangenen einfach einen Pause-Knopf gedrückt. Ein, zwei, fünf – vielleicht zwanzig Jahre folgen sie einer Routine. Um sieben fängt Arbeit an. 15:30 Schluss. Eine Stunde Hofgang, dann Freizeitaktivitäten oder Freigang im Zellenblock. Um 18:45 absoluter Einschluss. Ein Tag wie der andere, bis es dann irgendwann zurück in das Leben draußen geht. Doch auch Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“, endet auf dem traurigen Satz: „So vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.“

Gibst du der Quote eine Chance?

Im Endspurt des Hochschulwahlkampfs diskutiert das StuPa über eine verbindliche Frauenquote für den Sprecherrat

Die kontroverseste Debatte der StuPa Sitzung war der Antrag zur paritätischen Nachbesetzung von Sprecherratsämtern und Vorstand, vorgeschlagen von der GHG. Laut Antrag sollen Sprecherrat und Vorstand sich bemühen, dass die Organe nach der Hochschulwahl paritätisch besetzt werden sollen. Da es im Sprecherrat insgesamt zu wenig Frauen gebe und die Besetzung dessen repräsentativ sein sollte, sprachen sich einige Mitglieder für die Einführung einer Quote aus.  Argumente gegen den Antrag waren, zum einen dass es nicht Aufgabe der Sprecherräte sei, sich ihre Nachfolger*innen selbst zu suchen. Die Besetzung sollte laut Dominik Möst (Juso HSG) eigentlich ein offener Prozess sein. Auf dieser Basis brachte er einen Änderungsantrag ein. Des Weiteren sei es laut Sebastian Schröter (LHG) niemals die Aufgabe von Mitgliedern eines Parlaments, auf die nächsten Verantwortlichen zuzugehen. Nach seinem Gefühl können sich Frauen im StuPa genauso gut durchsetzen wie Männer. Daraufhin argumentierte Niclas Schilling beispielsweise, dass es im aktuellen StuPa patriarchalische Strukturen gebe. Strukturelle Probleme bräuchten strukturelle Lösungen. Nach seinem Erachten sei das aktuelle StuPa nicht repräsentativ.

Letztendlich gelang man in einer Abstimmung über den Änderungsantrag zu einem Ergebnis. So gab es insgesamt: neun Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Aufgrund dessen wurde die Änderung des Antrags angenommen.  Colin Thiede zog seinen Antrag zur paritätischen Nachbesetzung des Sprecherrats zurück, weil der geänderte Antrag in der Form von Dominik Möst mit seinen Intentionen nichts mehr zu tun habe.

Paul Neumaier (GHG) verkündete, dass das anstehende Wintersemester offiziell ein Präsenzsemester mit unterschiedlichen digitalen Anteilen sein soll. Dabei werde eine Lehre angestrebt, die montags bis samstags von 8 bis 22 Uhr stattfinde. Veranstaltungen für Erstsemester, Praxisveranstaltungen und Studierenden in der Examensvorbereitung oder vor Abschlussprüfungen werden priorisiert.  Die Vorlesungszeit wird im kommenden Wintersemester voraussichtlich zwei Wochen kürzer sein als die vergangenen Jahre. Als Kompensation für die verlorengegangene Vorlesungszeit stehen etwa Lernpodcasts und längere Einzelvorlesungen, z.B. zwei Stunden statt eineinhalb, zur Debatte.

Die Theaterkultur am Campus um das Überleben, da die beiden Technik-HiWis nicht bewilligt wurden. Falls die Stellen nicht weitergeführt werden sollten, gebe es keine technische Unterstützung im Theaterraum mehr. Laut dem Sprecherrat für Kultur, Campusgestaltung und Chancengleichheit, Niclas Schilling wäre der Studiengang Theaterwissenschaft dann nicht mehr studierbar. Insgesamt leidet die Fakultät aufgrund der Corona Krise an den Umsatzeinbußen, die den wegfallenden Veranstaltungen geschuldet sind.

Die Hochschulleitung hat den ersten Antrag zur Beseitigung der Diskriminierung von Transstudierenden angenommen, wie Niclas berichtete. So wird der Studierendenausweis in Zukunft nicht mehr geschlechterspezifisch ausgestellt. Auch werden in allgemeinen E-Mails von nun an geschlechterneutrale Anreden verwendet.

Jannik Jürß (LHG) berichtete, dass es einen Konflikt um die Verwendung der Studienzuschuss-Mittel gab. Dies galt vor allem der Kürzung der Mittel der Bibliotheken. Wegen der nicht ausreichenden Bibliotheksmittel für Online-Lizenzen werde es, in Zusammenarbeit mit den lokalen Abgeordneten, einen Brief an den bayerischen Minister für Wissenschaft, Bernhard Siebler, geben. Des Weiteren strebt die Fakultät KuWi derzeit an, einen Laptop-Leihservice zu etablieren.

Auch gab es Neuigkeiten zum Campus Kulmbach: Ein Studiengangskonzept für „Global Food, Nutrition & Health“ wurde verabschiedet. Dieser soll im Sommersemester 2021 starten.

Ein Punkt auf der Agenda war die bevorstehende Wahl der QS-Beauftragten. Da es einen Mangel an Freiwilligen für dieses Amt gibt, sucht man dringend nach Studierenden mit Interesse an Akkreditierung und Qualitätssicherung. Bei Interesse solle man auf die Mitglieder des StuPas, insbesondere der aktuellen Amtsinhaberin Clara Einhaus zukommen.

Vom Swingern und dem Schnitten-Fritten Prinzip

Auf den Spuren einer Subkultur, die sich vor mir entblößte

Als ich das erste Mal von einem Swinger-Club hörte, dachte ich in aller kindlicher Naivität, dass dies ein Ort ist, an dem sich extrovertierte Menschen treffen, um dort gemeinsam zu Jazz zu „swingen“, also zu tanzen. Das Etablissement nennt sich schließlich auch Club. Vor Kurzem wurde ich während eines Gesprächs eines Besseren belehrt. Eine Bekannte erzählte mir von Menschen aus ihrem Umfeld, die in der Swinger-Szene aktiv sind. Schockiert hat mich das nicht, denn ich kannte ja nicht einmal die Definition eines solchen Clubs. Für alle denen es hierbei genauso geht: Ein Swingerclub ist ein „Lokal, in dem Personen die Gelegenheit zu Gruppensex, Partnertausch und dergleichen geboten wird“. Falls ihr neugierig geworden seid, konsultiert Wikipedia oder lest einfach weiter.

Aber wer besucht sowas? Verzweifelte Singles mit Fetisch? Gelangweilte Ehemänner, die Abwechslung wollen? Oder doch Leute wie Michaela, Mutter von zwei Kindern. Sie arbeitet tagsüber im medizinischen Bereich und ist abends ab und zu Gast in Swingerclubs. Da sie mit ihrem Partner schon immer offen über Sex reden konnte, kamen sie darauf, dass sie gerne „neue Wege“ beschreiten würden. Der erste Kontakt mit der Swinger-Szene war in ihrem Fall eine Poolparty im Freien. Tagsüber. Was sich für manch einen befremdlich anhören mag, erschien in diesem Augenblick wie das Normalste der Welt. Etwa 250 Personen im Alter von 20 bis etwa 70 Jahren waren an diesem Nachmittag anwesend. „Es ging um 16.00 Uhr los. Als wir dort ankamen, waren alle schon voll im Gange (mit dem Grillen).“ Es herrschte eine freundliche und lockere Stimmung. „Erst als es langsam dämmerte, ging es dann tatsächlich los. Auf dem ganzen Gelände – außer im Pool, da sonst die Pumpe verstopfen würde – näherten die Menschen sich einander und hatten schließlich Sex. Zu zweit, dritt, viert… “

Michaela berichtet nüchtern, wie sie es fand, als ihr Partner einmal mit einer anderen Frau vor ihren Augen Sex hatte. Von Eifersucht war keine Spur. „Erst durch Erfahrung gelang es mir, Sexualität von Liebe zu trennen. Natürlich ist die Voraussetzung, dass das gut geht, eine gefestigte Beziehung. Ich kenne viele Paare, die sich von der Swinger-Szene erhoffen, dort ihre kaputte Beziehung zu retten. Das geht dann meistens schief.“

Auf welche Paaren sie sich einlassen, entscheiden die beiden meist spontan. Vom „Schnitten-Fritten“-Prinzip wird Gebrauch gemacht, wenn ein Partner unglaublich sympathisch (Schnitte), der andere aber kein bisschen ansprechend ist (Fritte). „In solchen Fällen ist es wichtig ein Nein zu äußern. Das wird respektiert und ist entscheidend für einen respektvollen Umgang.“

Das klang nicht nach Orgie. Sind Swinger denn wirklich so rational? Vielleicht muss man das einfach selbst herausfinden. Als wir am Club ankommen, dringt rotes Licht unter dem Türrahmen hindurch. Ich klingele an der Türe und ein Mann, bekleidet mit einer weißen Unterhose und gleichfarbiger Krawatte, heißt uns zur Mottonacht willkommen: „Ist euer erstes Mal, ne?“ „Ist das so offensichtlich?“, antworte ich. „Zwischen uns herrscht ein immenser Altersunterschied und naja… du trägst als Frau nen Rollkragenpullover.“

Wir betreten einen in Schwarzlicht getauchten Raum, wobei sich alle Blicke auf einmal uns widmen. Das Licht lässt die weiße Kleidung der Gäste im Dunkeln erstrahlen, wobei ihre Gesichter unkenntlich bleiben. Es ist ein beklemmendes Gefühl, das diese anonyme Menschenmenge bei uns beiden auslöst. Zwischen den Silhouetten schleichen wir in einen anderen Raum. Dem Buffet. Zeit zum Verschnaufen.

Danach gehen wir in das erste Stockwerk. Es ist ein warmes Licht, das den Flur rot strahlen lässt. An den Seiten befinden sich Türen zu verschiedenen thematisch eingerichteten Zimmern. Wir stoßen auf eine Telefonzelle, hinter der sich ein Raum befindet, indem gerade zwei Menschen Sex haben. Ein Paar gesellt sich zu ihnen und unterhält sich während des Akts. Wir huschen weiter, denn wir fühlen uns nicht wohl in der Rolle der Voyeure. Als wir den SM-Raum betreten, liegen vor uns zwei nackte Paare, mit denen wir ein Gespräch beginnen. Die Szene erinnert an eine Sauna. Sie erzählen uns von ihrer freien Auslebung der Sexualität. Jeder komme hier auf seine Kosten, wobei niemand zu etwas gezwungen würde. Ein Nein werde hier sehr großgeschrieben, da sind sich alle einig. Nur vor „Herrenüberschuss“-Partys sollen wir uns in Acht nehmen.

Wir gehen wieder zum Tanzraum. Sie tanzen, lachen und feiern ausgelassen mit uns. Man fühlt sich frei und erleichtert. Dass keiner über einen herfällt und einen in ein Zimmer schleppt. Dass Menschen einen nicht gegen den eigenen Willen nötigen. Im Gegenteil: Wir trafen noch nie auf derart hilfsbereite Menschen, die so offen über Sexualität sprachen. Als Durchschnittsbürger kann man wegen ihres liberalen und aufgeklärten Umgangs mit Sex viel von ihnen lernen. Da dieses Thema jedoch immer noch hinter verschlossenen Türen bleibt, müssen das die Swinger zwangsweise wohl auch.

Bye Bye Bookstagram

Warum das Instagram-Mekka nach vier Jahren als Buchbloggerin sinnlos erscheint

Gastbeitrag von Meike Schneiders

Läppische fünf Prozent des Umsatzes machten sie 2019 aus – die E-Books am deutschen Publikationsmarkt. Eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr gibt es nicht und auch sonst läuft ihre Entwicklung schleppend. Während Digitalisierung sonst in fast allen Lebensbereichen unseren Alltag bestimmt und neu formt, scheint der Buchmarkt in einen Tarnumhang gehüllt zu sein. Unter ihm floriert noch immer eine Welt, bestimmt von Druckerschwärze, Buchbinderleim und dem Geruch nach alten, aber auch neuen Seiten. Doch während dort die Zeit fast stillzustehen scheint, tickt die Uhr außerhalb immer weiter, scheint fast schneller zu werden.

Doch warum bin ich eigentlich hier? Was steht eigentlich auf meiner Visitenkarte? Ich bin Bookstagrammerin. Ja, ich fotografiere Bücher und teile sie auf meinem Instagram-Kanal mit meiner damals gar nicht mal so mickrigen Community. In Storys erzähle ich von meinem Frühstück, meinem aktuellen Buch, aber auch von meinen Lieblingsliedern. Einfach alles, was meinen Alltag bestimmt.

Es ist Mitte Oktober 2019, ein Donnerstag, am späten Vormittag. Die erste Flasche Sekt ist geöffnet. Die Cupcakes stehen auf dem Tisch. Die Goodie-Bags sind bereit. Es ist wieder soweit: Die Frankfurter Buchmesse ruft und die Verlagswelt ist in Aufruhr. Eigentlich ist am Donnerstag reiner Fachbesucher-Tag, doch seit ein paar Jahren werden die Gesichter von namhaften Journalisten aus aller Welt immer mehr übermannt. Sie werden verdrängt von Jungs und Mädchen, vor allem Mädchen, bei denen man sich noch nicht einmal sicher ist, ob sie das 21. Lebensjahr vollendet haben. Sie haben das Smartphone im Anschlag, jeder Zeit bereit für eine neue Instagram-Story oder einen kurzen Tweet vom Messegelände. Ich bin unter ihnen. Es ist mein viertes Messe-Jahr und ich fühle mich wie ein alter Hase. Mein Kalender ist voller denn je: Bloggerfrühstück, Programmvorschau, Mittagessen mit dem Partnerverlag. Danach ein Interview mit einer bekannten amerikanischen Jugendbuchautorin und dann geht es weiter zur Messe-Party. Zwischendurch nicht vergessen, überschwängliche Umarmungen auszutauschen, Visitenkarten zuzustecken und das Glas Sekt im Vorbeigehen hinunter zu stürzen. Und das alles natürlich am besten als Video festzuhalten.

Während die Digitalisierung einen großen Bogen um die klassische Buch-Welt zu machen scheint, schlägt sie hier voll zu. Selbst eine Branche, die so von Nostalgie bestimmt ist, ist nicht sicher vor ihnen: den Influencern. Was als Spaß begonnen hat, wurde in nur wenigen Jahren ernst. Die anfangs unüberlegten Bilder sind immer mehr geplant, brauchen teilweise mehrere Stunden Arbeit. Ein einfaches, vom Verlag zugeschicktes Rezensionsexemplar wird zur Seltenheit. Stattdessen erreichen einen die größten Pakete, mit passendem Handtuch, Tasse und Schokolade, die natürlich vor laufender Kamera ausgepackt werden. Doch selbst das ist häufig nicht genug. Immer mehr Verlage laden zu großen „Release-Weekends“, mit Book-Launch, Dinnerparty und Übernachtung, finanzieren Blogger-WGs für die perfekte Messebegleitung.

Wie ein Wirbelsturm ist die verrückte Welt von Social Media über die vielleicht etwas angestaubte Literaturszene gefegt. Doch wird sie dem wirklich gerecht? Passen exklusive Einladungen, Freiexemplare und Inszenierung zu Worten, die einen ganz persönlich berühren, verändern und in fremde Welten entführen sollen?

Für mich hat es nach vier Jahren nicht mehr gepasst. Der Austausch über Bücher ist immer mehr in den Hintergrund gerückt, stattdessen wurden wir alle Meister der Bildbearbeitung und der Selbstdarstellung. Ich habe einige gute Freunde über Hashtags und Likes kennengelernt. Doch ungefähr zur gleichen Zeit stellten wir fest, dass wir das alle nicht mehr länger so können. Gelesen haben wir kaum noch, wir waren viel zu beschäftigt, Herzen zu zählen und den 50. Kommentar zu schreiben. Die Bücher, die wir teilten, haben wir länger bei Photoshop gesehen, als dass wir sie gelesen haben. Allgemein haben wir immer dieselben Bücher gesehen. Keiner hat sich mehr getraut zu lesen, was ihn interessiert. Zu hoch war das Risiko, Follower zu verlieren. Jede Geschichte glich der vorherigen, versteckt hinter einem neuen, noch auffälligeren, noch mehr für Instagram geeigneten Cover.

Social Media wird der Freude des Lesens nicht gerecht. Zu sehr verlockt die anonyme Bestätigung und vertreibt die Individualität. Beim Lesen ist kein Platz für Inszenierung. Man liest, um zu lernen, Neues zu erfahren und das sollte man immer in erster Linie für sich tun. Diese Erfahrung mit anderen zu teilen ist eine der größten Freuden, doch ich konnte dafür nie einen Platz bei Instagram finden. Heute schaue ich nur noch selten vorbei, vor allem wegen der Leute, nicht wegen der Bücher. Die Freude am Lesen habe ich aber nicht verloren. Heute sitzen wir, die erste Generation von Bookstagram, lieber mit einer Tasse Tee, eingemummelt in kuschlige Decken zusammen und tauschen uns über die besten Schmöker der letzten Zeit aus. Follow for follow und Rezensionsexemplaren haben wir den Rücken gekehrt. Vielleicht hätten wir von Anfang an einfach nur auf die Bücher hören sollen, denn es scheint, als bräuchten sie die Digitalisierung einfach nicht.