Überlegungen zum Grundeinkommen

Längst verstorbene Philosophen, wegweisende Ökonomen des 20. Jahrhunderts und jüngst auch Unternehmer, allen voran der Kopf unserer aller Lieblingsdrogeriemarktkette, diverse CEOs großer deutscher Unternehmen, aber auch Cool Kids wie der aus Südafrika stammende, amerikanisch-kanadische Erfinder-Ingenieur-Investor-Gründer-Visionär Elon Musk (Wer ihn nicht kennt: Ihm ist unter anderem der idiotensicher Bezahldienst PayPal zu verdanken, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs) schlagen vor, dass Menschen früher oder später ein Grundeinkommen erhalten sollten. Puh! Höchste Zeit, diesem Thema einen Beitrag zu widmen, denn bevor man „dafür“ oder „dagegen“ ist lohnt es, sich ein paar Gedanken zu machen. Also, was ist das überhaupt?

„Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das die Regierung bedingungslos allen bezahlt. Ungeachtet, ob diese arbeiten und unabhängig von anderen Einkommensquellen. Es ersetzt die Sozialausgaben und ist hoch genug, um alle Grundbedürfnisse zu decken.“

Hat man diese so vorsichtig wie neutral formulierte Definition gelesen, schießen einem vermutlich sofort einige berechtigte Fragen in den Kopf: Was heißt schon Grundbedürfnisse? Wie hoch soll das sein? Woher kommt das Geld? Weltweit? Wie oft? Auch für Studenten? Tatsächlich sind die meisten Fragen nicht zu beantworten, weil es noch kein Land mit Grundeinkommen gibt. Es käme folglich auf den Versuch an, trial & error, so wie sich auch alle bisherigen wirtschaftlichen und politischen Systeme durch Versuch und Scheitern entwickelt haben (was nicht heißt, dass überholte Systeme nicht manchmal hängen bleiben!); ganz zu schweigen von den Lebewesen selbst, Stichwort natürliche Selektion. Bevor man sich jedoch gleich in Details einfuchst und Haare spaltet, ist es sinnvoll, sich ein paar andere Fragen zu stellen, die den Weg zur der großen Frage bereiten. Aber eins nach dem anderen.

Ein raffinierter Bauer hatte einst die Idee, die anstrengenderen Arbeiten auf dem Feld an jemand stärkeres abzugeben (zum Beispiel an sein Pferd). Das hatte vermutlich nicht zur Folge, dass der Bauer weniger gearbeitet hat, aber er hatte nun vermutlich höhere Erträge und im Vergleich mehr Zeit, sich anderen Arbeiten zu widmen, oder sich neue raffinierte Dinge zu überlegen.

Als die Kirche in Europa aufgehört hat, Erkenntnisse der Wissenschaft als Blasphemie unter Strafe zu stellen (etwa die begründete Annahme des heliozentrischen Weltbildes), was manche Forschungsgebiete sehr unattraktiv, sogar gefährlich gemacht hat, wurden die Grundlagen für tolle Erfindungen geschaffen. Aus den Erkenntnissen wurden Ideen, aus Ideen wurden Erfindungen und einige raffinierte Menschen haben Fließbänder, Dampfmaschinen, Transformatoren, Autos, Satelliten, Roboter, das Internet, clevere Algorithmen, selbstlernende Systeme und und und gebastelt. Dadurch konnte und kann man anstrengendere Arbeiten an etwas abgeben, das stärker, präziser, schneller, ausdauernder, fehlerarm, wartungsarm, besser ist. Das hat zur Folge, dass die Erträge steigen und man mehr Zeit hat, sich anderen Arbeiten zu widmen, oder sich neue raffinierte Dinge zu überlegen. Oder, eventuell, wenn die ganzen Maschinen so toll sind, weniger für Geld zu arbeiten?

Soweit, so gut. Aber was heißt Arbeit? Wäre es nicht sinnvoll, sich dank des Fortschritts Arbeit widmen zu können, die nicht gleichzeitig ein Berufsbild darstellt? Dingen, die körperliche und geistig fordernd sind, aber im System nicht als Beruf auftauchen, weil man sie nicht dauernd ausführen will? Etwa Sport, Musik, Bildung, Kinder erziehen, Oma und Opa dieses Internet erklären, die Vereinsweihnachtsfeier organisieren, eine Petition für Bedingungsloses Grundeinkommen starten, für die Unizeitung schreiben, Sachen erfinden, faullenzen, … . Der Punkt ist, viele Arbeiten gehören zu solchen, die sich nicht zum Beruf machen lassen, – aus verschiedensten Gründen, aber dennoch wichtig bis extrem wichtig sind. So wie es viele Dinge gibt, die sich schwer oder gar nicht in Geld ausdrücken lassen (z.B. Freundschaft). Geld selbst hat keinen Wert, aber es hat durchaus nützliche Funktionen, die Wert stiften können. Leider ist es eine Tatsache, dass Geld auch soziale Teilhabe ermöglicht. Leute die behaupten „Geld ist mir gar nicht wichtig“ drücken sich entweder unvollständig aus („…solange ich genug davon habe.“), haben kein Problem damit, in vollständiger Abhängigkeit von anderen Menschen leben (die Geld besitzen und bereitwillig teilen) oder erwägen zurück in die Natur zu gehen, viel Spaß.

Ein Hintergedanke des Bedingungslosen Grundeinkommens ist, dass jeder Mensch ein menschenwürdiges Leben führen können soll. Da nicht alle gleich begabt zur Welt kommen, erscheint es vernünftig, dass erstmal alle soweit versorgt werden, dass sie zumindest genug Nahrung, ein Dach über dem Kopf und Zugang zu ärztlicher Versorgung sowie zu sozialer Interaktion haben. Einfach so, weil man Mensch ist und in Würde leben darf, und zwar bedingungslos. Auch, wenn man so dermaßen unbegabt zur Welt gekommen ist, zwei linke Hände, Füße und Gehirnhälften hat, soll man in Würde leben können. Auch wenn man das Studium abgebrochen hat, weil es einfach nicht das richtige war, drei Monate nichts tut und dann Gärtner wird, weil das viel besser ist. Und später dann doch Agrarökonomie studiert. Wenn man ein Kind hat und ihm erstmal seine Zeit widmen will, wenn man alt ist und aus Verwirrtheit die Hausschlüssel im Kühlschrank parkt, auch dann. Und vor allem: bedingungslos, weil man da ist.
Wäre das nicht machbar mit den ganzen gestiegenen Erträgen? Sollte einen die absurde Wohlstandsverteilung nicht stutzig machen? Kann die Bank nicht mehr Geld drucken? besteuern wir Maschinen und Roboter, Hochfrequenzaktienhandel, verändern wir das Steuersystem? Oder ganz anders? Zumindest sollte man darüber debattieren! Auf facebook.com/falterbt findet ihr heute Abend eine Linkliste zum Thema. Bis dahin könnt ihr euch schon mal die zweitgrößte Frage stellen:
Was würdest du tun, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?

□ Weiter studieren
□ Was Anderes studieren
□ Abbrechen und faullenzen
□ Abbrechen und arbeiten
□ Selbst was gründen
□ Reisen
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