Was ist eigentlich Feminismus?

von Patricia Bischof

1967, Boston: K.V. Switzer meldet sich zum Boston-Marathon an. 42 km. Erst mal nichts Ungewöhnliches. Doch: K.V. Switzer ist eine Frau. Und das ist ein Problem. Ihr ausgeschriebener Name: Katherin Virgina Switzer. Frauen durften zu dieser Zeit nur an Wettkämpfen bis 800 m teilnehmen. Damals vertraten Sportfunktionäre die Auffassung, dass Frauen zu schwach für einen Marathon seien und „ihnen dabei die Gebärmutter rausfallen könnte“. Als der Renndirektor des Bostoner Marathons sie nach einigen Meilen entdeckt, versucht er ihr die Startnummer vom Shirt zu reißen. Ein Freund kommt Katherin zu Hilfe. Sie kann das Rennen fortsetzen und erreicht nach etwas mehr als vier Stunden das Ziel. Die Fotos der Rangelei gehen um die Welt. Sie ist die erste Frau, die mit einer Startnummer einen Marathon läuft.
K.V. Switzer zeigte, was Feminismus bedeutet und obwohl der Kampf für mehr Frauenrechte schon recht alt ist, dauert er immer noch an. Feminismus bedeutet eben nicht, dass Frauen Männer hassen.

Feminismus hat auch nichts mit Egoismus zu tun. Feministinnen sind auch nicht alle lesbisch oder haben kurze Haare. Feminismus ist eine Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung, die Menschenwürde und die Selbstbestimmung von Frauen einsetzt. Sie fordert Gleichheit, wo diese noch nicht erreicht wurde. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Vordenkerin des Feminismus war Simone de Beauvoir. 1908 in Paris geboren, studierte sie als eine der ersten Frauen an der Sorbonne in Paris sowohl Philosophie und Literatur als auch Mathematik. In ihrem letzten Studienjahr lernte Simone de Beauvoir Jean-Paul Sartre kennen, der ihr Lebensgefährte wurde. Ihr berühmtester Satz: „Man kommt nicht als Frau zur Welt – man wird es“ (aus „Das andere Geschlecht“). Damit will sie aufzeigen, dass nicht die Natur uns unterschiedliche Geschlechterrollen auferlegt – sondern die Gesellschaft. Weibliche Körpermerkmale zu haben bedeutet für Beauvoir erst einmal gar nichts. Nur weil eine Frau mit einer Gebärmutter auf die Welt kommt, heißt das nicht, dass sie automatisch lieber Nachmittage am Spielplatz mit Kind verbringt, als in der Chefetage eines großen Unternehmens zu sitzen.

Grob gesagt wird die moderne Frauenrechtsbewegung in drei Wellen unterteilt. Die erste Welle (Mitte 19. Bis Anfang 20. Jahrhundert) kämpfte für die grundsätzlichen politischen und bürgerlichen Rechte der Frauen wie beispielswiese das Frauenwahlrecht, die Erwerbstätigkeit und das Recht auf Bildung. Die zweite Welle der Frauenbewegung entstand in den 1960ern und kritisierte die massive Diskriminierung von Frauen. Auch das Recht auf Abtreibung wurde eingefordert. In den 1990er Jahren kam es zur dritten Welle, welche die Ideen der zweiten Welle fortsetzte.

Feminismus ist auch in der Popkultur angekommen. Prominente wie Beyoncé gelten als neue Ikonen der Frauenbewegung. Emma Watson, bekannt als Hermine aus „Harry Potter“, spricht im September 2014 vor den Vereinten Nationen und engagiert sich als UN-Goodwill-Botschafterin für die Gleichberechtigung. (Die sehr sehenswerte Rede ist unter „Emma Watson to United Nations: I’m a feminist“ auf YouTube zu finden). Dort erklärt sie, dass auch Männer vom Feminismus profitieren. Als Beispiel dafür nutzt sie junge, depressive Männer, die sich keine Hilfe suchen, aus Angst dadurch weniger „männlich“ zu sein.

Wir sind schon einen weiten Weg gegangen. Im Jahr 2017 wird Deutschland von einer Frau regiert und mit Christine Lagarde sitzt auch an der Spitze des Internationalen Währungsfonds eine Frau. Trotzdem ist die ungleiche Bezahlung bei gleicher Qualifikation von Männern und Frauen nach wie vor traurige Realität und auch Kinder zu bekommen ist immer noch ein Hindernis für die Karriere.

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