Wir haben Grund zu feiern!

Das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth (fimt) feiert vierzigsten Geburtstag

Vier Jahre nachdem die Universität Bayreuth und zum 100-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele wurde im Jahre 1976 das Forschungsinstitut für Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters gegründet. Dieses war gerade in den Anfängen der Opernforschung stark an den Fortschritten seines Gebiets beteiligt. Seit 1977 sind die Mitarbeiter und die studentischen Hilfskräfte des fimts in der wunderschönen, historischen Schlossanlage in Thurnau, etwa 25 Kilometer außerhalb von Bayreuth, zu Hause.

Der Lehrstuhl „Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters“, entstand 1987, diesen Namen trägt er bis heute. Seit 2006 ist Anno Mungen der Leiter des Instituts. Im fimt werden die Theaterwissenschaft und die Musikwissenschaft zusammengeführt, bis zum Jahr 2008 gab es den Magisterstudiengang mit dem gleichen Namen wie dem des Lehrstuhls, welcher durch die Modularisierung durch den B.A. Musiktheaterwissenschaft und den M.A. Musik und Performance abgelöst wurde.

Geforscht wird im Schloss Thurnau unter anderem zu Musiktheater und Propaganda in Nürnberg von 1920 bis 1950. Einem Forschungsprojekt mit dem derzeit neun Mitarbeiter beschäftigt sind. Andere Themengebiete und Promotionsprojekte sind unter anderem: „Französisches Musiktheater im 17. und 18. Jahrhundert“, „(Musik-) Theater im Nationalsozialismus und in der DDR“. Die fimt-Mitarbeiter sind gleichzeitig auch Dozenten des Bachelor- und Masterstudiengangs. Dies habe ich als Studierende immer als Vorteil gesehen, da die Dozentin oder der Dozent sein beziehungsweise ihr Wissen gerne mit uns geteilt und sich oftmals sein oder ihr Interesse auch auf die Studierenden übertragen hat.

Neben den Büros der Wissenschaftlichen Mitarbeiter gibt es im Schloss Thurnau eine institutseigene Bibliothek, die für Studierende zugänglich ist. In dieser Bibliothek werden 40.000 Titel beherbergt, außerdem sind im Schloss noch über 20.000 Programmhefte zu finden. Das Schloss Thurnau verfügt über den Ahnensaal, und somit über einen wunderschönen Veranstaltungssaal. Hier fanden von 1977 bis 1993 und von 2009 bis 2014 die Reihe der Thurnauer Schlosskonzerte, mit wechselnden Kooperationspartnern wie der Musikhochschule in Würzburg, statt. In diesem Jahr wurde diese Tradition wieder aufgenommen wobei des Weiteren geplant ist, die Programmplanung noch enger mit dem Forschungsprogramm des Forschungsinstituts zu verbinden, denn die künstlerische Forschung soll ein neuer Schwerpunkt des Hauses werden.

Was ist eigentlich Musiktheater?

Am fimt werden unter Musiktheater nicht nur die verschiedenen Ausformungen des europäischen Musiktheaters – der Sparten Oper, Operette, Musical, Ballett und Performance – verstanden, sondern auch jegliche Phänomene, bei denen Musik und Theater aufeinandertreffen.

Und wie studiert man Musiktheater und welche Berufe kann man damit ausüben?

Während des Studiums erwirbt man Kenntnisse über die Musik- und Theatergeschichte, Analyse und Theorie musiktheatraler Formen sowie einem Verständnis für aufführungsbezogene Aspekte, welche sich nicht nur auf das Musiktheater beziehen lassen. Das Bachelorstudium Musiktheaterwissenschaft bietet eine Grundausbildung für Berufe im Bereich der Dramaturgie, der Regie, des Kulturmanagements, des Musikjournalismus oder im Musikverlagswesen. Im Masterstudiengang Musik und Performance beschäftigt man sich mit der Musik und ihrer Performativität, sei dies nun im Rahmen des Musiktheaters, Musik und Theatralität (Konzerte, Straßenmusikkultur, etc.) oder auch mit Musik und audiovisuellen Medien sowie Musik im Zusammenhang mit Bildender Kunst.
Praktische Erfahrungen, welche durch Praktika in musiktheaterbezogenen Betrieben erworben werden können, sind in diesem Bereich unabdingbar. Außerdem gibt der Theaterverein Schaulust e.V. Studierenden die Möglichkeit eigene Projekte auf die Bühne zu bringen und so erlerntes, sei es nun durchs Studium oder durch Praktika, selbst anzuwenden.

„Ich wusste gar nicht, dass man so etwas in Bayreuth studieren kann. Ihr seid dann aber nicht viele, oder?“

Das habe ich während meiner Studienzeit eigentlich ständig gehört, wenn ich neue Leute kennengelernt habe. Ich würde sagen für unseren Studiengang gilt das Motto: „Klein aber oho!“. Tatsächlich waren wir in meinem Jahrgang, dem Abschlussjahrgang 2016, gerade mal 13 Studierende. Und im aktuellen zweiten Semester sind es gerade mal vier an der Zahl. Diese geringe Anzahl an Studierenden erlaubt eine intensive Auseinandersetzung mit den Studieninhalten, eine gute Betreuung sowie einen guten Austausch zwischen den Studierenden und Lehrkräften. Ich habe es immer sehr genossen, dass mein Semester gerade mal so groß war wie eine halbe Schulklasse. Denn so konnte sich wirklich jeder einbringen und die meisten Fragen konnten bereits während des Seminars geklärt werden. Die Muthis, wie wir Musiktheaterwissenschaftler uns liebevoll nennen, sind kaum oder nur selten am GSP platziert, sondern immer auf dem Hauptcampus. Ich hatte überall meine Seminare, sowohl im RW als auch in den NWs oder im FAN. Und natürlich im GW I und II, wo wir eigentlich am Campus beheimatet sind. Ich werde auf jeden Fall nie die Gesichter in den anderen Fakultäten vergessen, wenn sie – sichtlich irritiert – an dem im Sommer geöffneten Fenstern vorbeiliefen und ihnen die Musik des Werkes entgegenschallte, das wir gerade besprachen.

Im Juli und August feiert das fimt sein 40-jähriges Jubiläum mit vier Veranstaltungen:
Juli
20—
Klavierabend Timofey Dolya in Kooperation mit der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne, Bayreuth # Ahnensaal/Schloss Thurnau # 19 Uhr
23—
Festakt und Konzert mit der Sopranistin Bea Robein # Ahnensaal/Schloss Thurnau # 17 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Christopher Balme
24—
Podiumsgespräch mit Barrie Kosky (Regisseur und Intendant der Komischen Oper Berlin) # Iwalewahaus/Bayreuth # 19 Uhr Moderation: Prof. Dr. Anno Mungen
August
3—
WagnerWorldWide2013 Buchpräsentation # Steingraeber Haus/Bayreuth # 11 Uhr
Nähere Infos zu den Veranstaltungen finden sich auf der Website: www.fimt.uni-bayreuth.de Abgesehen vom Klavierabend ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen frei.

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