Düstere Puppen-Romantik

Bayreuther Studierende führen Steampunk-Oper auf

Die sonst grün leuchtenden Notausgangsschilder seien für die Show ausgeschaltet worden, wurde dem Publikum kurz vor Einlass erklärt – warum, wurde nach wenigen Minuten klar.

Im völlig abgedunkelten Theaterraum neben dem Audimax wurde am vergangenen Wochenende gleich viermal das Musical „The Dolls of New Albion“ von Paul Shapera gespielt. „A Steampunk Opera in Bayreuth“ untertitelten Jonas Würdinger, Daria Lüken und ihre Crew das Stück, das die knapp 30 Studenten mittels Crowd Funding völlig selbstständig auf die Beine gestellt hatten. Und vor einer großartigen, sphärischen, natürlich selbstgebauten Kulisse mit allerlei Licht- und Nebeleffekten spielte sich in gut zwei Stunden dann die vielschichtige Handlung ab. Mehrere Generationen von Bewohnern der Kleinstadt New Albion verstrickten sich immer tiefer in ein Dickicht aus wiedererweckten Robo-Toten, Beziehungsdramen, Eifersucht, Verfolgung, Bürgerkrieg und Polizeistaat, alles in wunderbar düsterer Steampunk-Manier. Die hierbei subtil aufgeworfenen Fragestellungen, wie die nach freiem Willen oder Schicksal ließen den Zuschauer am Ende nachdenklich zurück.

Dank der englischen Untertitel, die während der Songs mitliefen, konnte jeder Zuschauer im Rahmen seiner sprachlichen Möglichkeiten den teilweise schnellen Texten und versteckten Witzen folgen.
Zur Verständlichkeit trug auch die Erzählerin, gespielt von Maja Lösel bei, die in ihren Liedern das Geschehen erklärte und kommentierte. Während die Künstler (Sänger, Musiker, Schauspieler) allesamt eine beachtenswerte Leistung zeigten, ist doch wohl am allermeisten die Gesamtleistung der Gruppe hervorzuheben. Besonders die liebevolle Kulisse, Kostüme, Licht- und Geräuscheffekte, sowie der unterstützende Einsatz von Bild- und Videoprojektionen machten die Aufführung zu einem besonders intensiven Augen- und Ohrenschmaus für das Publikum.

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