Schau mir in die Augen, Zukunft!

Was es mit Dystopien im Mainstream-Kino auf sich hat

Die Themen, die uns heute beschäftigen, formen auch unsere Zukunft. Das wollen uns zumindest zahlreiche Mainstream-Filme glauben machen, die sich mit futuristischen Visionen befassen. Die Drehbuchautoren/-innen und Regisseure/-innen bauen keine Luftschlösser, sondern deuten an, dass wir bereits einen Backstein zur Baustelle Zukunft beitragen. Wir ignorieren das „Betreten auf eigene Gefahr“-Schild und werfen einen Blick darauf, wie das Morgen der Menschheit im Film konstruiert wird.

Geht es nach Filmen wie In Time (2011), The Hunger Games (2012-2015), Interstellar (2014) und Ex Machina (2015) sieht unsere Zukunft düster aus: Zeit wird zur allesbestimmenden und knappen Ressource werden, die Spaltung zwischen Arm und Reich wird bis zur Unüberbrückbarkeit und bloßen Unmenschlichkeit voranschreiten, Umweltschäden werden die Erde unbewohnbar machen und uns somit unserer Heimat berauben, von uns geschaffene technische Entwicklungen werden uns selbst überlisten. An sich betrachtet jeder der Filme seine eigene Mikro-Katastrophe, welche erst dadurch entstehen konnte, dass eine Thematik oder bereits Problematik unserer Zeit sich bis hin zu einem Extrem gesteigert hat.

Dass es vor allem Dystopien der menschlichen Gesellschaft auf die Leinwände geschafft haben, liegt vielleicht daran, dass ein Leben in Frieden und Harmonie wenig Unterhaltung für den Zuschauenden bieten würde. Oder hat die Filmindustrie so etwas wie einen Lehrauftrag? Sollen wir auf diese Weise lernen, soziale Ungleichheit, den Klimawandel, die Schnelllebigkeit der Gesellschaft und die Gefahren der Technologisierung ernst zu nehmen? Film und Fernsehen werden generell eine größere Einflussnahme auf den Menschen zugesprochen als beispielsweise Printmedien. Das mag daran liegen, dass der Rezipient nicht aktiv konsumieren und sich selbst ein imaginäres Bild schaffen muss, sondern sich berieseln lassen kann und nicht gezwungen ist, die Inhalte selbst zu verarbeiten. Bilder prägen sich oft mehr und vor allem unbewusster ein als Texte. Daher haben viele eine Vorstellung der Zukunft, die teilweise ähnlich den in den genannten Filmen vermittelten Bildern ist. Aus diesem Grund ist der nachwirkende Einfluss von solchen scheinbar nur der Unterhaltung dienenden medialen Produkten nicht zu unterschätzen.
Der Begriff Dystopie wurde ursprünglich als Gegenstück zum abstrakten Gebilde der Utopie erschaffen und beschreibt eine sehr pessimistische Sicht in Richtung der Zukunft der Gesellschaft.

Heutzutage ist aber die Dystopie viel präsenter in den Diskursen als ihr eigentlich erstgeborenes Pendant. Dies spiegelt die derzeitige Grundstimmung der Menschen wieder: Wir haben Angst vor der Zukunft, weil wir Prozesse ausgelöst haben, deren Entwicklung wir nicht kontrollieren können. Der Einzelne fühlt sich ohnmächtig und hilflos, obwohl die westlichen Gesellschaften als Gesamtkonstrukt so viel Macht besitzen wie nie. Die globalen Vorkommnisse und Zusammenhänge sind undurchschaubar geworden. Die Politiker und ihre Beweggründe sind oft schwer zu fassen. Wo soll das hinführen? Und sind Filme nur fiktional und es wird einfach gezeigt, was Unterhaltung bietet, oder nicht?

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