Frauen wollen Gleichberechtigung. Am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und in der Beziehung. Dürfen sie sich aber in bestimmten Situation auf ihre Weiblichkeit zurück orientieren, um doch wieder davon zu profitieren? Inwieweit dürfen äußere Reize und kognitive Unterschiede von emanzipierten Frauen noch instrumentalisiert werden?

Pro

von Nele Spandick

Allein der Begriff „Waffen der Frau“ macht mich wütend. Ein Körper ist keine Waffe. Er ist einfach da. Dem Begriff liegen Männer- und Frauenbilder zugrunde, die absurd sind. Als würde es reichen, dass eine Frau einen Knopf der Bluse aufknöpft und schon verliert der Mann jegliches Reflexionsvermögen. Und als hätte ein Mann mit seinem Aussehen überhaupt keinen Einfluss auf eine Frau. Beides sind Extreme, die auf veralteten Annahmen beruhen: der triebgesteuerte Mann und die Frau ohne jeglichen sexuellen Wunsch.

Warum ich dann überhaupt ein Problem damit habe, wenn Frauen ihre „Waffen“ einsetzen? Weil sich eben doch zu viele Männer auf das Spiel einlassen. Aber sie tun das nicht, weil sie so wahnsinnig triebgesteuert sind, sondern weil sie das Gefühl mögen, ihre Macht dafür zu nutzen, dass eine Frau ihnen zugewandt ist. Cool, sie flirtet mit mir, weil ich ihr das Brötchen dann billiger verkaufe. Sie hat einen kurzen Rock an, damit ich ihr den Job gebe.Als würden sie nicht verstehen, was man da versucht. Die Machtverhältnisse bleiben dieselben. Und eine Frau ordnet sich diesen Machtverhältnissen mit ihrem Verhalten unter. Sie fühlt sich in dem Moment vielleicht mächtig, sie ist es aber nicht. Die Frauen in Führungspositionen müssen sich weiter anhören, sie hätten sich hochgeschlafen. Und wenn sie sich über ungleiche Bezahlung beschweren, dann kommt jemand um die Ecke und sagt: Dafür kriegt ihr ja auch alles billiger! Liebe Frauen, die ihr eure „Waffen“ nutzt, ihr macht das Leben für die, die es nicht tun, schwieriger!

Wichtig ist aber: Ich meine nicht, dass eine Frau keinen kurzen Rock zum Bewerbungsgespräch tragen soll oder dass sie nicht mit dem Bäcker flirten darf. Wenn sie gerne kurze Röcke trägt, ist das super. Und wenn sie den Bäcker attraktiv findet, ist das noch besser – vielleicht trägt sie ja beim nächsten Brötchenholen sogar den kurzen Rock vom Bewerbungsgespräch. Aber hier geht es um die Intention. Es ist kein feministischer Akt, sich selbst zum Objekt zu machen. Jobs sollten nicht nach Aussehen vergeben und Preise nicht nach Flirtskills gesetzt werden. Wer ein solches System unterstützt, unterstützt Machtstrukturen, die nicht mehr von dieser Zeit sein sollten.

Contra

von Susanne Lauck

Die XX-Chromosomen-Kombination führt – ganz ungeachtet späterer Einflüsse von außen –schon zu einer entsprechenden körperlichen und psychischen Beschaffenheit und damit häufig zu einem bestimmten Auftreten der Frau. (Dass derzeit neue Geschlechter-Identitäten diskutiert werden, hat durchaus seine Berechtigung, soll aber in diesem Rahmen nicht weiter besprochen werden.) Wie die „Vorzeigeblondine“ Daniela Katzenberger schon mit ihrem provokanten Buchtitel Sei schlau, stell dich dumm gezeigt hat, wissen Frauen sehr gut, wie sie von bestimmten klischeehaften Rollenbildern profitieren können. Sie haben ihre „Waffen“ unter Kontrolle.

Unsere Gesellschaft ist patriarchalisch geprägt und daher wurden den äußeren Merkmalen der Frau bestimmte Eigenschaften aufgedrückt– meiner Meinung nach evolutionsbedingt, aber auch von Seiten der Männer. Nehmen wir das Beispiel Arbeitsplatz: Männer haben entschieden, welche Eigenschaften förderlich für die Karriere sind –nämlich solche, die vorwiegend in ihrem Geschlecht vorzufinden sind. Angela Merkel äußerte sich im August vergangenen Jahres in einem Interview mit der Youtuberin Ischtar Isik, als es um das Thema Sexismus innerhalb der Parteien ging, folgendermaßen: Frauen seien oft von der Länge des Körpers nicht so dominant und hätten eine höhere Stimme, wohingegen es die tiefe männliche Stimme sei, die Macht ausstrahle und einschüchternd wirke. Sie setze sich dafür ein, dass solche körperlichen Merkmale keine Rolle in der Auseinandersetzung über ein Thema spielen dürften. Scheint also so, als hätten auch Männer ihre „Waffen“, die sehen nur anders aus. Und wurden vermutlich bisher eher bei „Kämpfen“ mit Geschlechtsgenossen gezückt. Allerdings wagen nun auch Frauen den Schritt in die Arena der Chefpositionen –und wer tut das schon unbewaffnet?

Der Punkt ist: Frauen wollen Gleichberechtigung. Das heißt, sie wollen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben. Wie sie ihre Ziele aber erreichen, das sollten sie schon noch selbst entscheiden dürfen. Die „Waffen der Frau“ bestehen auch nicht nur aus äußeren Reizen, die vielleicht helfen, schwere Einkaufstüten loszuwerden. Sie liegen zum Beispiel auch in unseren besseren empathischen Fähigkeiten. Bringen wir die doch mal auf den Markt und machen sie zu einer Marke, die etwas zählt!