Der kleine aber feine Unterschied

„Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es so viel Bullshit gibt. Jeder kennt Bullshit und jeder trägt dazu bei.“ So beginnt Harry Frankfurt, US-amerikanischer Moralphilosoph, sein Buch „On Bullshit“, das 2005 erschienen ist. Der Eindruck scheint auch dreizehn Jahre nach seiner Veröffentlichung zu stimmen. Immer mehr hochrangige Politiker äußern faktisch falsche Aussagen, ihrer Popularität schadet es jedoch anscheinend nicht. Auch das Misstrauen gegen über konventionellen Nachrichtenseiten zeigt, wie sehr die Achtung vor Fakten und der Wahrheit in den letzten Jahren gesunken ist. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?  

Frankfurt geht in seinem Buch der Frage nach, was Bullshit eigentlich ist und wie man damit umgehen sollte. Interessant ist der Unterschied zwischen einem Lügner und einem Bullshiter: Während es einem Lügner darum geht, sein Gegenüber zu täuschen und die Wahrheit zu verstecken, interessiert sich der Bullshiter gar nicht dafür, was wahr ist und was nicht. Er ist der Wahrheit gegenüber gleichgültig. Anstatt die Wahrheit erzählen oder verstecken zu wollen, geht es ihm in erster Linie darum sich zu profilieren. Frankfurt untersucht auch, warum Bullshit so präsent ist. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass Bullshit in Situationen entsteht, in denen Menschen über Dinge sprechen müssen oder wollen, über die sie genau genommen gar nicht genug wissen um über sie zu sprechen. Er hält sich zwar zurück mit der Antwort auf Frage, ob Bullshit in letzter Zeit zugenommen hat, betont aber wie allgewärtig und relevant dieses Phänomen sei. Auch dreizehn Jahre später lässt sich diese Frage nicht beantworten. Tatsache ist jedoch, dass sich dank des Internets, Bullshit schneller und einfacher verbreiten lässt. Das erklärt auch, warum der Eindruck entsteht, dass Bullshit in den letzten Jahren zugenommen hat. Dasselbe gilt auch für Fake News. Dennoch muss man diese von Frankfurts Auffassung von Bullshit unterscheiden. Im Duden werden Fake News definiert als „in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen“. Somit lassen sich Fake News eher in die Kategorie „Lüge“ einordnen. Dennoch teilen beide dieselbe Eigenschaft: Anhänger von Bullshit und Fake News sind der Überzeugung, dass man niemals einen verlässlichen Zugang zur Wahrheit haben kann. Anstatt dann ein Ideal von Korrektheit anzustreben, befürworten sie ein Ideal der Aufrichtigkeit. Man sucht also nicht nach der Wahrheit in der Welt, sondern versucht wahr zu seiner eigenen Natur zu sein. Also in anderen Worten, authentisch zu sein. In jüngster Vergangenheit zeigte sich dieses Konzept erfolgreich. So hat beispielsweise Donald Trump seine Wähler nicht aufgrund seiner Faktentreue, sondern seiner  Authentizität überzeugt. 

Wie kann man also Bullshiter und Fake News, besonders im Netz, erkennen und sich vor ihnen schützen? Wichtig ist es zuerst, die breit gefächerte Medienlandschaft aktiv zu nutzen. Es ist heutzutage einfach in eine Filterblase zu schlittern, da die Popularität des linearen Fernseh- und Radioprogramms abgenommen hat und präferenzbasierte Algorithmen unsere Aktivitäten im Netz diktieren. Man sollte also nicht nur die Dinge lesen, anhören oder ansehen, die man im Internet vorgeschlagen bekommt, sondern auch einmal aktiv versuchen selbst neue Quellen aufzutun. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, sich eine kritische Haltung zu bewahren. Nicht alle Meinungen und Aussagen ungefragt hinzunehmen, ist eine unerlässliche Maßnahme um nicht auf Bullshit und Fake News hereinzufallen.  

von Teresa Winter & Lisa Nguyen