Bildung: Ware oder Wert?

Es steht außer Frage, dass sich die Vorstellung von Bildung im Fluss der Zeit gewandelt hat. Der große Andrang an den Universitäten, begründet durch den Glauben an einen universitären Abschluss als Garant für einen sicheren Beruf, ist Folge und Indiz zugleich für einen solchen Wandel.
Bildung in der Moderne soll vor allem eines: sich auszahlen. Bildung um der Bildung Willen ist unnütz und kann weg. Diese Haltung hat sich so manifestiert, dass es keinem Geisteswissenschaftler erspart bleibt sich mindestens ein Dutzend Mal für seine Studienwahl zu rechtfertigen.
Den Grundsätzen der Aufklärung entspricht die moderne Vorstellung von Bildung jedenfalls nicht mehr. Wenn es darum ging, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, ein mündiger Bürger und kritikfähig zu sein, so geht es jetzt letztlich darum sich dem stetigen Wandel anzupassen. Nichts zu hinterfragen oder gar Kritik zu üben, sondern alles hinzunehmen à la „so ist es eben“. „Lebenslanges Lernen“ könnte somit umformuliert auch heißen „lebenslange Anpassung“. Es ist daher auch kein Wunder, dass in so ziemlich jedem Modulhandbuch jedes Studiengangs das Wort „Kompetenz“ wiederzufinden ist. Verstanden wird darunter alles und nichts. Der Begriff ist mit den verschiedensten Assoziationen besetzt und würde man eine Umfrage machen, würden womöglich die unterschiedlichsten Auffassungen zusammenkommen. Eigentlich ist damit aber „Anschlussfähigkeit“ gemeint, oder zumindest intendiert. Bildung ist nicht mehr Sinn und Bedeutung in sich. Ganz zu schweigen von Humboldts Vorstellung der „Menschwerdung des Menschen“. Mir stellt sich nun die Frage: Kann Bildung überhaupt die Aufgabe einer Institution sein, oder verkommt sie in einer kapitalistischen Gesellschaft immer zum Zweck für etwas? Das Bildung auch zum Teil für das Erlernen von Fähigkeiten, mit denen man seinen Lebensunterhalt verdient, steht, ist selbstverständlich. Nur sollte die Ökonomisierung der Bildungsinstitute nicht überhandnehmen. Gerade wir Studenten sollten uns unserer Verantwortung bewusst sein und unseren Verstand gebrauchen, womit ich nicht die Teilnahme bei „Create your Campus“ meine. Wir sollten die Errungenschaften der Aufklärung nicht in Vergessenheit geraten lassen, sondern vehement an ihnen festhalten.

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