Jüngst kam es erneut zu willkürlichen Verhaftung von Menschenrechtlern in der Türkei, unter anderem
der deutsche Aktivist Peter Steudtner, mit dem Vorwand er solle einen Putschversuch geplant haben.
Die Situation scheint sich seit der Verhaftung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel, immer weiter zu verschärfen.
Doch bevor die Türkei durch ihren rasanten Umschwung von demokratischer Gesinnung zu diktatorisch anmutenden Regierungsmanövern in die Schlagzeilen gelangte war sie ein sehr beliebtes Urlaubsziel.
Damit ist jetzt wohl Schluss – oder? Zumindest wenn wir uns als kritisch reflektierend und moralisch handelnde Menschen bezeichnen wollen.
Jede Hotelbuchung, Restaurantbesuch oder Einkauf bedeutet auch Steuerabgaben und diese wiederum fließen in die Staatskasse. Diese Abgaben werden also unweigerlich auch Erdogan zugutekommen und dies ist wohl ein wesentlicher Aspekt, den jeder Demokrat vermeiden wollen würde. Urlaub machen in einem Land, das aktuell von einem umsichfuchtelnden Staatsoberhaupt regiert wird, der demokratischen Werten längst abgeschworen hat, es sich “so richtig gut gehen lassen” in einer solchen Situation, ist kein Urlauben/Auszeit nehmen. Das ist Ignoranz auf höchstem Niveau.

Andererseits steht einem Boykott die beträchtliche Anzahl der Bürger gegenüber, die vom Tourismus abhängig sind. Viele verdienen ihren Lebensunterhalt über Einnahmen durch Touristen, und daher wäre der Ausschluss der Türkei als Urlaubsziel auch ein Schlag für die Bevölkerung. In Anbetracht dessen, würde die Mehrheit der Türkischen Bevölkerung nicht nur mit den politischen Schwierigkeiten, sondern auch mit den Auswirkungen auf die Wirtschaft zu kämpfen haben.
Wäre es daher nicht richtig sich offen auf Land und Kultur einzulassen, da die herrschenden Verhältnisse nicht repräsentativ für den Willen der Bevölkerung sind?
Sicher gibt es den ein oder anderen, der für sich einen Kompromiss gefunden, hat. Ein Urlaub fern ab von Hotelmeilen und Liegestühlen im zehn Zentimeter Abstand ist nicht falsch, wenn dafür ein authentischer Kontakt mit der Bevölkerung entsteht und die durchaus prekäre Situation im Bewusstsein bleibt. Neben Warnungen des Auswärtigen Amts bezüglich unvorhersehbarer Ereignisse und unbegründeten Verhaftungen sollte aber auch die Terrorgefahr ausgehend von der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und den Freiheitsfalken Kurdistans im Hinterkopf bleiben. Besonders im Südosten des Landes wurden wiederholt Anschläge verübt.