Der Weg, aus der selbstverschuldeten…

Dr. Stephan Schulmeister ist ein österreichischer Ökonom, der in den Medien erstaunlichen Wiederhall erfährt, in seinem Fach aber gemieden wird. Warum das so ist, bleibt umstritten. Liest man sein neues Buch, kann man sich seinen Teil dazu denken.

Von Hanno Rehlinger

„Der Weg zur Prosperität“ ist in fast allen großen Zeitungen, des deutschsprachigen Raumes, viel diskutiert worden. Gewidmet ist es „den Neoliberalen, in allen Parteien, den Medien und in der Wissenschaft“. Auf 467 Seiten erklärt Schulmeister in einfacher Sprache den Kapitalismus, den Neoliberalismus, die Wirtschaftskrisen und den Missstand in der Wissenschaft.

Er bleibt dabei nicht bei der Ökonomie, sondern benutzt politische und vor allem wissenschaftstheoretische Theorien, um den Vormarsch der Neoliberalen zu schildern und ihren Erfolg weltweit zu erklären. Unerwartet spannend zeigt er auf, wie eine in sich geschlossene Theorie zunehmend blinder für alternative Lösungsansätze wird.

Schulmeister porträtiert sich selbst auf verlorenem Posten. Die Thinktanks und Stiftungen der Neoliberalen hätten die Politik und die Universitäten unter ihre Kontrolle gebracht. Geld für ihren Aufstieg gaben die Unternehmen, die ein Interesse an dem neoliberalen Modell hatten: Entmachtung der Gewerkschaften, Deregulierung der Märkte und möglichst wenig Macht dem Staat.

Schulmeister sieht sich aber als Freund der Unternehmer. Niemand habe der Wirtschaft so sehr geschadet, wie die Neoliberalen. Ein Sozialstaat, Vollbeschäftigung, regulierte Finanzmärkte, würden letztendlich auch den Unternehmern ein Segen sein. Auf dieser Grundlage, zeigt das letzte der sechs großen Kapitel einen „Weg aus der Krise“ auf; eine Politikempfehlung, die wohl keiner hören will.

Was man von dem Buch auch halten möchte, in einem Punkt hat Schulmeister Recht. Ich habe in 3 Semestern VWL noch keinen einzigen Text lesen müssen, geschweige denn eine kritische Stellungnahme, oder eine alternative Theorie kennen gelernt. Wirtschaft wird unterrichtet, als sei es eine Naturwissenschaft; als spreche man, über bewiesene Fakten, anstatt konkurrierende Theorien. Es gibt Leute, die ihr Studium abschließen, ohne ein einziges Mal Smith, Keynes, oder Marx gelesen zu haben. Jede Wissenschaft ist eine Blase, selbst zu ihrer besten Zeit. Es ist aber nur die Ökonomie, die darauf stolz ist.