Alice Weidel, Alumna der Universität Bayreuth und Fraktionsvorsitzende der AfD, bezeichnete neulich im Bundestag „Kopftuchmädchen“ als „Taugenichtse“ und handelte sich damit eine ganze Bandbreite von Wutausbrüchen, Moralschelten und sogar einen seltenen Ordnungsruf des Bundestagspräsidiums ein. Trotzdem: Sie ihr hat Ziel erreicht, die Haushaltsdebatte stand unter einer neuen Überschrift. Populismus wirkt. Doch was setzt man dem entgegen, ohne dabei genau in die Falle der Provokateure zu tappen? Gerade Großunternehmen haben wegen ihrer hohen Mitarbeiterzahl die soziale Legitimität, diese Frage zu beantworten. So warnte E.on-Chef Johannes Teyssen 2016 vor einer Anti-Energiewende-Kampagne, die aus dem Wahlprogramm der AfD ersichtlich war: „Wenn das Thema von Populisten besetzt wird, sollten wir sprechfähig sein und belegen können, dass wir nicht Milliarden verschwendet haben.“ Zentrum Automobil, ein rechter Verein, der sich zu den diesjährigen Betriebsratswahlen in Werken der Daimler AG aufstellte, erreichte bei der Wahl 13% der Stimmen. Sogar Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche äußerte sich „besorgt“ zu dieser Entwicklung, die ihn „nicht kalt lasse“. Mit Sorge beobachtete er zuletzt auch die Vorfälle in Chemnitz. Ähnliches drückten diesbezüglich Vertreter der Allianz, von Bayer, Volkswagen und der Deutschen Bahn aus. Doch am drastischsten rief Weidels Provokation Siemens-Chef Joe Kaeser auf den Plan: „Lieber ‚Kopftuch-Mädel‘ als ‚Bund Deutscher Mädel‘. Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Hauptquelle des deutschen Wohlstands liegt.“ lautete sein Gegenangriff auf Twitter. Es passiert also etwas: Politische Neutralität ist nicht mehr die hervorstechende Leitlinie deutscher Großkonzerne. Unternehmensethiken, die klare Positionierungen erlauben, befinden sich im Aufwind und können den Berufseinsteigern greifbar machen, wofür ein Unternehmen steht und wofür nicht.