Drogen. Skandal! Bayreuth?

Foto: Krystosek

Warum gibt es in Bayreuth so viele Spielhallen? Sind sie der Umschlagplatz für das Meth, das aus Tschechien rüberkommt? Eine Suche nach den düsteren Seiten dieser Stadt. 

Es ist hell und sauber. Kein Staub, keine Scherben, keine abgestandene Luft. Teppich wie im 2-Sterne Hotel. An der Bar gibt es Kaffee und Cola. Keinen Alkohol. Ramtin ist der letzte Mensch in der Admiral Spielhalle. Er kommt eigentlich aus der Gastronomie und arbeitet erst seit ein paar Monaten hier. Sie sind eine sehr ordentliche Spielhalle, darauf ist er stolz. Der Putzplan wird penibel eingehalten. Wenn sich jemand auffällig verhält, dann ruft er auch schon mal die Polizei. Einmal stand jemand unter Drogen, irgendwas Chemisches. Als die Polizei kam, haben die ihn ziehen lassen, sagt Ramtin. Gleich wird die Spielhalle schließen. Um Mitternacht ist Schluss. Die Stoßzeit ist früher, eher so gegen acht. Aber auch morgens um neun warten manchmal schon Leute, wenn die Türen öffnen. Am Monatsanfang ist immer mehr los. Danke. Auf Wiedersehen. 

Wir waren auf der Suche nach den Meth-Deals, die dem provinziellen Bayreuth eine dunkle Seite verleihen. Wir wollten herausfinden, warum es so absurd viele Spielhallen in einer Stadt gibt, die doch sonst in jeder Hinsicht das Gegenteil von exzessiv ist. Wir dachten an nächtliche Treffen, bedrohliche Kneipen und geheime Zeichen. Abgedunkelte Lieferwagen am Hintereingang, eine dunkle Gestalt in der Ecke, ein Kopfnicken zweier Verbündeter. Kurz um, wir suchten nach den „Berliner Verhältnissen“, die die CSU versprochen hatte, zu verhindern.

Auch am nächsten Tag im Löwenplay, in der Nähe des Uni Apart, ist es sauber und weniger dunkel als erwartet. In der Ecke steht ein Billardtisch, selten benutzt. Zwei einsame Spieler sitzen vor ihren Automaten, der eine steht immer wieder auf. Seine Finger fliegen hektisch über die blinkenden Tasten. Er fragt uns nach zwei Euro. Während auf dem Bildschirm die Pokerkarten hin- und herfliegen, stößt seine Zunge immer wieder vor und windet sich hinter seinen Zähnen. Er hält nicht inne, wenn er etwas gewinnt. Sein Ziel ist der Jackpot: drei Gleiche und zwei Buben. „Dann hat man gewonnen! Nur drei Gleiche und zwei Buben!“ 

Ist das die düstere Seite Bayreuths? Wohl kaum. Spätestens in der vierten Spielhalle müssen wir uns eingestehen: Es gibt sie nicht. Bayreuth ist kein Berlin und auch kein Frankfurt. Drogenhandel und -konsum finden, wie alles in dieser Stadt, und wie wahrscheinlich an den meisten Orten, im Privaten statt. Wer konsumiert, tut es hinter vorgezogenen Gardinen, sabbernd auf dem Sofa liegend. Die Spielhallen, unsere vermeintlichen Umschlagplätze sind steril, traurig, unaufregend. 

Je länger wir auf die blinkenden Automaten starren, wird uns klar: Sucht ist kein Spektakel. Wer hier reingeht, kommt regelmäßig. Die Leute brauchen den Kick oder das Geld. Wahrscheinlich beides. Vielleicht um Drogenkonsum zu finanzieren. Vielleicht auch um die Miete zu bezahlen. Eingetaucht in das sterile Licht der Spielhallen, werden unsere Erwartungen als Stereotypen enttarnt und verlieren den geheimnisvollen Reiz, den wir einer unbekannten Szene angedichtet haben. Es gibt keine düstere Gestalt in der Ecke. Den ersten Dealer seines Lebens findet man im Freundkreis. Wer drauf ist und zockt, ist kein Zootier, das wir Studierende angucken können, um dann morgen auf dem Campus davon zu erzählen. Sucht ist kein Spektakel, sondern eine traurige Sache. Drei Gleiche und zwei Buben. Dann hat man gewonnen.

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