Der goldene Anker

Zu Besuch im ältesten Hotel Bayreuths

Vor kurzem erreichte das Hotel „goldener Anker“ die Anfrage der Witwe eines Stammgastes aus Übersee, ob seine Asche im Innenhof des Hotels verstreut werden könne. Um herauszufinden wieso einige Gäste so eine besondere Bindung zum Hotel aufbauen,  bin ich an einem Freitagmittag mit Frau Graf, der Besitzerin in 13. Generation verabredet. Ich betrete das Hotel, welches seinen Ursprung als Metzgerei und Garküche hatte und im Jahre 1753 zum Beherbergungsbetrieb ausgebaut wurde, durch die breite Eingangstür, welche in früheren Zeiten noch als Durchfahrt für Kutschen genutzt wurde. Wegen der Lage, nahezu direkt neben dem  Markgräflichen Opernhaus, gehört das Gebäude zur Pufferzone des UNESCO- Weltkulturerbes, wodurch sich strengere Denkmalschutzvorschriften ergeben. Frau Graf sieht hierin aber neben der Herausforderung vor allem eine Anerkennung für ein besonders erhaltenswertes Gebäude. Ein Spannungsfeld entsteht aber bei der, auf Basis der DEHOGA-Richtlinien durchgeführten, Sterne-Klassifizierung, so können in dem, aus mehreren Gebäuden bestehenden, Hotel, aufgrund der baulichen Lage, keine Aufzüge eingebaut werden. Die Besitzerin erklärt mir im weiteren Gespräch, dass einfach erwartet wird, dass diese Kriterien eingehalten werden. Da es sich beim Goldenen Anker um keinen dafür maßgeschneiderten Neubau handelt, sondern um ein historisches Gebäude, sind hierfür notwendige Nachrüstungen sehr kostenintensiv. Die besondere Atmosphäre kann jedoch durch kein Klassifizierungssystem einer Sterne- Vergabe bewertet werden, diese ist nur vor Ort persönlich erfahrbar. Auf Grund dieser kommen auch viele Stammgäste während der Festspielzeit immer wieder. Auch viele Prominente übernachteten früher schon im goldenen Anker, z.B. Thomas Mann oder Mark Twain, aber auch Personen der neueren Zeitgeschichte wie Hape Kerkeling oder die Scorpions stiegen hier schon in den unterschiedlich geschnittenen Zimmer ab. Die über zwei Stockwerke führende Suite wird z.B. auch in  der Festspielzeit von berühmten Künstlern genutzt.  Frau Graf erklärt mir, dass auch bei dieser Vielfalt an Gästen jeder Tag individuell abläuft und es „somit kein Alltag, sondern nur gewisse zeitliche Strukturen gibt, damit es einen reibungslosen Ablauf im Hotel gibt“. Als Besitzerin sind ihre Aufgaben sehr vielfältig, wobei sie momentan vor allem auf der Suche nach dem schwer zu findenden Gastronomiefachpersonal ist, ebenso arbeitet sie auch regelmäßig in der Küche des hoteleigenen Restaurants mit. Im weiteren Gespräch kommen wir auf das Thema Nachhaltigkeit. So führt Frau Graf das Hotel nicht aus einem „Profitgedanken heraus, sondern mit dem Gedanken das Haus kontinuierlich zu bewahren“. Der Familienbetrieb ist auch dadurch fühlbar, dass ihre Kinder häufig im Hotel anzutreffen sind. Diese werden durch kleinere Aufgaben schon in die Abläufe mit einbezogen. Da Frau Graf auch mit ihrem persönlichen Vermögen als eingetragene Kauffrau haftet, werden unternehmerische Entscheidungen vorher stets  sorgsam abgewogen und nicht überstürzt getroffen. Auch werden, wenn Neuausstattungen notwendig sind möglichst langlebige Materialien verwendet. Das Frühstück wird individuell und nicht in Büffetform serviert und hierbei ausschließlich selbstgekochte Marmeladen verwendet. Im Hotelbetrieb wird versucht Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, da  Frau Graf „diese aus ethischer und ökonomischer Perspektive als unverantwortlich erachtet.“  

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