Dr. Tillschneider (AfD) gibt ein Seminar zum Thema Islamrecht. Studierende protestieren, der Unipräsident verweist auf das Hochschulgesetz.

Dr. Hans-Thomas Tillschneider gilt als Rechtsaußen der AfD. Als Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt pflegt er enge Kontakte zur Identitären Bewegung, außerdem war er Vorsitzender der mittlerweile aufgelösten „Patriotischen Plattform“. Nun hält er das Blockseminar „eine kompakte Einführung in das islamische Recht“ an der Uni Bayreuth, für das es bisher allerdings nur eine Anmeldung gibt. Unter den Studierenden gibt es großen Widerstand gegen ihn. Unter dem Motto „Nazis vom Campus jazzen“ empfingen ihn ca. 30 Studierenden lautstark zu seinem ersten Seminartermin vor dem GW I. Anschließend gab es den ganzen Tag über Programm gegen Rechts. Unter anderem las David Mayonga (besser bekannt als Roger Rekless) aus seinem Buch, in dem er Erfahrungen mit Rassismus in seiner Jugend schildert. Neben den Protestplakaten des Veranstalters „Die andere Universität“ gab es auch Sticker mit Zitaten von Tillschneider. Darauf ist z.B. zu lesen: „In Magdeburg habe ich vom äußeren Feind gesprochen, gegen den Europa verteidigt werden muss. Vom Islam.“

Wie kann also ein AfD-Politiker an der Uni lehren, der wegen seiner rechten Standpunkte völlig zurecht so großen Protest auslöst? Tillschneider ist ein alter Bekannter. Er war bereits von 2010 bis zu seiner Wahl zum Abgeordneten 2016 an der Hochschule als akademischer Rat auf Zeit aktiv. Aufgrund seines Mandates im Landtag pausierte er dann seine Lehrtätigkeit. Mit dem Abschluss seiner Habilitation 2018 darf er jedoch wieder an der Universität  lehren. Die Hochschulleitung erklärt dazu in einer Pressemittelung, die auch auf Facebook veröffentlicht wurde: „Herr Dr. Tillschneider hat sich an der Universität Bayreuth habilitiert und damit die Lehrbefugnis erhalten. Er hat als Privatdozent gemäß Bayerischer Hochschulgesetzgebung das Recht und die Pflicht, Lehrveranstaltungen im Umfang von zwei Semesterwochenstunden pro Studienjahr durchzuführen. Diese Titellehre ist unentgeltlich zu erbringen und begründet keinen Professorentitel. Es handelt sich nicht um einen Lehrauftrag.“Unipräsident Prof. Stefan Leible ist nach eigenen Angaben der Meinung, dass das Parteiprogramm der AfD und die Werte der Uni Bayreuth gegensätzlicher kaum sein könnten. Gleichzeitig könne die „Universität – eine Behörde, die zur Neutralität verpflichtet ist – keine möglicherweise als Wahlempfehlung für eine oder Warnung vor einer Partei zu verstehende Äußerung tun.“ Daher könne er auch nur als Privatperson so über die AfD und Tillschneider urteilen, nicht aber in seinem Amt als Präsident. Man müsse also auch abwegige Thesen aushalten können und ihnen argumentativ begegnen, so Leible. Tillschneider hingegen betont, Politik und Wissenschaft zu trennen, zumal er Grundlagenforschung im islamischen Recht betreibe.

Doch wie kam der 41-jährige dann zur islamfeindlichen AfD? Seine Vita liest sich eher wie eine erfolgreiche akademische Laufbahn. Als Rumäniendeutscher geboren wuchs er in Freudenstadt, Baden-Württemberg auf. Nach seinem Studium der Islamwissenschaften, Arabistik, Philosophie und Deutschen Literaturgeschichte begann er 2005 in Jena mit seiner Promotion. Seine Dissertation mit dem Titel „Die Offenbarungsanlässe im klassischen und modernen Islam“ wurde von Fachrezensenten überwiegend positiv aufgenommen. Er war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, später forschte er als Post-Doc an einem EU-geförderten Institut in Paris. 2010 folgte dann die Stelle als Akademischer Rat auf Zeit in Bayreuth. Doch drei Jahre später trat er in die AfD ein, 2016 wurde er in Sachsen-Anhalt in den Landtag gewählt. Seine Positionen zum Islam gleichen denen der Identitären Bewegung. Die als „Ethnopluralismus“ bekannte Theorie besagt, dass es eine ethnisch homogene europäische Kultur gäbe, die vor allem durch den Islam bedroht werde. Kulturelle Vielfalt sei also gut, aber nur solange sich die verschiedenen Kulturen nicht vermischten. Diese Ansicht wird auch als „Rassismus ohne Rassen“ bezeichnet und damit dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet. Tillschneider selbst sagt, er respektiere den Islam, wolle ihn aber nicht in Deutschland. In einem Interview äußerte er sich dementsprechend: „Ich bin auch sehr gerne im Orient und habe großen Respekt vor dem Islam. Ich will aber nach Damaskus fahren müssen, um eine Moschee zu sehen.Ich bin auch sehr gerne im Orient und habe großen Respekt vor dem Islam. Ich will aber nach Damaskus fahren müssen, um eine Moschee zu sehen.“ Warum Tillschneider als akademischer Islamexperte so kruden Theorien wie denen der Identitären verfallen ist, bleibt damit offen.

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