Wirtschaftshilfen? – Ja, aber nicht bedingungslos

AUFGRUND DER CORONAKRISE MÜSSEN VIELE UNTERNEHMEN HOHE VERLUSTE HINNEHMEN. DIE BUNDESREGIERUNG VERSPRICHT WIRTSCHAFTSHILFEN IN MILLIARDENHÖHE. WARUM DIESE GELDER EINE GROßE CHANCE FÜR EINEN NEUANFANG IN SACHEN KLIMASCHUTZ SIND.

von Lena Fiala

Seit einigen Wochen gelten nun aufgrund des Coronavirus nahezu weltweit drastische Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens aller Menschen. Dass die Politik eine solche Entscheidung auf Kosten der Wirtschaft trifft, ist bemerkenswert und zeigt, dass ihr Menschenleben und die Gesundheit der Bürger am Herzen liegen.

Auch der Klimawandel stellt eine solche Gefahr für die Menschheit dar: Doch obwohl seine Auswirkungen in vielen Teilen der Welt schon eindeutig spürbar sind, wie wir zuletzt bei den verheerenden Waldbränden in Australien und Brasilien gesehen haben, scheint die Gefahr für die westlichen Industriestaaten weniger unmittelbar, als die Gefahr durch das Coronavirus. Hinzu kommt, dass in den Medien aktuell kaum andere Themen als die Ausbreitung des Virus aufgegriffen werden.

Auch der Klimawandel bringt viele Menschen in existenzielle wirtschaftliche Schwierigkeiten, nimmt den Menschen ihre Heimat, beeinträchtigt ihre Ernährung und Gesundheit und fordert Leben. Und die Lage wird sich dramatisch verschlimmern, wenn die Regierungen nicht bald etwas an der Art und Weise ändern, wie wir produzieren und wirtschaften.

Nach dem Shutdown wird es allerdings höchste Priorität haben, die industrielle Produktion so schnell wie möglich wieder hochzufahren, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, damit die Verluste nicht noch größer werden.

Und das auf Kosten der Umwelt. Bereits geltende Umweltschutzmaßnahmen könnten in dieser Ausnahmesituation gelockert werden, mit dem Argument, dass ein schnelles Aufholen jetzt zwingend erforderlich sei, wie es nicht nur in China schon jetzt der Fall ist.

Dabei gibt es genau jetzt – wie schon nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 – die Chance für einen Neuanfang. Und zwar nicht auf Kosten der Umwelt – sondern in ihrem Dienst. Viele Firmen sollen jetzt schnelle staatliche Hilfen erhalten, um ihre Kosten zu decken. Welche Branchen werden bevorzugt unterstützt werden? Sollten Firmen, die die Klimakrise mitverursacht haben, diese Gelder bedingungslos erhalten?

Jetzt ist der Zeitpunkt, um die Unternehmen zu langfristigen Investitionen in den Umweltschutz zu verpflichten, indem die Hilfen an Bedingungen gekoppelt werden. Wir können nicht schon wieder in die Wiederherstellung eines Systems investieren, das Mensch und Natur schadet, Krisensituationen wie die aktuelle entstehen lässt und somit nicht stabil ist. Nach dem Vorbild des amerikanischen Green New Deal und der Green Deal Initiative der EU sollten wir stattdessen endlich anfangen, dieses System zu verändern.

Deshalb ist es wichtig, auch in diesen Zeiten optimistisch zu sein und die Corona-Krise als Chance zu sehen. Denn sie zeigt, dass viele Menschen dazu bereit sind, ihr Leben für das Allgemeinwohl einzuschränken. Hätten die Auswirkungen der Klimakrise eine stärkere Präsenz in den Medien und im Alltag der Menschen, würde die Bevölkerung auch Einschränkungen zu Gunsten des Klimaschutzes akzeptieren.