Eine Lacht, die andere weint

Ein Rückblick auf Masken in guten und in schlechten Tagen.

Die lachende und die weinende Maske sind das Sinnbild des dramatischen Theaters. Drei Tragödien, ein Satyrspiel, das war der Ablauf.

Seitdem hat es viele Masken gegeben. Zum Beispiel die Schnabelmasken der Pestdoktoren, die ihren ersten Auftritt im 17. Jahrhundert hatten. Die Nasen lang und gebogen, die Augen verglast, sollten sie vor Ansteckung schützen. Die gebo- genen Zinken bargen einen, mit Düften getränkten Schwamm, da man glaubte die Gerüche würden helfen. Nelken und Zimt rochen die Ärzte, wenn sie die schwarzen Beulen betrachteten. Erblickte jemand im 17. Jahrhundert eine solche Maske in Venedig, so ergriff er die Flucht.

Jahrhunderte später säumen bunte Farben die Ufer der alten Stadt und Feuerwerk explodiert über dem Meer. Zwischen den Farben und der Musik wandeln die Pestgesichter. Keiner stört sich an ihnen. Tatsächlich sind sie aus dem Karnevalsgeschehen gar nicht mehr wegzudenken.

Noch eine Maske spielte in Europa eine große Rolle. Geht man durch die Keller des Neuen Museums in Berlin, trifft man Gesichter einer Zeit, die viel weiter zurückliegt als Jesus von Nazareth. Weiter sogar noch als die griechische Tragödie. Die Totenmasken des alten Ägyptens sollten die Gewesenen vor bösen Geistern schützen. Viel später, in Europa, dienten sie der Erinnerung an berühmte Menschen. So findet sich im Pariser Invalidendom eine Maske Napoleons. Ernst und weiß betrachtet der Empereur seine Besucher. Nicht weit entfernt, im nördlichen Teil der Stadt, nahe der Spitze des Mon Martre führt eine kleine Tür zu einem Keller. Hier stellt ein Liebhaber seine umfangreiche Dali-Sammlung aus. In mitten der schmelzenden Uhren und langbeinigen Elefanten, findet sich eine andere Version der Maske. Himmelblau und seltsam entstellt blickt hier Napoleon und erscheint gar nicht mehr als das kalte Abbild eines toten Mannes.

Heute bestimmen andere Masken das Bild. Sie sind meistens weiß oder blau, eher fadenscheinig. Dafür sind es viele. So gut wie jeder hat eine von ihnen locker um den Nacken gehängt. Es gibt auch Protest gegen sie, manche finden sie angsteinflößend, andere beengend. Vor allem aber stehen sie für eine Drohung, die über uns hängt. Sie sind das Symbol des Virus geworden. Doch Symbole ändern sich. Lasst uns hoffen, dass diese neuen Masken von heute einen ähnlichen Weg gehen wie ihre Vorgänger. Drei Tragödien, ein Satyrspiel, das ist der Ablauf.