Wie sich Boomer Social Media aneignen: Fallstudie Prof. Stefan Leible.

Wer an Instagram denkt, hat vermutlich vor allem junge, gutaussehende Influencer*innen im Kopf, die um die Aufmerksamkeit der User buhlen: jede Menge Werbung, Fotos mit Filtern, Katzenvideos, und eine perfekt dargestellte Welt*. Doch zwischen all den Millennials und mittlerweile auch vielen Angehörigen der Generation Z tummeln sich seit geraumer Zeit auch einige Early Adopter aus der Elterngeneration. Während Facebook schon lange von ihnen gekapert wurde, scheint Instagram noch verschont zu bleiben. Was damit zusammenhängen könnte, dass es einen gewissen Selbstdarstellungsdruck gibt, und man (bei allem Respekt) mit Mitte 50 keinen Wettbewerb auf Augenhöhe beim Kampf um die begehrten Herzchen mehr erwarten kann.

Doch all dies hielt Stefan Leible, Lehrstuhlinhaber Zivilrecht IV, derzeit Präsident der Universität Bayreuth, nicht davon ab, ebenfalls in die fabelhafte Welt des „werbefinanzierten Onlinedienstes zum Teilen von Fotos und Videos“ (Wikipedia) einzutauchen. Erstaunlicherweise tat er dies schon 2012, zu einer Zeit, als Instagram gerade mal lachhafte 100 Millionen Nutzer hatte (heute: über 1 Milliarde). Offenbar war Leible damals aber ebenso vom Potential des Dienstes überzeugt wie Mark Zuckerberg, der im gleichen Jahr für astronomische one billion Dollar Instagram kaufte. Seitdem hat sich einiges geändert: zum Beispiel hat Leible unter dem Nutzernamen xray63 sage und schreibe eintausendsiebenhundertdreiundsiebzig Beiträge veröffentlicht. Dies hat immerhin 944 andere User davon überzeugt, ihm zu folgen – und das völlig zurecht: was Leible an jungem, makellosem Aussehen fehlt, gleicht er mit den Vorzügen des Lebens als Professor und Uni-Präsidenten aus. Fotos mit Söder beim Bierfest, Empfänge mit dem Bundespräsidenten, Feierlichkeiten mit Ministern und Bischöfen. Dazu aber vor allem eins: jede Menge Urlaubsbilder aus der ganzen Welt, von allen Kontinenten. Ein Mann von Welt, der weiß, wie man das Leben genießt. Daran lässt er keinen Zweifel, denn seine Vorliebe für gutes Essen und Wein stellt er ebenfalls gern zur Schau.

Eines muss man ihm aber zu Gute halten: sein Account ist privat, im Sinne von persönlich. Im Gegensatz zu anderen Personen des öffentlichen Lebens wirkt nichts gestellt, ebenso wenig wird man mit Werbebeiträgen zur Universität genervt. Vielmehr ist es Stefan Leible als Mensch (und DJ), der seinen Hund, die Familie und Alltagsschnappschüsse mit der Welt teilt. Durchaus sympathisch also, vielleicht gerade weil es von jemandem kommt, der der Welt nichts mehr zu beweisen braucht. Insofern tut die Gelassenheit der Boomer den optimierungsbedürftigen Millennials vielleicht ganz gut. Und als Studierender der Uni Bayreuth muss man sich keinesfalls für einen Präsidenten schämen, der mit der Zeit geht.

*der Autor muss gestehen, selbst kein Nutzer des Dienstes zu sein, weshalb seine Einschätzung eher auf Hörensagen und Feuilleton-Artikeln beruht als auf belastbaren empirischen Belegen. Den Falter jedoch findet ihr auf Instagram unter falterbt!

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