Bayreuth in Bunt

Ein neuer Verein will sich für die Interessen queerer Menschen in Bayreuth einsetzen und lange bestehende Hürden überwinden. Ein Bericht.

Die Frage, wie viele Menschen in Deutschland queer — also grob gesagt nicht heterosexuell und nicht cisgender — sind, ist chronisch schwer zu beantworten. Verschiedene Studien kommen mit verschiedenen Methoden zu verschiedenen Antworten. Klar ist aber: Queere Menschen sind eine bedeutende und immer sichtbarere Gruppe — in der Welt, in Deutschland und auch hier in Bayreuth und Umgebung. Trotzdem sind Initiativen, die sich für die ihre Belange einsetzen, in der Region Mangelware. 

Diese Lücke will der Verein Queer Bayreuth, der sich am 6. Juni dieses Jahres gegründet hat, füllen.

„Bayreuth braucht eine Interessenvertretung für queere Menschen“, erklären Mai Kim Tempelfeld und Gregor Rooß, die dem neuen Verein vorstehen. „Für viele von uns sind Ausgrenzung und Ungleichbehandlung Teil unseres Alltags. Das reicht von herablassenden Kommentaren bis hin zu körperlicher Gewalt. Dafür darf in unserer Region kein Platz sein und gerade auch die Politik muss hier anpacken!“ 

Tatsächlich zeigen Studien, dass beinahe alle queeren Menschen in ihrem Alltag Diskriminierung erfahren. Befragte berichten von einem grundsätzlichen Gefühl der Angst im öffentlichen Raum und die Selbstmordrate queerer Jugendlicher liegt deutlich über dem Durchschnitt, wie eine Metastudie zeigt, die im Jahr 2018 im JAMA Pediatrics Journal erschienen ist.

Dem wollen bei Queer Bayreuth nicht nur zahlreiche engagierte Studierende etwas entgegensetzen: Auch außerhalb der Uni wirken Menschen mit, die sich teilweise schon seit langem auf verschiedenen Ebenen für queere Menschen in Bayreuth einsetzen.

So zum Beispiel Jacqueline Liebel. Die Altenpflegerin engagiert sich seit 2012 privat und bei den Bayreuther Grünen und meint, dass bislang viel zu wenig passiert sei: „Da hat die nötige Sichtbarkeit gefehlt. Deshalb haben die Verantwortlichen in Stadtrat und Rathaus unsere Themen nicht ernstgenommen.“ Das will sie mit den anderen Mitgliedern von Queer Bayreuth ändern und so neuen Druck für politische Veränderungen erzeugen.

Und tatsächlich hat der neue Verein in der Stadtpolitik bereits Unterstützung gefunden: Stadträtin Louisa Hübner (Grüne) will bald ein Grundsatzprogramm vorstellen, mit dem Bayreuth queer-freundlicher werden soll und an dem auch der neugegründete Verein mitgewirkt hat. Zentral sind unter anderem eine Anti-Diskriminierungsstelle, mehr Aufklärungsprojekte und mehr Sichtbarkeit für queere Menschen, die in Bayreuth leben und gelebt haben. Dazu soll beispielsweise ein Denkmal für queere Opfer des Nationalsozialismus errichtet werden,. „Leider kann die Stadt nicht alles umsetzen, was wir uns wünschen würden. Umso wichtiger sind Vereine wie Queer Bayreuth, die diese Lücken schließen können“, erklärt Hübner. So brauche es beispielsweise für queere Kulturveranstaltungen gesellschaftliche Eigeninitiative.

Um Bayreuth für queere Menschen lebenswerter zu machen, hat der Verein viel vor. Wer Interesse daran hat, bei Queer Bayreuth mitzumachen, sich für die Interessen queerer Menschen einzusetzen oder sich einfach nur auszutauschen, findet bald unter queer-bayreuth.de oder mit einer Mail an verein@queer-bayreuth.de weitere Informationen.

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