Gaulands Rolle

Gastkommentar von Tobias Hauffe

Falsche Sätze werden auch dann nicht wahrer, wenn sie unermüdlich wiederholt werden. Einer dieser falschen Sätze, der in den Tagen und Wochen nach den „Bayreuther Debatten“ unermüdlich wiederholt worden ist (zuletzt in den Falter-Ausgaben 6/17 und 7/17; und in der öffentlichen Sitzung des Studierendenparlaments am 20. Juni 2017), lautet: Die Aktion „Rote Karte“ war pauschal gegen die Person Alexander Gauland gerichtet und hat sich deswegen selbst disqualifiziert.

Warum ist dieser Satz falsch? Und warum disqualifizieren sich diejenigen, die ihn mantrahaft wiederholen, selbst? Es ist eigentlich ganz einfach. Gauland trat bei den „Bayreuther Debatten“ nicht als Person auf, sondern in seiner Rolle als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Nun kann darüber gestritten werden, inwieweit die analytische Trennung zwischen Person und Rolle konsistent aufgemacht und durchgehalten werden kann. Gerade bei Politikerinnen und Politikern gehört zum Anforderungsprofil, Person und Rolle zu versöhnen. Der Politiker ist immer auch Person (alltagssprachlich: Mensch) – oder muss zumindest immer auch Person/Mensch darstellen, sonst wird er nicht gewählt. Dass Gauland also auch Person/Mensch ist, ist eine geradezu kindische Feststellung. Höchstwahrscheinlich trägt selbst Nordkoreas Diktator Kim Jong-un persönliche/menschliche Züge.

Nun sind die „Bayreuther Debatten“ keine kuscheligen Kamingespräche – oder sollten es eigentlich nicht sein –, in denen Damen und Herren anekdotenhaft über ihre Familie, ihre Vorlieben in Socken- und Krawattenfragen und ihre Haustiere fabulieren. (Und selbst wenn das so wäre, könnte auch hier darüber gestritten werden, inwieweit ein Spitzenkandidat einer Partei als Person spricht oder in seiner Rolle auftritt.) Die „Bayreuther Debatten“ sind – oder sollten es eigentlich sein – eine politische Veranstaltung. Diskutiert werden – oder sollten eigentlich – politische Werte und Programme. Der Spitzenkandidat einer politischen Partei ist nun zuallererst Repräsentant dieser Werte und Programme. Es ist seine Rolle. Oder im Politikerjargon gesprochen: Er ist das Gesicht der Partei.
Konkret: Gauland ist Spitzenkandidat einer Partei, in der Holocaustleugner (Gedeon), 1000jähriges Reich herbeifantasierende Geschichtslehrer (Höcke), Entartung schreiende Hochschullehrer (Tillschneider) und das Völkische (Petry) wieder eine politische Heimat gefunden haben. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Wirklichkeit.

Die Aktion „Rote Karte“ war gerade deswegen richtig, weil sie sich gegen Gauland in seiner Rolle als Spitzenkandidat richtete. Sie konnte gar nicht anders als „pauschal“ sein. Sie war zudem ausgesprochen höflich. An jeder anderen Hochschule, an der ich studiert, gearbeitet habe oder Gast war, wäre der Spitzenkandidat der AfD, liebevoll aber konsequent im Teich hinter dem Audimax abgekühlt worden – ganz vorne dabei übrigens: die Professorenschaft.

Campus Online 2.0?

 StuPa beriet sich über Verbesserungen für Online System

Endlich war ein Besuch des Herrn Dr. Matros, Leiter der Stabsabteilung Campus Management, zustande gekommen. Gleich zu Beginn der Sitzung vom 4.7. diskutierte das StuPa ausführlich über Verbesserungsvorschläge für das Online-System Campus Online. Besonders der Wunsch nach transparenterer Kommunikation wurde geäußert. So könnte es zum Beispiel sowohl für die Studierenden als auch für die Mitarbeiter der Stabsabteilung hilfreich sein, einsehen zu können, welche Fehler bereits gemeldet, welche Anregungen schon gegeben wurden, um Dopplungen zu vermeiden. Zusätzlich sei es gut, diese Fehlermeldungen, ähnlich wie beim Onlinedienst Jodel „upvoten“ zu können, um der Stabsabteilung die unterschiedlichen Relevanzen der Vorschläge aufzuzeigen. Auf diese Vorschläge des StuPa ging Herr Matros dann ausführlich ein und zeigte sich offen und kompromissbereit. Über das aktuelle Ticket-System (also die Fehlermeldungen) sprach er seine Unzufriedenheit aus – allein im letzten Monat seien 260 solcher e-Mails durch Studierende eingegangen; die Stabsabteilung sei demnach gut ausgelastet. Besserung sei aber in Sicht: Nach einem neuen System zur Fehlermeldung schaue man sich im Moment bereits um, das sollte in wenigen Wochen eingerichtet sein. Auch eine Seite, auf der Campus Online über Änderungen und Neuerungen des Systems berichten kann (Patch Notes), werde ebenfalls eingerichtet.

Trotzdem würde ein Diskussionsforum zur gegenseitigen Hilfestellung, wie das StuPa es vorgeschlagen hatte, durch die notwendige Moderation alle Kapazitäten der Stabsabteilung sprengen. Weiterhin betonte Matros, dass ein Großteil der gemeldeten Fehler nicht Campus Online an sich als Quelle haben – wie zum Beispiel schlechte Übersetzungen der Transcript of Records oder Professoren, die Noten oder Scheine nicht eintragen. In manchen Fällen liege das Problem zum Beispiel auch an der Bologna-Umstellung. Matros bedauerte außerdem den schlechten Ruf des Online-Systems unter Studierenden und sprach sein eigenes Interesse an mehr Transparenz aus. Im Anschluss an den konstruktiven Besuch folgten diverse Berichte, so unter Anderem Rückschauen auf den DLD Campus und den Campus Summer Day.

Leben in Irland im Gegensatz zu Leben in Deutschland

von Aisling Walsh

Ich bin seit fast zehn Monaten in Deutschland und lerne ständig die kulturellen Unterschiede und Normen zwischen diesem tollen Land und meinem Heimatland kennen. Das Leben in einem anderen Land kann zuerst schwierig sein, aber sobald man sich an die Lebensweise gewöhnt hat, kann man beginnen die Kultur und die Leute zu verstehen. Zwischen Irland und Deutschland gibt es sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede. Ich habe eine Liste meiner persönlichen Favoriten zusammengestellt:

1.    Die Deutschen fahren auf der rechten Seite!
In Irland fahren wir auf der linken Seite. Mein erstes Radfahren auf einer Hauptstraße in Bayreuth fühlte sich so falsch an!

2.    Verrückter Schneefall und strahlender Sonnenschein.
In Deutschland erlebt man die wahre Bedeutung der Jahreszeiten. In Irland haben wir ein sehr mildes Klima bei Temperaturen zwischen 0 und 25 Grad, nicht mehr undnicht weniger!

3.    Essen und Trinken
Die Lebensmittelauswahl ist in beiden Länder ziemlich ähnlich. Viel Fleisch, Brot, Kartoffeln und Kuchen kann man auch in Irland finden. In Irland kann man jedochaußerdem eine Reihe von köstlichen Meeresfrüchten auswählen. Deutschland und Irland sind beide weltweit bekannt für ihre Liebe zu Bier und anderen alkoholischen Getränken. Jeder in Irland kennt die Namen Becks, Erdinger und Jägermeister und ich denke alle Deutschen kennen Guinness, Jameson, Bulmers oder Bailey’s?

4.    Literatur
Beide Länder sind mit der Literatur verbunden. Goethe, Schiller, Nietzsche und Marx. Deutschland heißt”Das Land der Dichter und Denker”. Irland heißt “The Land of Saints and Scholars”, mit Oscar Wilde, James Joyce, Bram Stoker und Samuel Beckett.

5.    Sport
Die Deutschen sind Fußball-Fanatiker. Die Iren ebenfalls, aber für gälischen Fußball. Irland ist auch gut in Rugby, Boxen und Rudern. Deutschland ist weltweit bekannt dafür viele fantastische Athleten hervorzubringen. Beispielsweise; Philipp Lahm, Steffi Graf, Michael Schumacher und Dirk Nowitzki.

6.    Grüne Felder
Deutschland ist fast so grün wie Irland…

7.    Nein bedeutet Nein!
Wenn man in Deutschland Nein sagt, dann meint man es auch so. Deutschland ist nicht so flexibel wie Irland.

8.    Öffentlicher Verkehr
Es gibt einen Mangel an Wifi in allen Verkehrsmitteln in Deutschland, jedoch sind sie hier verlässlicher als in Irland.

9.    Warten auf die grünen Männer!
Ich weiß nicht ob es nur in den kleineren Städten so ist, aber normalerweise warten die Deutschen immer auf die grünen Männer. Wenn wir in Irland an einer Ampel stehen und es gibt keinen Gegenverkehr, dann gehen wir einfach.

10.    Ohne Zweifel kann ich sagen, dass meine Pünktlichkeit mittels vieler verschiedener Öffnungzeiten, verschiedener Busfahrpläne am Wochenende und Vorlesungen um 08.00 Uhr viel besser geworden ist. Danke Deutschland!

Time-On?

von Lara Frumm

Das Time-Out ist eine Spielzeitunterbrechung beim Sport. Es gibt den Sportlerinnen und Sportlern die Möglichkeit, durchzuatmen, sich abzusprechen, neu zu fokussieren und mit Kampfgeist in die nächste Phase des Spiels zurückzukehren. Die Auszeit ist nicht nur eine kurze Pause, sie hält die Zeit an. Sie stoppt die tickende Uhr und den fließenden Sand im Glas. Wenn wir uns in zehn Wochen wieder auf den Weg in Richtung Campus machen, dann ist nicht weiterhin Anfang August. Statt warmem Sonnenschein oder heftiger Sommergewitter warten Herbstsonne und die ersten gelblich gefärbten Blätter auf uns. Die Zeit wird nicht stehen geblieben sein, sie wird sich weitergedreht haben. Es gibt keinen zeitlosen Raum. Die Zeit ist nicht „Aus“. Aber wir können durch den Ausbruch aus dem gewohnten Spielablauf unsere „An“-Zeit anders nutzen. Wir können andere Spiele spielen, durchatmen, uns sammeln, unsere nächsten Spielzüge vorbereiten und im Oktober mit neuer Energie zurückkehren.

Drei Urlaubstipps für den Sommer

Raus aus Bayreuth!

von Lisa Nguyen und Nele Spandick

Entspannen

Kein Internet, kein Strom, kein warmes Wasser, Etagenbetten. Dafür ein malerischer Blick, tolle Gastgeber und Mitbewohner, Schnorchelbuchten und Traumstädtchen. In der Auberge de Jeunesse in Cassis wird das wahr. Inmitten der Natur, nur zu Fuß oder mit einem robusten Auto zu erreichen,   bewirtet Jean-Pierre ein paar gelbe Häuschen. Das Zentrum in diesem Paradies: die Terrasse. Denn hier verbringen die meisten ihre Zeit mit Lesen, Malen, mal nicht am Handy sein und abends gemeinsam essen, trinken, den Blick genießen (siehe Foto) und Wildschweine verjagen. Und wenn man das Meer dann doch von nahem sehen möchte, läuft man zur Bucht, schwimmt ein paar Runden und zieht sich dann wieder von den anderen Touristen zurück. Dann geht man vielleicht ein bisschen an der Calanque-Küste wandern, betrachtet die beeindruckenden Felsen vom Boot aus oder schaut sich die Stadt an. Ich glaube es gibt keinen Ort, an dem man so gut abschalten kann wie hier.

Erleben
Ein bisschen mehr Aktivurlaub nötig? Camping, Wandern, Wassersport? Dann ist der Lago di Molveno in den zum UNESCO Weltnaturerbe gehörenden Brentner Dolomiten das Richtige. Direkt am Bergsee mit Blick auf die Berge kannst du hier dein Zelt aufschlagen. Von dort kannst du dich morgens nach einer Runde im eiskalten See aufmachen und zur Rifugio Pedrotti wandern. Das alte Steinhaus umgeben von beeindruckenden Felsen ist wohl schon Motiv auf einigen Bildern geworden. Hier kannst du auch schlafen, wenn du auf das morgendliche Schwimmen verzichten kannst. Außerdem gehen hier einige Klettersteige los. Und wenn es dich dann doch in die Stadt zieht, bist du in einer Stunde in Trient, der drittgrößten Stadt der Alpen. Zu entspannt? Dann probiere es doch mal mit Gleitschirmfliegen, Mountainbiken, Segeln oder Kanufahren. Durch die Höhe von 864 Metern wird es hier auch im Sommer nicht zu heiß und man kann weiterhin aktiv sein. Um wochenlanges Bib-Sitzen mit Bewegung auszugleichen, ist der Lago di Molveno perfekt!

Entdecken
Ihr überlegt euch, nach der Klausurenphase in den 68-er Flixbus zu setzen und direkt nach Amsterdam zu fahren? Wollt einen Städtetrip mit Strandurlaub kombinieren und nicht viel Geld ausgeben? Dann fahrt lieber eine Stunde weiter und lasst euch in Den Haag nieder. Den Haag bietet nämlich alles an, wofür auch Amsterdam berühmt ist: Grachten, typische Giebelhäuser, Kunstmuseen und Coffeeshops. So könnt ihr zum Beispiel in der historischen Altstadt den Regierungssitz und das niederländische Königshaus besichtigen. Oder im Mauritshuis die Kunst von niederländischen Malern aus dem 17. Jahrhundert anschauen, unter anderem auch Vermeers weltberühmtes „Das Mädchen mit den Perlohrringen“. Anders als Amsterdam ist Den Haag nicht von Touristen überfüllt. Wenn ihr kurzfristig Hostels buchen wollt, ist es außerdem günstiger. Vor allem befindet sich Den Haag in einer perfekten Lage: Mit dem Fahrrad seid ihr in 20 Minuten direkt an der Nordseeküste, am Scheveninger Strand. Rotterdam könnt ihr mit einer halbstündigen Zugfahrt erreichen und falls Den Haag euch doch zu klein wird, seid ihr mit dem Flixbus für 5 Euro in etwa einer Stunde in Amsterdam.

Mehr Sein als Schein, bitte!

Plädoyer für mehr „Ich“

von Susanne Lauck

Eigentlich sollte hier ein Artikel über das Pärchen stehen, das mit einem umgebauten Schulbus die USA von Norden nach Süden bereist und darüber eine Dokumentation veröffentlicht hat. Das ist cool – klar. Zwei (natürlich) gut aussehende, offene, furchtlose, … junge Menschen packen ihre Sachen und erkunden montagelang die Welt. Da kommt Neid auf, wer kann das schon einfach machen? Und die Bilder sind auch wirklich toll, keine Frage. Das Ganze hat nur einen Haken: es ist viel zu idealistisch. Man möchte losrennen und schnellstmöglich seinen all-inclusive Griechenlandurlaub stornieren. Wo kriege ich bloß so einen Bus her?

Wir sind Denker/-innen und Kritiker/-innen. Wir sind aktiv und dabei immer politisch korrekt. Wir sind cool, lässig und weltoffen. Und wir erfinden das Reisen neu und sind stolze Weltbürger/-innen. Das ist meistens auch gut so. Gut und anstrengend, wenn wir mal ehrlich sind. Wer hat überhaupt damit angefangen? Laut Duden ist Idealismus das Streben nach der Verwirklichung von Idealen, das möglicherweise mit Selbstaufopferung verbunden ist. Das heißt also, zugunsten dieser ominösen Ideale geben wir einen Teil von uns auf. Das muss man schon erst einmal sacken lassen. Zugunsten einer abstrakten Idee, nach der man strebt, die die eigene Weltanschauung beeinflusst. Da wir Wesen in einem sozialen Gebilde sind, muss derjenige, der die Ziellinie „Idealismus“ durchläuft, das natürlich auch präsentieren. Gerne über beeindruckende Postings auf sozialen Medien oder eben auch in Form einer Dokumentation – gemäß dem Motto: think big. Wir anderen stehen staunend an der Laufbahn und reichen ehrerbietig eine Banane oder einen Schluck Wasser. Wie langweilig ist doch unser eigenes Leben. Studium, Job, Sport, die ein oder andere Party und den wenig repräsentativen Urlaub kann ich auch nicht mehr stornieren, na toll. Verdammt zu ewiger Uncoolness.

Wie der Duden schon so schön erkannt hat, kommt dabei vor allem eines zu kurz: ich selbst. Mit meiner eigenen Weltanschauung, meinen eigenen Ideen, Vorlieben und Interessen. Und mit meiner eigenen Vorstellung von einer gelungenen Auszeit. Manchmal weiß man schon gar nicht mehr, was das ist, das Selbst. Man misst sich automatisch an den geltenden Idealen unserer Generation und damit nicht unbedingt an den eigenen Maßstäben. Deshalb plädiere ich hiermit feierlich für eine selbstbestimmte Semesterferiengestaltung, wie auch immer die aussehen mag!

Dinge, die niemand braucht: Voluntourismus

Warum Mini-Freiwilligendienste keine gute Idee sind

Die Tinte auf der letzten Klausur des Semesters ist kaum getrocknet, da verabschieden sich viele Studierende von der Wahlheimat und brechen zu den unterschiedlichsten Ferien-, pardon vorlesungsfreie-Zeit-Aktivitäten auf. Wie du auf Seite 5 lesen kannst, sind die Möglichkeiten vielfältig. Ein Beispiel sind Freiwilligendienste, die in den Semesterferien häufig mit einer Laufzeit zwischen vier und sechs Wochen angeboten werden.

Nun sind Freiwilligendienste generell umstritten: Kritiker bringen da Schlagworte wie „moderner Kulturimperialismus“ an und werfen die Frage auf, wie man es rechtfertigen könne, dass durch den kostenlosen Einsatz unausgebildeter Europäer/-innen Arbeitsplätze im globalen Süden wegfielen. Dem wird entgegnet, dass dies durch Kontrollen verhindert werde und viel mehr der interkulturelle Austausch im Fokus stehe. Ganz abgesehen von der Frage, wessen Argumente hier stärker wiegen, muss man festhalten, dass schon die staatlichen (vom BMZ bzw. MBFSFJ geförderten) Projekte – meist mit einer Einsatzzeit von zwölf Monaten – ausreichend Anlass zur Diskussion geben.

Es wird nicht einfacher, wenn private Unternehmen All-Inclusive Pakete zum Kurztrip ins Elend organisieren. Sicherlich gibt es unproblematische Projekte, in denen auch ein kurzer Einsatz einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Bei der Renovierung eines alten Gebäudes in der Normandie helfen? Klar, warum nicht. Aber es ist offensichtlich, dass solche Unternehmungen eher auf Plattformen wie workaway zu finden sind. Stutzig sollte man werden, wenn man vierstellige Beträge zahlt, um in unterentwickelten Staaten die innere Grundschullehramts-Lisa raushängen zu lassen. Ähnlich abstrus ist es, wenn studentische Organisationen Kurzzeit-Volunteerings anbieten, für die man zwar nicht in die eigene Tasche greifen muss. Doch ob diese, wie beworben, zur Erreichung der „17 sustainable development goals“ der Vereinten Nationen beitragen können, darf in hohem Maße bezweifelt werden. Gerade bei Projekten, in denen man mit Kindern arbeitet, ist es fatal, wenn monatlich die Bezugsperson wechselt, was häufig mehr Unruhe als Nutzen mit sich bringt.

Aufhübschung des Lebenslaufs ist als Motivation für Volunteering an Perversion kaum zu überbieten. Engagement in allen Ehren, doch sollte man sich ernsthaft fragen, ob die Welt zwischen Hausarbeitsabgabe und Semester-Opening-Party gerettet werden kann. Wer einen Freiwilligendienst in Betracht zieht, sollte sich vorher genau überlegen, welche Gründe man selber hat, welche Ziele man verfolgen möchte und wie der Arbeitsalltag aussehen könnte. All diese Aspekte können innerhalb eines Monats schlichtweg nicht verwirklicht werden. Man beraubt sich einerseits selbst Einblicken und Verständnissen, die ein wenig mehr Zeit mit sich gebracht hätten, und verursacht andererseits häufig mehr Arbeit, als man Unterstützung geben kann.

UNIKAT 2017

Ein Tanzabend im Blättergrün

Diesem Event konnte man seine lange und intensive Planungszeit ansehen: Am 22. Juli fand unter dem Motto „Tropisch. Musikalisch. Kulinarisch.“ zum ersten Mal das Tanzevent UNIKAT im Ökologisch Botanischen Garten (ÖBG) an der Uni Bayreuth statt. Die Organisation wurde im Rahmen eines Projektseminars von Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen übernommen und ihr Einsatz wurde mindestens mit dem guten Wetter und der entspannten, festlichen Atmosphäre belohnt. Über den ÖBG verteilt konnten Besucherinnen und Besucher immer wieder etwas Neues entdecken: Von musikalischen Einlagen über eine Rock’n’Roll-Vorführung bis hin zu einer Lesung und einem Salsa-Kurs wurde den Gästen so einiges an Abwechslung geboten. Ob man sich nun in der Fotobox fotografieren ließ, dem DJ am See lauschte oder in der Zigarrenlounge entspannte, blieb den Gästen ganz selbst überlassen. Obwohl also über den Abend verteilt für jeden etwas dabei war, fehlte zwischen Rope Skipping Einlage, Trickkiste Chemie und Fotoausstellung leider ein wenig der rote Faden, der dem Sommerevent den letzten Schliff verpasst hätte. Dennoch begeisterte der illuminierte ÖBG mit seinem Charme als einzigartige Veranstaltungslocation und einige Gäste schwangen gut gelaunt bis in die späten Abendstunden das Tanzbein.

Schon was vor?

So verbringen Studis ihre Ferien

Leonie Tinnefeld & Anna-Theresa Lienhardt

Der durchschnittliche Studierende weicht in der Regel ein wenig ab vom Profil des normalen Urlaubers. Günstig muss es sein, viele Sterne sind nicht vonnöten. Gern weit weg, vielleicht auch schmutzig, vielleicht auch mit etwas Arbeit im Gegenzug für Kost und Logis. Und immer der Anspruch: „Mal was Neues erleben!“ Viele kennen das sicher aus Australien, Neuseeland & Co, sprich: Ländern, die jeden Herbst mit frisch gebackenen deutschen Abiturienten überspült werden.  Dass man sich mit Freiwilligenarbeit aber nicht nur das obligatorische post-abituriale Findungsjahr, sondern auch den ein oder anderen Monat Semesterferien ermöglichen kann, haben vielleicht nicht alle auf dem Schirm. Dabei muss man nicht einmal allzu weite Flüge buchen – mit Freiwilligenarbeiten wie wwoof oder workaway lassen sich auch in einem bekannten Kulturkreis neue Erfahrungen machen und spannende Menschen treffen. Um Marcel Proust zu zitieren: „Eine Entdeckungsreise besteht nicht darin, nach neuen Landschaften zu suchen, sondern neue Augen zu bekommen.“

Wwoof
„Die Hände in der Erde und das Herz im Himmel“ heißt ein beliebter Ratgeber über Gartenarbeit, den Du nach deiner Wwoof-Erfahrung vielleicht gar nicht mehr nötig hast. Wwoof steht für World Wide Opportunities on Organic Farms und stellt eine spannende und billige Reisemöglichkeit dar. Organisiert wird Dir dabei nichts – Wwoof stellt gegen eine kleine Gebühr lediglich den Kontakt zu Biobauernhöfen (im weitesten Sinne) her, die dir während deines Aufenthalts ein Dach über dem Kopf und etwas zu Essen auf dem Tisch bieten. Im Gegenzug dazu wird von Dir Arbeit auf der Farm oder im Garten erwartet (Säen, Ernten, Jäten, Verpacken, Tierversorgung, vielleicht auch Kind-Versorgung,…) – das variiert in Qualität und Quantität teilweise extrem; vor der endgültigen Einigung mit dem Farmer sollten die Details definitiv geklärt werden. Das Spannende am Wwoofen ist es, an Gastgeber zu geraten, die sich als Lehrende verstehen und während der Arbeit ihr Wissen weitergeben – so erweiterst Du deinen Horizont nicht nur kulturell sondern auch fachlich. Bei größeren Hosts kommt man übrigens gut in Kontakt mit anderen Wwoofern aus aller Welt – da kann es oft wunderbar munter zugehen!

Work and travel
Anbieter wie „workaway“ oder „helpx“ funktionieren im Prinzip ganz ähnlich wie WWOOF, beschränken sich aber nicht nur auf Bio-Höfe. Wieso nicht in einem Café in Schweden die traditionellen Zimtschnecken servieren? House-Sitting in Kolumbien? In Lappland Schlittenhunde hüten? Sogar Au-Pair-Stellen werden hier angeboten. Wer billig eine Ecke der Welt kennenlernen und dabei sogar noch in intensiven Kontakt mit einer fremden Kultur kommen möchte, dem sei jede Art der Freiwilligenarbeit wärmstens ans Herz gelegt – genauso aber auch dieses: Vorsicht bei der Auswahl der Gastgeber! Die fehlende Verbindlichkeit ist – wie beim Wwoofen – Fluch und Segen zugleich. Du bist an nichts vertraglich gebunden – Dir wird aber auch nichts garantiert oder versprochen.

Volunteering
Wem das zu wild und zu unsicher ist, der kann sich natürlich auch rechtlich absichern und mit offiziellen Organisationen ins Ausland reisen, um dort freiwillig zu arbeiten. Dabei kommst Du allerdings auch ohne Transfer schnell in vierstellige Euro-Beträge und negative Erfahrungsberichte lassen sich im Internet ungefähr so leicht finden wie zahlwillige Reisebegeisterte am Ende der Klausurenphase. Wer sich auf entsprechenden Internetseiten umschaut, dem wird schnell klar: Hier soll etwas verkauft werden. Mit gründlicher Recherche und der richtigen Organisation kannst Du aber sicherlich auch auf diesem Wege das Beste aus den Semesterferien machen!

Backpacking
…definiert sich laut Wikipedia über den Rucksack als Gepäckstück, viel Zeit und wenig Vorplanung. Oft mischt sich das mit einigen Freiwilligenarbeits-Einsätzen, um den weiteren Verlauf der Reise finanzieren zu können. Beliebte Länder sind hier natürlich Neuseeland und Australien, aber auch Süd-Ost-Asien, das sich durch besonders günstige Unterkunftsmöglichkeiten auszeichnet. Die Seite statravel.com bietet jungen Menschen günstige Reisemöglichkeiten (Flüge, Versicherungsdeals) und ist ein guter Ansprechpartner für alle, die möglichst spontan reisen möchten. Aber auch das Angebot Interrail lässt sich wunderbar mit der Idee des Backpackings kombinieren – mit einer „Zug-Flatrate“ für ganz Europa oder wahlweise nur ein paar Länder (preislich gestaffelt) bekommt man die klausurenfreie Zeit ganz gut rum.

Ferienjob
Es ist ein Dauerzustand unter den Studierenden: Sie sind chronisch knapp bei Kasse und zum Ende des Monats reicht es in der Mensa manchmal nur noch für ein paar Pommes und eine Flasche Mate. In den Ferien muss dieser Missstand dann wieder ausgeglichen und der Geldstand auf dem Konto dem studentischen Lifestyle angepasst werden (so viel zu arm aber anspruchsvoll). Wer vor dem Studium schon eine Ausbildung gemacht hat, kehrt dann zurück an seinen ehemaligen Arbeitsplatz, legt als Freelancer ein paar Überstunden ein oder schuftet am Laufband einer Fabrik. Gut bezahlte Studi-Jobs für die Semesterferien gibt es zuhauf und wer nicht gerade bei Mummy oder Daddy im Unternehmen landen möchte, findet auch woanders eine Gelegenheit, um die Moneten einzutreiben. Schade nur, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man Menschen auf der Straße selbst gemalte Bilder für 2 Euro andrehen konnte…

Karriereurlauber
Sie sind diejenigen, die in den Ferien nicht nur ein Praktikum auf das nächste folgen lassen, sondern danach direkt in einen zweiwöchigen Sprachkurs einsteigen, nebenher bei 5 MOOCs angemeldet sind und schon ihr nächstes Auslandssemester planen. Solche Studierenden befinden sich zwar auf dem besten Wege, für den späteren Berufseinstieg hyperqualifiziert zu sein, stehen aber gleichzeitig an der Schwelle zu einem frühzeitigen Burn-Out-Syndrom. Kleiner Tipp: Gönnt euch eine Pause. Wer Karriere machen will, schafft es sicherlich mit Disziplin und Fleiß, aber Gesundheit ist das A und O. Schämt euch nicht dafür, in den Semesterferien für ein paar Wochen die Füße hochzulegen. Studieren kann anstrengend und kräftezehrend sein. Wer da nicht ab und zu mal die Batterien auflädt, dem wird früher oder später der Saft ausgehen. Garantiert.

Praktikum
An irgendeinem Punkt im Laufe des Studiums kann man sich vor einem Praktikum einfach nicht mehr drücken. Ob Pflichtpraktikum oder nicht, irgendwann stellt sich jeder Studi mal die Frage, ob es nicht geschickt wäre, den eigenen Studiengang On-Job auszuprobieren. Meistens entpuppt sich diese Entscheidung als eine gute, denn selbst wenn das Praktikum eine einzige Katastrophe war, hat man doch gelernt, welcher Beruf wohl eher nicht so gut zum eigenen Lebensmodell passt. Sich auf das Praktikum einzulassen, Verantwortung zu übernehmen und sich für Aufgaben freiwillig zu melden, hilft uns Studis von der trockenen Theorie in die Praxis zu wechseln. So kann man live erleben, wie ein Unternehmen von innen aufgebaut ist und wie seine Strukturen und Abläufe funktionieren. Wer sich allerdings jeden Tag zum Praktikum quält, keinerlei Freude an den Aufgaben hat oder tatsächlich nur fürs Kaffee Kochen zum Einsatz kommt, sollte ein Gespräch mit dem Ansprechpartner nicht scheuen. Wer freundlich bleibt und sein Problem genau benennen kann, kann hier nur gewinnen.

Summer School
Summer Schools haben viele Vorteile: Wer eine absolviert, kann schon in den Ferien ECTS-Punkte einheimsen, ein fremdes Land kennen lernen, interessante Leute aus aller Welt treffen und ein wissenschaftliches Thema aus einer anderen Perspektive betrachten. Und ganz wichtig: Die Fremdsprachenkenntnisse werden konsolidiert. Nachteil: Summer Schools sind extrem teuer und schneiden im Preis-Leistungs-Verhältnis zum Teil miserabel ab (700€ für einen 2-Wochen-Kurs und 5 ECTS-Punkte ohne Unterkunft?). Obwohl es also scheinbar viele Benefits gibt, sind Summer Schools für die meisten Studierenden schlicht unbezahlbar und bleiben nur der gut betuchten Elite vorbehalten. Denn während z.B. das Erasmus-Programm Auslandspraktika und Auslandssemester finanziell unterstützt, müssen Summer Schools aus eigener Tasche gezahlt werden. Einen Teil davon kann man sich später allerdings zurückholen – nämlich dann, wenn man seine Studienkosten von den Steuern absetzt.

Düstere Puppen-Romantik

Bayreuther Studierende führen Steampunk-Oper auf

Die sonst grün leuchtenden Notausgangsschilder seien für die Show ausgeschaltet worden, wurde dem Publikum kurz vor Einlass erklärt – warum, wurde nach wenigen Minuten klar.

Im völlig abgedunkelten Theaterraum neben dem Audimax wurde am vergangenen Wochenende gleich viermal das Musical „The Dolls of New Albion“ von Paul Shapera gespielt. „A Steampunk Opera in Bayreuth“ untertitelten Jonas Würdinger, Daria Lüken und ihre Crew das Stück, das die knapp 30 Studenten mittels Crowd Funding völlig selbstständig auf die Beine gestellt hatten. Und vor einer großartigen, sphärischen, natürlich selbstgebauten Kulisse mit allerlei Licht- und Nebeleffekten spielte sich in gut zwei Stunden dann die vielschichtige Handlung ab. Mehrere Generationen von Bewohnern der Kleinstadt New Albion verstrickten sich immer tiefer in ein Dickicht aus wiedererweckten Robo-Toten, Beziehungsdramen, Eifersucht, Verfolgung, Bürgerkrieg und Polizeistaat, alles in wunderbar düsterer Steampunk-Manier. Die hierbei subtil aufgeworfenen Fragestellungen, wie die nach freiem Willen oder Schicksal ließen den Zuschauer am Ende nachdenklich zurück.

Dank der englischen Untertitel, die während der Songs mitliefen, konnte jeder Zuschauer im Rahmen seiner sprachlichen Möglichkeiten den teilweise schnellen Texten und versteckten Witzen folgen.
Zur Verständlichkeit trug auch die Erzählerin, gespielt von Maja Lösel bei, die in ihren Liedern das Geschehen erklärte und kommentierte. Während die Künstler (Sänger, Musiker, Schauspieler) allesamt eine beachtenswerte Leistung zeigten, ist doch wohl am allermeisten die Gesamtleistung der Gruppe hervorzuheben. Besonders die liebevolle Kulisse, Kostüme, Licht- und Geräuscheffekte, sowie der unterstützende Einsatz von Bild- und Videoprojektionen machten die Aufführung zu einem besonders intensiven Augen- und Ohrenschmaus für das Publikum.

Der Ballermann

von Patricia Bischof

Vielen Spaniern ist er ein Dorn im Auge, einige Deutsche würden nicht mal für Geld einen Fuß in seine Nähe setzen. Andere nehmen sich extra Urlaub, um ihn einmal im Leben erleben zu dürfen: Den berühmten Ballermann auf Mallorca. Für manche das 17. Bundesland Deutschlands. Wir stellen euch den Partystrand auf Mallorca vor und versuchen zu verstehen, weshalb er auf Millionen Deutsche jährlich eine solche Anziehung ausübt.

Seinen Ursprung hat der Ballermann in Karlsruhe. Im Jahre 1960 war er eine Imbissbude mit dem Namen „Ballermann 1“ und wurde  als „Ballermann 6“ Mitte der 1970er nach Mallorca exportiert. Da Anfang der 1980er Flugreisen immer günstiger wurden, erlebte der Ballermann auf Mallorca einen Durchbruch. Auf einer Strecke von vier Kilometern stehen an der Platja de Palma 15 fast baugleiche Strandlokale, die mit der Bezeichnung „balneario 1-15“ durchnummeriert sind – eines davon eben „balneario 6“ (=Ballermann 6). Hinter der Strandpromenade finden sich zahlreiche Hotels, Restaurants und Diskotheken, die mit unterschiedlichen Angeboten und Aktionen um die Gunst der Urlauber werben. Das Wort Ballermann selbst hängt mit der Formulierung „Ballern“ zusammen, was für das Trinken großer Mengen Alkohol steht.
Der Ballermann hat sein Image weg. Wer „Ballermann“ hört, denkt an grölende Frauen und Männer, die leichtbekleidet Sangria mit langen Strohhalmen aus Eimern trinken, sonnenverbrannte Abiturienten, die als Alkoholleichen zwischen den Sonnenstühlen am Strand liegen und junge Urlauber mit Shirts wie „Ich bin nur zum Saufen hier!“, auf der Suche nach dem schnellen und einfachen sexuellen Abenteuer sind. Doch im Mai 2014 wurde dem wilden Treiben ein erstes reges Ende gesetzt. Viele Anwohner hatten genug von Erbrochenem am Strand und Musik aus Ghettoblastern und wandten sich an die Behörden. „Eimer-Saufen“ am Strand gehört seit dem der Vergangenheit an – mit unterschiedlichen Benimmregeln soll es sauberer und gesitteter am Ballermann zu gehen.

Als Stars des Ballermanns gelten u.a. Mickie Krause, Michael Wendler aber auch der „König von Mallorca“ Jürgen Drews. Pflicht für jeden „echten“ Mallorca-Party-Urlauber ist es natürlich, die Texte zu den Ballermann-Hits wie „Schatzi, schenk mir ein Foto“, „Biste braun, kriegste Fraun“ und „Dicke Titten Kartoffelsalat“ mitsingen, bzw. -grölen zu können. Wer jetzt auch Lust auf Saufen bis zum Umfallen bekommen hat, sollte seinen Flug am besten gleich buchen. Volles Haus am Ballermann ist laut einer Ballermann-Homepage von Mitte Juni bis Ende August. Das Publikum soll zu dieser Zeit recht jung, aber „umso wilder“ sein. Den Männern sei gesagt, dass die Frauen-Männer-Quote zu dieser Zeit recht ausgeglichen sein soll.
Seit Juli 2017 hat Palma einen neuen Bürgermeister: Antoni Noguera. Er hat die negativen Schlagzeilen gründlich satt und bezeichnet die sturzbetrunkenen Unruhestifter als „Abschaum“. Fraglich also, wie lange das hemmungslose Treiben der Sauftouristen an der Platja de Palma noch weitergehen wird. Bleibt noch zu erwähnen, dass Mallorca abseits vom Ballermann viele wunderschöne Ecken mit beeindruckenden Kathedralen und kleinen Gässchen hat, die es zu entdecken gilt.

Gegen Bulimie-Lernen

Wie man am besten lernt

von Lisa Nguyen

Es gibt unzählige Ratgeberbücher für effektive Lernmethoden und das perfekte Zeitmanagement, die zeigen, wie man am besten lernen kann. So empfiehlt zum Beispiel die Pomodoro-Methode, dass man seine Arbeitszeit in 25 Minuten lange Abschnitte einteilen soll. Ein anderer Tipp sagt, dass man Nahrung mit Omega-3-Fettsäuren aufnehmen müsste, da diese die Gehirnaktivität anregen. Viele von diesen Methoden zielen darauf ab, in der Klausur die beste Note zu erzielen. Aber was bleibt von dem Gelernten übrig? Sobald die Klausurenphase endet, vollzieht sich auf der Gedächtnis-Festplatte eine Komplettreinigung ohne Backup. Von den unzähligen Stunden, die man mit dem Verfassen von seitenlangen Zusammenfassungen verbracht hat, bleiben wahrscheinlich nur noch einige Begriffe hängen. Wie kann man also das Gelernte über die Klausur hinaus nachhaltig behalten?
Richard Feynman, Nobel-Preisträger in der Physik und Feind des sturen Auswendiglernens, war dafür bekannt, komplexe Phänomene auf eine klare und einfache Art und Weise zu erklären. In seiner Biografie wurde sein Vorgehen, heute bekannt als Feynman-Methode, folgendermaßen beschrieben.

Schritt 1: Wähle ein Thema aus, welches du verstehen willst und fange an, es zu lernen. Schreibe dabei alles, was du über das Thema weißt auf eine Notizbuchseite auf. Füge auf der Seite etwas Neues hinzu, sobald du etwas Neues gelernt hast. Schritt 2: Stelle dir vor, dass du dieses Thema einer Klasse erklären müsstest. Versuche, die Erklärung dabei so einfach wie möglich zu halten. Schritt 3: Greife auf die Bücher zurück, wenn du nicht weiterweißt. Du solltest die Problembereiche so oft wiederholen, bis du das Thema vollständig erklären kannst. Schritt 4: Versuche deine Erklärung noch weiter zu vereinfachen und verwende Analogien.
Diese Methode eignet sich dazu, neue Ideen zu verstehen, sie nachhaltig einzuprägen oder für eine Klausur zu lernen. Und man erfüllt damit die hohen Ansprüche meines ehemaligen Geschichtslehrers, der einst sagte: „Wichtig ist es, am Ende ein sinnvolles Gespräch über das Fachgebiet führen zu können. Bestehen ist dabei Nebensache.“

Ideen aus dem Auslandssemester

Wie eine Vorlesung im Ausland Daniel zu einem neuen Projekt brachte

von Nele Spandick

Daniel (P&E) war im Herbst 2015 im Auslandssemester an der Harvard University in den USA. Ich habe mit ihm über seine Erfahrungen dort und eine konkrete Projektidee, die daraus entstanden ist, gesprochen.

Was hast du dir von deinem Auslandsemester erwartet?
Ich war neugierig, mal aus dem gewohnten Bayreuther Umfeld herauszukommen. Bayreuth ist ja eher ein kleines, gemütliches Nest ist und da fand ich die Vorstellung spannend, mal woanders zu studieren und zu sehen, wie das da ist.

Hat sich diese Erwartung erfüllt?
Definitiv. Natürlich geht man davon aus, dass man neue Dinge kennenlernt, aber das war wirklich stärker als erwartet. Meine Zeit in den USA hat meine Sicht auf manche Fragen tatsächlich geändert oder mir zumindest ziemlich nachdrücklich eine andere Perspektive darauf vermittelt.

Eine dieser Erfahrungen war auch eine Vorlesung, oder?
Genau! Ich habe dort die Vorlesung von Michael Sandel, einem prominenten Philosophen, besucht. Er hat dafür ein ziemlich cooles Format entwickelt. Die Vorlesung ist sehr interaktiv und er schafft es, einen einfachen und guten Zugang zu philosophischen Fragen zu schaffen, an die sich viele Leute sonst nicht trauen.

Dieses Format hast du nun nach Bayreuth geholt. Wie kamst du darauf?
So wie viele andere hatte ich in den letzten Jahren das Gefühl, dass sich verschiedene Lebenswelten in Deutschland immer weiter voneinander entfernen. Mein Eindruck in den USA war dann, dass diese Entwicklung dort noch stärker vorangeschritten ist. Da kam mir der Gedanke, dass dieses Format eine gute Möglichkeit für die Gesellschaft ist, wieder in den Dialog zu treten. Der Vorteil ist, dass es nicht um hochaktuelle, tagespolitische Themen geht, bei denen die Debatte schnell sehr emotional wird. Es geht um viel Grundlegenderes: „Was ist Gerechtigkeit?“ oder „Wie wichtig ist uns unsere Freiheit?“ Diese Loslösung von der Hektik im politischen Tagesgeschäft ermöglicht, dass sich Menschen auch konstruktiv und respektvoll austauschen können, die sich politisch nicht mehr viel zu sagen haben.

Wie hat deine Umsetzung in Bayreuth funktioniert?
Es gab drei Veranstaltung mit der Überschrift „Wie wollen wir leben?“ und an den unterschiedlichen Abenden ging es dann um moralischen Handeln, Verteilungsgerechtigkeit und Markt und Moral. Die Veranstaltung fand im Evangelischen Bildungswerk, also sehr zentral, statt. Auch die Werbung war eher auf die Stadt konzentriert als auf die Uni. Und tatsächlich kamen eher ältere Leute und nicht nur andere Studierende. Im Schnitt waren immer so um die 20 Personen da, wodurch eine familiäre Stimmung herrschte und echt sehr offen diskutiert wurde. Die Menschen hatten ein Bedürfnis, sich über diese großen, grundlegenden Fragen mit anderen auszutauschen. Ich bin also sehr zufrieden damit, wie es gelaufen ist!

Gibt es schon Zukunftspläne für die Veranstaltungsreihe?
Da ich im Sommer mein Studium abschließe, kann ich die Reihe nicht weiterführen. Dem Evangelischen Bildungswerk haben die Veranstaltungen aber wirklich gut gefallen und wenn jemand Lust hat, das weiterzuführen, kann der- oder diejenige sich sehr gerne dort melden. Es besteht auf jeden Fall Interesse. (Die E-Mail-Adresse von Daniels Kontaktperson Jutta Geyrhalter findet ihr unten.)

geyrhalter@ebw-bayreuth.de

Aus Kulmbach nichts Neues

StuPa-Sitzung 18.7.2017

Zur vorletzten Sitzung der aktuellen Legislatur versammelte sich das StuPa am letzten Dienstag bei – mal wieder – größter Hitze. Immer wieder ging es dabei um die neue Kulmbacher Fakultät, über die das StuPa beklagenswert wenig informiert wurde. Seit Juni geht die Meldung über einen unabhängigen Standort der Uni Bayreuth, der besonders die Fachrichtung Lebensmittel und Gesundheit anbieten wird, schon durch die Presse.

Insbesondere beim Semesterticket muss eine solche Änderung natürlich berücksichtigt werden; das Studierendenwerk Oberfranken bat das StuPa deshalb um eine Stellungnahme, die dann an die Stadt Kulmbach zur Planung weitergegeben werden könne. Aufgrund besagter Informationslage sind konkrete Aussagen allerdings derzeit nicht möglich und so einigte sich das StuPa auf einen Minimalkonsens, der vor allem eine Priorität betont: Für Bayreuther Studierende soll das Semesterticket nicht wegen einer (überflüssigen) Anbindung an Kulmbach teurer werden.

Für alle, die vom neuen Standort der Uni Bayreuth gerade zum ersten Mal hören: 
Die Studiengänge der neuen Fakultät sollen „unter sich“ bleiben, Lehrveranstaltungen werden nicht gemischt, Studiengänge nicht aufgesplittet. So wird die Kulmbacher Außenstelle, die ab dem Wintersemester 2019 voraussichtlich rund 1000 neue Studierende begrüßen wird, wohl recht eigenständig operieren. Am nächsten Donnerstag wird Dr. Leible, Präsident der Uni, zur StuPa-Sitzung kommen und, so wird gehofft, Rede und Antwort zum neuen Campus-Standort stehen.

Aus dem Sprecherrat WiLSt wurde von realen Schäden durch die Mängel des transcript of records berichtet, in einigen Fällen sei die Aufnahme eines Masterstudiums nicht möglich gewesen.
Das StuPa betonte nachdrücklich, Studierende sollen sich in einem solch dringenden Falle direkt an Herrn Matros, Leiter der Stabsabteilung Campus Management, oder den Service cmhelp wenden.
Weiterhin berichtete das Ressort TUS über einen neuen Geldautomaten, der demnächst am Campus aufgestellt werden und eine Alternative zur Sparkasse darstellen soll: Kunden der ING-DiBa werden zukünftig ebenfalls am Campus an Bargeld kommen.
Auch die Möglichkeit zur Aufladung der Mensa-Karte per Lastschrift ist im Gespräch und wird vom StuPa mit Nachdruck verfolgt.
Beim letzten TOP ging es wieder um den Tampon-Antrag, der zwar schon als „gute Sache“ befunden wurde, dessen Umsetzung aber noch offen war. Nun wurde beschlossen, die Gespräche mit Dallmayr aufzunehmen, um möglichst bald Notrationen an Tampons in den Snack-Automaten anbieten zu können.

Raus aus Bayreuth!

von Lisa Nguyen und Nele Spandick

Entspannen

Kein Internet, kein Strom, kein warmes Wasser, Etagenbetten. Dafür ein malerischer Blick, tolle Gastgeber und Mitbewohner*innen, Schnorchelbuchten und Traumstädtchen. In der Auberge de Jeunesse in Cassis wird das wahr. Inmitten der Natur, nur zu Fuß oder mit einem robusten Auto zu erreichen, bewirtet Jean-Pierre ein paar gelbe Häuschen. Das Zentrum in diesem Paradies: die Terrasse. Denn hier verbringen die meisten ihre Zeit mit Lesen, Malen, mal nicht am Handy sein und abends gemeinsam essen, trinken, den Blick genießen und Wildschweine verjagen. Und wenn man das Meer dann doch von nahem sehen möchte, läuft man zur Bucht, schwimmt ein paar Runden und zieht sich dann wieder von den anderen Touristen zurück. Dann geht man vielleicht ein bisschen an der Calanque-Küste wandern, betrachtet die beeindruckenden Felsen vom Boot aus oder schaut sich die Stadt an. Ich glaube es gibt keinen Ort, an dem man so gut abschalten kann wie hier.

Erleben

Die “Rifugio Pedrotti” – Bild von Maurizio Ceol

Ein bisschen mehr Aktivurlaub nötig? Camping, Wandern, Wassersport? Dann ist der Lago di Molveno in den zum UNESCO Weltnaturerbe gehörenden Brentner Dolomiten das Richtige. Direkt am Bergsee mit Blick auf die Berge kannst du hier dein Zelt aufschlagen. Von dort kannst du dich morgens nach einer Runde im eiskalten See aufmachen und zur Rifugio Pedrotti wandern. Das alte Steinhaus umgeben von beeindruckenden Felsen ist wohl schon Motiv auf einigen Bildern geworden. Hier kannst du auch schlafen, wenn du auf das morgendliche Schwimmen verzichten kannst. Außerdem gehen hier einige Klettersteige los. Und wenn es dich dann doch in die Stadt zieht, bist du in einer Stunde in Trient, der drittgrößten Stadt der Alpen. Zu entspannt? Dann probiere es doch mal mit Gleitschirmfliegen, Mountainbiken, Segeln oder Kanufahren. Durch die Höhe von 864 Metern wird es hier auch im Sommer nicht zu heiß und man kann weiterhin aktiv sein. Um wochenlanges Bib-Sitzen mit Bewegung auszugleichen, ist der Lago di Molveno perfekt!

Entdecken

Das Parlamentsgebäude in Den Haag

Ihr überlegt euch, nach der Klausurenphase in den 68-er Flixbus zu setzen und direkt nach Amsterdam zu fahren? Wollt einen Städtetrip mit Strandurlaub kombinieren und nicht viel Geld ausgeben? Dann fahrt lieber eine Stunde weiter und lasst euch in Den Haag nieder. Den Haag bietet nämlich alles an, wofür auch Amsterdam berühmt ist: Grachten, typische Giebelhäuser, Kunstmuseen und Coffeeshops. So könnt ihr zum Beispiel in der historischen Altstadt den Regierungssitz und das niederländische Königshaus besichtigen. Oder im Mauritshuis die Kunst von niederländischen Malern aus dem 17. Jahrhundert anschauen, unter anderem auch Vermeers weltberühmtes „Das Mädchen mit den Perlohrringen“. Anders als Amsterdam ist Den Haag nicht von Touristen überfüllt. Wenn ihr kurzfristig Hostels buchen wollt, ist es außerdem günstiger. Vor allem befindet sich Den Haag in einer perfekten Lage: Mit dem Fahrrad seid ihr in 20 Minuten direkt an der Nordseeküste, am Scheveninger Strand. Rotterdam könnt ihr mit einer halbstündigen Zugfahrt erreichen und falls Den Haag euch doch zu klein wird, seid ihr mit dem Flixbus für 5 Euro in etwa einer Stunde in Amsterdam.

Wie sich der Journalismus verändern muss

Vor allem Ende 2016 wurden die Negativstimmen laut: Trump, Brexit, Klimawandel, Populismus, Syrienkrieg, Terrorismus – die Welt ist schlecht, wir können nichts daran ändern. Viele resignierten, einige meiner Freunde verkündeten: „Ich mache Nachrichtenfasten, ich kann nicht jeden Tag von neuem Leid hören.“ Die Zukunft sieht nicht rosiger aus.

Moment! Haben wir nicht gerade noch mit Regenbogenflaggen in der Hand die Ehe für alle gefeiert? Ist nicht gerade erst ein Pro-Europäer französischer Präsident geworden? Und mal ehrlich: Ist die AfD wirklich eine Gefahr für unsere Demokratie? Beeindruckend wird es, wenn wir globale Langzeitentwicklungen betrachten: Die Zahl der Menschen in absoluter Armut lag 2013 unter 11 Prozent – 1981 waren es noch 44 Prozent. Seit 1970 ist die Zahl der Toten durch Naturkatastrophen auf weniger als die Hälfte gesunken. Ist die Welt wirklich so schlecht dran?

Ich weiß, die oben genannten Probleme verschwinden nicht, wenn stattdessen andere, schöne Geschichten erzählt werden. Ich weiß aber auch, dass wir die Welt nicht (weiterhin) verbessern können, wenn wir den Kopf in den Sand stecken. Aber es gibt Lösungen. Und um die zu finden, müssen wir anders mit Problemen umgehen. Journalist*innen müssen kurzfristige Meldungen in langfristige Entwicklungen einbetten. Ich möchte erfahren, was für Auswirkungen eine Nachricht auf die Zukunft hat und was ich dagegen tun kann, wenn diese mir nicht gefallen. Und ich möchte nicht, dass jede Stunde mein Handy für eine Meldung brummt, die mir gar nicht so eilig zu sein scheint.

Ich bin nicht die Einzige, der es so geht: Basierend auf psychologischen Erkenntnissen versuchen Journalist*innen weltweit, die Berichterstattung lösungsorientiert zu gestalten. Sie nennen das konstruktiven Journalismus. Und diese Form von Journalismus findet auch in Deutschland immer mehr Fans. Einige Lesetipps: das utopische Politmagazin Kater Demos, das lösungsorientierte Online-Medium Perspective Daily, der konkrete Newsletter von Good Impact oder natürlich den Falter, der sich auch immer wieder an konstruktiver Berichterstattung versucht. Und nach der Lektüre packen wir es gemeinsam an und arbeiten an einer noch besseren Welt.

Smarte Klappe…nichts dahinter?

von Titus Blome

Liberale sind smart. Sie wissen das und jeder andere weiß es auch irgendwie, denn die reden doch immer so smart. Aber tun die auch was damit? Nach dem Rekordergebnis bei der Bundestagswahl 2009 mit 14,6% nimmt die smarte FDP das Vertrauen ihrer Wähler, verbrennt es unter der Brücke, um dann selbst hinunterzuspringen. 2013 verfehlten sie dann die 5%-Hürde und verkrochen sich. Doch die smarten Liberalen wären ja nicht wirklich smart, würden sie kein Comeback starten. Ein Mann tritt nach vorne, Christian Lindner, jung und eloquent (und smart) und dreht das Ding.

Sämtliche Hindernisse mit Bravour gemeistert, die freidemokratische Ein-Mann-Show steppt schneller als alle anderen auf dem politischen Parkett. Doch jetzt steht sie wieder vor dem Angstgegner der smarten Liberalen: dem Gewinnen. Die FDP schafft es laut Umfragen auf 7-10 % bei der Wahl im Herbst. Jamaika-Koalition oder sogar Schwarz-Gelb sind fast greifbar!

“Ein Träumchen” würde man sich denken… aber nein. Christian Lindner hat das schönste Mädchen der Schule zum Abschlussball gebeten. Ganz im Geiste von “Why not, könnte ja amazing werden.” Doch jetzt wirkt es fast so als würde sie „Ja“ sagen und Lindner bemerkt plötzlich, dass er weder tanzen noch eine Fliege binden kann. Eine Regierungsbildung mit der FDP kann der CDU nicht zu attraktiv erscheinen, wenn man sich die gesammelte politische Erfahrung der Gelben ansieht. Hier einer mit vier Jahren Opposition in einem kleinen Landtag, dort jemand mit ein wenig Erfahrung als Abgeordneter. Für die alteingesessene CDU ist das gleichbedeutend mit einem Praktikum in der örtlichen liberalen Hochschulgruppe.

Lindner hat es auf einzigartige Weise geschafft, den Freidemokraten Relevanz zu verleihen. Quasi im Alleingang hat er Präsenz geschaffen, Idee nach Idee nach außen getragen und seine Partei wahrscheinlich in die Regierung bugsiert. Davor kann man nur den Hut ziehen. Doch nach Westerwelle 2009 ist nun für Lindner das Regieren zur Feuerprobe geworden. Erfahrene Leute müssen her und zwar schnell. Denn wer sich mit Mutti in den Ring begibt, kann noch so smart sein, der muss auch präsentieren können.

Was macht eigentlich Refugees Welcome?

Am 20. Juni war Weltflüchtlingstag. Was geht uns das an? Laut Thorsten Parchent, einem Projektkoordinator von Refugees Welcome, sehr viel: „Jeder und jede kann selbst schnell zum Flüchtling werden. Ein großer Teil der Deutschen Geschichte ist eine Geschichte der Migration nach und aus Deutschland heraus. Gerade auch aufgrund von Krieg und wirtschaftlicher Not damals vor Ort.“

Das Thema Flüchtlinge ist für viele sehr abstrakt. Schaut man sich aber auf dem Campus unserer Uni um, trifft man auf die Initiative Refugees Welcome, die überhaupt nicht fern unserer Realität oder schwer zu greifen ist. Sie besteht aus Menschen, die Integration durch universitäre Bildung fördern wollen. Seit dem Wintersemester 2015/2016 gibt es das Bestreben, Geflüchtete mit Hochschulzugangsberechtigung durch Deutschkurse für ein Studium zu qualifizieren.

Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen, ist der Falter in das Zapf-Haus 4 zur Servicestelle Flucht und Migration geflattert – und ist dort auf Julia Mol gestoßen. Sie koordiniert die Deutschkurse von Refugees Welcome in ihrer Position als Leitung der Servicestelle. Auch auf anderen Ebenen soll Integration gefördert werden, zum Beispiel durch das Interkulturelle Musizieren und das Buddy-Programm des ISN (International Student Network) und des StuPas. Sprache bleibt aber doch die erste Hürde, die die Flüchtlinge zu bewältigen haben. Die Deutschkurse – derzeit gibt es einen A2-Kurs und drei B2-Kurse – werden durch Fördermittel des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) finanziert. Das Institut für Internationale Kommunikation und Auswärtige Kulturarbeit e. V. (IIK) stellt die Dozierenden, ausgebildete Lehrer/-innen für Deutsch als Fremdsprache. Das klingt nach einer sehr guten Organisation und Mol prognostiziert, dass sie zu Beginn des Wintersemesters diesen Jahres ca. 30 studierfähige Flüchtlinge aus den Sprachkursen entlassen werden können.

Auch wenn die große Medienwelle vorübergezogen ist, gibt es diese Menschen – und das seien sie in erster Linie, wie Mol betont, Menschen wie wir –, die neu in unserer Gesellschaft sind und sich integrieren wollen. Wer sich dabei beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen zum Speed Speaking im Kunstmuseum, bei dem Muttersprachler/-innen sich jeweils vier Minuten mit einem/einer Deutschlernenden zu einem Bild unterhalten. Die Termine sind: 28.06. um 11 Uhr, 03.07. um 12.30 Uhr und um 16 Uhr sowie 12.07. um 10 Uhr (Anmeldung unter refugees@uni-bayreuth.de). Wer nicht Zeit, sondern lieber Geld teilen möchte oder jemanden kennt, der gerne mit Herz investiert: Die Initiative benötigt dringend Unterstützung bei den Fahrtkosten der Flüchtlinge zu den Deutschkursen. Mehr Infos unter: www.refugees.uni-bayreuth.de.