Was ist eigentlich Feminismus?

von Patricia Bischof

1967, Boston: K.V. Switzer meldet sich zum Boston-Marathon an. 42 km. Erst mal nichts Ungewöhnliches. Doch: K.V. Switzer ist eine Frau. Und das ist ein Problem. Ihr ausgeschriebener Name: Katherin Virgina Switzer. Frauen durften zu dieser Zeit nur an Wettkämpfen bis 800 m teilnehmen. Damals vertraten Sportfunktionäre die Auffassung, dass Frauen zu schwach für einen Marathon seien und „ihnen dabei die Gebärmutter rausfallen könnte“. Als der Renndirektor des Bostoner Marathons sie nach einigen Meilen entdeckt, versucht er ihr die Startnummer vom Shirt zu reißen. Ein Freund kommt Katherin zu Hilfe. Sie kann das Rennen fortsetzen und erreicht nach etwas mehr als vier Stunden das Ziel. Die Fotos der Rangelei gehen um die Welt. Sie ist die erste Frau, die mit einer Startnummer einen Marathon läuft.
K.V. Switzer zeigte, was Feminismus bedeutet und obwohl der Kampf für mehr Frauenrechte schon recht alt ist, dauert er immer noch an. Feminismus bedeutet eben nicht, dass Frauen Männer hassen.

Feminismus hat auch nichts mit Egoismus zu tun. Feministinnen sind auch nicht alle lesbisch oder haben kurze Haare. Feminismus ist eine Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung, die Menschenwürde und die Selbstbestimmung von Frauen einsetzt. Sie fordert Gleichheit, wo diese noch nicht erreicht wurde. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Vordenkerin des Feminismus war Simone de Beauvoir. 1908 in Paris geboren, studierte sie als eine der ersten Frauen an der Sorbonne in Paris sowohl Philosophie und Literatur als auch Mathematik. In ihrem letzten Studienjahr lernte Simone de Beauvoir Jean-Paul Sartre kennen, der ihr Lebensgefährte wurde. Ihr berühmtester Satz: „Man kommt nicht als Frau zur Welt – man wird es“ (aus „Das andere Geschlecht“). Damit will sie aufzeigen, dass nicht die Natur uns unterschiedliche Geschlechterrollen auferlegt – sondern die Gesellschaft. Weibliche Körpermerkmale zu haben bedeutet für Beauvoir erst einmal gar nichts. Nur weil eine Frau mit einer Gebärmutter auf die Welt kommt, heißt das nicht, dass sie automatisch lieber Nachmittage am Spielplatz mit Kind verbringt, als in der Chefetage eines großen Unternehmens zu sitzen.

Grob gesagt wird die moderne Frauenrechtsbewegung in drei Wellen unterteilt. Die erste Welle (Mitte 19. Bis Anfang 20. Jahrhundert) kämpfte für die grundsätzlichen politischen und bürgerlichen Rechte der Frauen wie beispielswiese das Frauenwahlrecht, die Erwerbstätigkeit und das Recht auf Bildung. Die zweite Welle der Frauenbewegung entstand in den 1960ern und kritisierte die massive Diskriminierung von Frauen. Auch das Recht auf Abtreibung wurde eingefordert. In den 1990er Jahren kam es zur dritten Welle, welche die Ideen der zweiten Welle fortsetzte.

Feminismus ist auch in der Popkultur angekommen. Prominente wie Beyoncé gelten als neue Ikonen der Frauenbewegung. Emma Watson, bekannt als Hermine aus „Harry Potter“, spricht im September 2014 vor den Vereinten Nationen und engagiert sich als UN-Goodwill-Botschafterin für die Gleichberechtigung. (Die sehr sehenswerte Rede ist unter „Emma Watson to United Nations: I’m a feminist“ auf YouTube zu finden). Dort erklärt sie, dass auch Männer vom Feminismus profitieren. Als Beispiel dafür nutzt sie junge, depressive Männer, die sich keine Hilfe suchen, aus Angst dadurch weniger „männlich“ zu sein.

Wir sind schon einen weiten Weg gegangen. Im Jahr 2017 wird Deutschland von einer Frau regiert und mit Christine Lagarde sitzt auch an der Spitze des Internationalen Währungsfonds eine Frau. Trotzdem ist die ungleiche Bezahlung bei gleicher Qualifikation von Männern und Frauen nach wie vor traurige Realität und auch Kinder zu bekommen ist immer noch ein Hindernis für die Karriere.

Kulturlandschaft Bayreuths im Überblick

Projekte, Initiativen und Vereine

Kino ist Programm

Der Verein hat sich ein Ziel gesetzt: Bayreuth soll teilhaben können an der cineastischen Vielfalt! Ob Independent oder low budget, der Fokus liegt auf Filmen, die vor allem in Bayreuth sonst nicht gezeigt oder erst spät gezeigt werden würden. Dafür ist die Initiative noch auf der Suche nach einem dauerhaften Standort. Solange diese andauert werden einmal im Monat an einem Samstag und dem darauffolgendem Sonntag Filme gezeigt. Der Eintritt beträgt fünf Euro für Erwachsene und drei für Kinder.

Alte Schokoladenfabrik

Der Verein Schoko e.V. hat die alte Schokoladenfabrik zum  Jugendkultur und Sportzentrum umfunktioniert. Ob Skaten in der Indoor-Skateanlage, Graffiti malen, Theater spielen, an Workshops teilnehmen, Breakdance tanzen, Musik hören oder machen, der Jugendkultur sind keine Grenzen gesetzt. Auch für Konzerte ist die Fabrik zu haben! Zudem ist der Verein Koordinierungs- und Fachstelle des Bundesprogramms Demokratie Leben!, in dessen Rahmen er sich als Träger der Kinder- und Jugendhilfe für die außerschulische demokratische Jugendbildung engagiert.  Politische Diskussionsrunden, Filmvorführungen, Vorträge und Kunstaktionen tragen zur Stärkung des Demokratieverständnisses bei und setzten ein Zeichen gegen rechtsextremes Gedankengut.

Forum Phoinix

Das Forum wurde von unabhängigen Künstlern ins Leben gerufen, denen es am Herzen lag eine Plattform für Künstler in Bayreuth zu etablieren. Es werden nicht nur eigene Werke ausgestellt, sondern auch von anderen Künstlern jeden Orts. Jeden Dienstag findet von 20 bis 24 Uhr eine Veranstaltung des Kültürklüb e.V. statt.

Sprachencafé

Das Sprachencafé ist eine Veranstaltung der Volkshochschule Bayreuth. Für alle die gerne Sprachen fernab von reiner Grammatik und Theorie lernen ist das Treffen im Sprachencafé genau das Richtige. Ob Italienisch, Französisch, Spanisch oder Englisch, zu jeder der Sprachen finden Treffen statt bei denen auch je ein DozentIn anwesend ist. Die Thematik der Gespräche bestimmen die Teilnehmer. Im Cafe Samocca (das Lesecafè im zweiten OG des RW2) findet es jeweils am Donnerstag von 16:30-18:00 Uhr statt.

Schwarze Schafe

Die SchwarzenSchafe sind eine bunte Truppe theaterbegeisterter Studierender. Mit der Unterstützung der Katholischen Hochschulgruppe (KHG) führen sie alleine Regie und Stücke aller Art auf. Die Theatergruppe ist offen für alle Interessenten und es gibt keine Aufnahmekriterien.

Studiobühne

Ein ehemaliges Offizierscasino ist der Hauptsitz des Theaters. Das Ensemble setzt sich zusammen aus hundert aktiven Mitgliedern, darunter professionelle Schauspieler, angehende Schauspieler aber auch Amateure. Theaterintendant ist Werner Hildenbrand, der das Projekt zusammen mit einer bunten Truppe an Schauspielern auf die Beine stellte. Die Studiobühne zeichnet sich nicht nur durch die Diversität ihrer Schauspieler aus, sondern auch durch die Bandbreite der aufgeführten Stücke. Ob Jung oder Alt, für jeden ist was dabei! Die Stücke werden an unterschiedlichen Orten aufgeführt – im Römischen Theater der Eremitage und im Felsentheater im Park zu Sanspareil, sowie zur Festspielzeit im Innenhof der Klavierfabrik Steingraeber & Söhne.

Wir haben Grund zu feiern!

Das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth (fimt) feiert vierzigsten Geburtstag

Vier Jahre nachdem die Universität Bayreuth und zum 100-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele wurde im Jahre 1976 das Forschungsinstitut für Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters gegründet. Dieses war gerade in den Anfängen der Opernforschung stark an den Fortschritten seines Gebiets beteiligt. Seit 1977 sind die Mitarbeiter und die studentischen Hilfskräfte des fimts in der wunderschönen, historischen Schlossanlage in Thurnau, etwa 25 Kilometer außerhalb von Bayreuth, zu Hause.

Der Lehrstuhl „Theaterwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung des Musiktheaters“, entstand 1987, diesen Namen trägt er bis heute. Seit 2006 ist Anno Mungen der Leiter des Instituts. Im fimt werden die Theaterwissenschaft und die Musikwissenschaft zusammengeführt, bis zum Jahr 2008 gab es den Magisterstudiengang mit dem gleichen Namen wie dem des Lehrstuhls, welcher durch die Modularisierung durch den B.A. Musiktheaterwissenschaft und den M.A. Musik und Performance abgelöst wurde.

Geforscht wird im Schloss Thurnau unter anderem zu Musiktheater und Propaganda in Nürnberg von 1920 bis 1950. Einem Forschungsprojekt mit dem derzeit neun Mitarbeiter beschäftigt sind. Andere Themengebiete und Promotionsprojekte sind unter anderem: „Französisches Musiktheater im 17. und 18. Jahrhundert“, „(Musik-) Theater im Nationalsozialismus und in der DDR“. Die fimt-Mitarbeiter sind gleichzeitig auch Dozenten des Bachelor- und Masterstudiengangs. Dies habe ich als Studierende immer als Vorteil gesehen, da die Dozentin oder der Dozent sein beziehungsweise ihr Wissen gerne mit uns geteilt und sich oftmals sein oder ihr Interesse auch auf die Studierenden übertragen hat.

Neben den Büros der Wissenschaftlichen Mitarbeiter gibt es im Schloss Thurnau eine institutseigene Bibliothek, die für Studierende zugänglich ist. In dieser Bibliothek werden 40.000 Titel beherbergt, außerdem sind im Schloss noch über 20.000 Programmhefte zu finden. Das Schloss Thurnau verfügt über den Ahnensaal, und somit über einen wunderschönen Veranstaltungssaal. Hier fanden von 1977 bis 1993 und von 2009 bis 2014 die Reihe der Thurnauer Schlosskonzerte, mit wechselnden Kooperationspartnern wie der Musikhochschule in Würzburg, statt. In diesem Jahr wurde diese Tradition wieder aufgenommen wobei des Weiteren geplant ist, die Programmplanung noch enger mit dem Forschungsprogramm des Forschungsinstituts zu verbinden, denn die künstlerische Forschung soll ein neuer Schwerpunkt des Hauses werden.

Was ist eigentlich Musiktheater?

Am fimt werden unter Musiktheater nicht nur die verschiedenen Ausformungen des europäischen Musiktheaters – der Sparten Oper, Operette, Musical, Ballett und Performance – verstanden, sondern auch jegliche Phänomene, bei denen Musik und Theater aufeinandertreffen.

Und wie studiert man Musiktheater und welche Berufe kann man damit ausüben?

Während des Studiums erwirbt man Kenntnisse über die Musik- und Theatergeschichte, Analyse und Theorie musiktheatraler Formen sowie einem Verständnis für aufführungsbezogene Aspekte, welche sich nicht nur auf das Musiktheater beziehen lassen. Das Bachelorstudium Musiktheaterwissenschaft bietet eine Grundausbildung für Berufe im Bereich der Dramaturgie, der Regie, des Kulturmanagements, des Musikjournalismus oder im Musikverlagswesen. Im Masterstudiengang Musik und Performance beschäftigt man sich mit der Musik und ihrer Performativität, sei dies nun im Rahmen des Musiktheaters, Musik und Theatralität (Konzerte, Straßenmusikkultur, etc.) oder auch mit Musik und audiovisuellen Medien sowie Musik im Zusammenhang mit Bildender Kunst.
Praktische Erfahrungen, welche durch Praktika in musiktheaterbezogenen Betrieben erworben werden können, sind in diesem Bereich unabdingbar. Außerdem gibt der Theaterverein Schaulust e.V. Studierenden die Möglichkeit eigene Projekte auf die Bühne zu bringen und so erlerntes, sei es nun durchs Studium oder durch Praktika, selbst anzuwenden.

„Ich wusste gar nicht, dass man so etwas in Bayreuth studieren kann. Ihr seid dann aber nicht viele, oder?“

Das habe ich während meiner Studienzeit eigentlich ständig gehört, wenn ich neue Leute kennengelernt habe. Ich würde sagen für unseren Studiengang gilt das Motto: „Klein aber oho!“. Tatsächlich waren wir in meinem Jahrgang, dem Abschlussjahrgang 2016, gerade mal 13 Studierende. Und im aktuellen zweiten Semester sind es gerade mal vier an der Zahl. Diese geringe Anzahl an Studierenden erlaubt eine intensive Auseinandersetzung mit den Studieninhalten, eine gute Betreuung sowie einen guten Austausch zwischen den Studierenden und Lehrkräften. Ich habe es immer sehr genossen, dass mein Semester gerade mal so groß war wie eine halbe Schulklasse. Denn so konnte sich wirklich jeder einbringen und die meisten Fragen konnten bereits während des Seminars geklärt werden. Die Muthis, wie wir Musiktheaterwissenschaftler uns liebevoll nennen, sind kaum oder nur selten am GSP platziert, sondern immer auf dem Hauptcampus. Ich hatte überall meine Seminare, sowohl im RW als auch in den NWs oder im FAN. Und natürlich im GW I und II, wo wir eigentlich am Campus beheimatet sind. Ich werde auf jeden Fall nie die Gesichter in den anderen Fakultäten vergessen, wenn sie – sichtlich irritiert – an dem im Sommer geöffneten Fenstern vorbeiliefen und ihnen die Musik des Werkes entgegenschallte, das wir gerade besprachen.

Im Juli und August feiert das fimt sein 40-jähriges Jubiläum mit vier Veranstaltungen:
Juli
20—
Klavierabend Timofey Dolya in Kooperation mit der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne, Bayreuth # Ahnensaal/Schloss Thurnau # 19 Uhr
23—
Festakt und Konzert mit der Sopranistin Bea Robein # Ahnensaal/Schloss Thurnau # 17 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Christopher Balme
24—
Podiumsgespräch mit Barrie Kosky (Regisseur und Intendant der Komischen Oper Berlin) # Iwalewahaus/Bayreuth # 19 Uhr Moderation: Prof. Dr. Anno Mungen
August
3—
WagnerWorldWide2013 Buchpräsentation # Steingraeber Haus/Bayreuth # 11 Uhr
Nähere Infos zu den Veranstaltungen finden sich auf der Website: www.fimt.uni-bayreuth.de Abgesehen vom Klavierabend ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen frei.

Zukunftsträume aus alten Zeiten

Gruppe von Studierenden führt Steampunk-Oper auf

Steampunk – Kunstgenre, Stil, Subkultur – das ist Zukunft aus der viktorianischen Perspektive, das sind Zahnräder, Dampfmaschinen, Abenteuer und eine dunkle Romantik. Am 21.7. wird dieses Genre in Musik und Schauspiel auch in Bayreuth erfahrbar sein/zu entdecken sein, denn dann findet die Premiere des Musicals „The Dolls of New Albion“ von Paul Shapera statt. Der FALTER durfte bei einer der Proben dabei sein.

Insgesamt 27 Studierende und eine Dozentin, sowie einen Bayreuther Graphikdesigner, haben die Regisseure Jonas Würdinger und Daria Lüken um sich geschart, um dieses Projekt zu verwirklichen. Ein großer Teil der Crew studiert Theater- und Medienwissenschaften, es sind aber auch fast alle anderen Fachrichtungen vertreten. Und so bunt wie die Studiengänge der Musiker sind auch ihre Instrumente zusammengewürfelt, die sie an einem Freitagmorgen im Theaterraum auspacken. Auf den ersten Blick wundert man sich ein wenig: Eine Blockflöte neben einem Schlagzeug, neben einem Akkordeon? Dazu Saxofon, Klarinette, ein Flügel und eine Mundharmonika?

Aber dann greift der musikalische Leiter Niclas Schilling zum Baton und es erklingt genau das, was man sich unter der Genrebeschreibung des Steampunk  vorstellt: eine einsam klingende Mundharmonika, deren Melodie an verlassene Straßen nächtlicher Großstädte erinnert, schneller werdende, dampflokähnliche Rhythmen, leise, unheimliche Klangsphären, experimentelles Krach-erzeugendes Zweckentfremden der Instrumente, und dann: ein erst sentimentaler, dann fetziger Lovesong, wie er in keinem guten Musical fehlen darf und bei dem Sänger Tobias Vogt (in der Rolle des Jasper) sein Können unter Beweis stellt.

Bei dieser Probe im Theaterraum neben dem Audimax herrscht eine lockere und doch konstruktive Atmosphäre. Zwei bis dreimal pro Woche komme das Team zusammen, erzählen Katrin Schiller, PR-Beauftragte, und Marissa Hofmann, zuständig fürs Bühnenbild und die Gesamtorganisation. Mal gemeinsam, mal aufgeteilt in Musiker, Schauspieler und Techniker, mal zwecks Kostüm- oder Bühnenbildentwurfs, oder zu einer Gesamtbesprechung trifft man sich bereits seit Semesterbeginn regelmäßig.

Offiziell läuft dieses spontane studentische Projekt mit unter dem Schirm des Schaulust e.V., aber faktisch ist doch fast alles selbst geplant, organisiert, gespielt, gesungen, gemacht. Auch die Partitur wurde extra für die Zusammensetzung des Ensembles neu arrangiert. Und dass die Blockflöte neben dem Schlagzeug neben dem Akkordeon überhaupt nicht schräg, sondern absolut steampunkig-passend klingt, davon kann sich jeder selbst überzeugen: Nach der Premiere am 21.7. um 19 Uhr, wird das Stück noch dreimal aufgeführt: am Samstag, 22.7. jeweils um 13 und um 19 Uhr und am Sonntag, 23.7. um 14 Uhr. Alle Aufführungen finden im Theaterraum im Audimax-Gebäude statt. Karten können noch für die Samstags- und Sonntagsshows reserviert werden, per Email an steampunk@schaulustev.de

Nachbericht „In 80 Tagen um die Welt“

Von der Kunst, 1920 Stunden auf 120 Minuten zu kürzen

von Lisa Nguyen

„Die Erde wird immer kleiner!“. Mit dieser Behauptung beginnt eine der berühmtesten Abenteuergeschichten der Literatur: Phileas Fogg (Frank Ammon) akzeptiert in dem Londoner Reform Club die Wette, dass er innerhalb von 80 Tagen eine ganze Weltumrundung schaffen kann. Mit einem minutiös ausgeklügelten Zeitplan und seinem Diener Jean Passepartout (Jürgen Fickentscher) folgt dann eine Reise voller Überraschungen, sei es ein Elefantenritt durch den indischen Dschungel, ein Zirkus mit Feuerspuckern und Schwertschluckern in Yokohama oder ein Angriff der Sioux in Nordamerika. Stets begleitet wird er dabei von Detektiv Fix (Oliver Fepp), der Fogg aufgrund seiner überstürzten Abreise, eines Bankraubes verdächtigt.

Jules Vernes berühmter Abenteueroman aus dem Jahr 1872 stellt für viele Regisseure eine Herausforderung dar: Wie schafft man es, eine imposante Abenteuerreise von 1.920 Stunden auf 120 Minuten runter zu brechen? Die Antwort der Bayreuther Studiobühne: Mit 13 Darstellern, gefühlt 100 Rollen, genau 81 Kostümen und unzähligen Bühnenrequisiten.

Besonders hervorzuheben ist das gut durchdachte und aufwendige Bühnenbild, erstellt von Ruth Pulgram.  Da die Szenen oft wechseln, wurde für eine einzelne Szene meistens nur eine Requisite verwendet. Lebendigkeit erhielt das Bühnenbild zusätzlich mit begleitenden Soundeffekten und dem Schauspiel der Darsteller. Mit jeder neuen Szene und Requisite kam ein Lachen oder Beifall aus dem Publikum, sei es eine kleine Lokomotive aus Pappe, eine Elefant-Holzkonstruktion mit zwei integrierten Schaukeln oder die Nüstern eines Lamas.

Neben dem aufwendigen Bühnenbild ist der Wechsel der etlichen Kostüme besonders beeindruckend. Falsche Schnurrbärte, Saris, Uniformen – genau 81 Kostüme wurden für die Theaterproduktion verwendet. Somit ist „In 80 Tagen um die Welt“, was die Kostüme betrifft, die bislang aufwendigste Produktion der Studiobühne, so der Regisseur Dominik Klein.

Man kann vom Theaterstück besonders viele Slapstick- und Komikelemente erwarten. Tragend dafür war besonders Jean Passepartout, der mit seiner lebhaften und charmanten Art das Publikum um den Finger gewickelt hat. Die Darstellung der Einheimischen aus verschiedenen Ländern hingegen war an manchen Stellen klischeehaft und übertrieben, sodass man nicht wusste, in welche Richtung man seine Mundwinkel verziehen sollte.

Natürlich ist das Ende der Geschichte fast allen bekannt. Viele Male wurde die Geschichte als Film, Serie, Musical und Hörspiel adaptiert. Dass aber „In 80 Tagen um die Welt“ an der Eremitage aufgeführt wird, verleiht dem Theaterbesuch ein besonderes Gefühl. Am Eingang stehen die Darsteller in ihren Kostümen und verkaufen das Programm. Das Römische Theater wird durch die zahlreichen Requisiten, den Licht- und Soundeffekten zum Leben erweckt.

Während des Theaterstückes geht die Sonne unter, man hört Blätterrascheln, Vogelzwitschern und man wird von gefühlt 20 Mücken gefressen (Was Langärmeliges mitnehmen!). Und falls jemand noch wegen des Regens Bedenken hat – die Sitzreihen sind überdacht. „In 80 Tagen um die Welt“ wird im Römischen Theater an der Eremitage bis Ende Juli aufgeführt.

Das Leben als Theater-Praktikant/-in

Die Luisenburg-Festspiele laden ein

Die Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel haben auch dieses Jahr wieder Praktika ausgeschrieben, um interessierten Studierenden die Möglichkeit zu bieten, ein wenig Theaterluft zu schnuppern. Die Chance haben wir genutzt: Matthias als Drei-Stufen-Praktikant und Laura als Praktikantin in der Theaterpädagogik.

Von Ende April bis Ende Juli sind wir in Wunsiedel. Gemeinsam mit fünf anderen Praktikanten und Festangestellten wohnen wir in einer großen WG direkt am Marktplatz. Und auch wenn Wunsiedel klein ist, gibt es viele Kneipen und Feste, sodass man sich auch mal gut vom manchmal doch recht stressigen Alltag erholen kann. Wir sind vollkommen verschieden in unsere Abenteuer gestartet. Matthias darf jeden Monat in eine neue Abteilung reinschnuppern und ist anfangs sofort in die Proben der ersten Produktion eingestiegen: dem diesjährigen Familienstück „Heidi“. Hier konnte er nicht nur der Regisseurin und Choreografin Eva Maria Lerchenberg-Thöny bei ihrer spannenden Arbeit über die Schulter schauen, sondern auch selbst viel organisieren.

Für Laura startete das Praktikum erstmal im Büro. Kinder sind unberechenbar – nichts ist schlimmer als ihnen unvorbereitet gegenüber zu treten! Deshalb machte sie sich zunächst mit ihrem Team daran, Konzepte zu entwerfen. Die Theaterpädagogen fahren in Schulen und Kindergärten und machen die Kinder mit einem spielerischen Programm auf das Familienstück „Heidi“ heiß. Nachdem das Stück vor kurzem Premiere hatte, ging es für Matthias sofort weiter in die nächste Abteilung. Gerade sitzt er zusammen mit dem Dramaturgen über der Fertigstellung des Programmheftes der Saison.

Aber auch für Laura hört die Arbeit nach der Premiere nicht auf. Nach den Aufführungen geht die eigentliche Arbeit erst richtig los. Sie darf die öffentlichen Führungen durch das Theater übernehmen, in welchen sie allen Interessenten einen spannenden Einblick hinter die Kulissen gewährt. Am meisten Spaß macht ihr allerdings die Schnitzeljagd durch das berühmte Felsenlabyrinth, wo sie die Kinder als mysteriöse Hüterin des Waldes auf ihrem Weg begleitet. Jetzt haben wir noch einen Monat Praktikum vor uns. Matthias darf sich zum Abschluss in der Requisite austoben. Das heißt, er sucht auf Flohmärkten nach ziemlich schrägem Zeug, das für die Produktionen gebraucht wird.  Auch Laura ist mit all den Vor- und Nachbereitungen gut beschäftigt.

Doch genug über uns, jetzt kommen wir zu euch! Da wir gerne allen Studierenden die Möglichkeit geben würden, auch mal eine Vorstellung auf unserer atemberaubenden Bühne zu erleben, haben wir exklusive Theaterfahrten für euch organisiert: Am 5.7. bringt euch ein Bus vom Rotary Club kostenlos zu „Cats“ und am 19.7. könnt ihr Michael Lerchenberg in „Der Theatermacher“ erleben. Infos dazu gibt es auf Facebook oder über Anfrage per E-Mail unter dramaturgie@wunsiedel.de. Wir freuen uns, euch schon bald bei uns auf der Luisenburg begeistern zu dürfen!

„Darf’s ein bisschen mehr sein“?

Enrichmentprogramm für Lehramtsstudierende

Inklusion, Hochbegabung, Migration, neue Medien.  Schulen werden immer vielfältiger und bunter, die Anforderungen an Lehrkräfte wachsen. Manch ein Lehramtsstudierender hat sich wohl schon die Frage gestellt, wie er oder sie in Zukunft damit umgehen wird. „Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ – Unter diesem Motto steht ein Zertifikatsprogramm, das seit Kurzem für Lehramtsstudierende aller Fächer und Schularten angeboten wird. Dieses sog. ‚Enrichmentangebot‘ richtet sich an diejenigen zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer, die über die LPO hinaus Veranstaltungen besuchen und berufsrelevante Kompetenzen erwerben wollen. Dazu zählen z. B. Rechts- und Organisationskompetenz, Sprach- und Textkompetenz sowie Medienkompetenz. Besonderer Wert wird auch darauf gelegt, sich Wissen und Kompetenzen für den konstruktiven Umgang mit Diversität anzueignen. Auch eine wissenschaftliche Vertiefung in den belegten Studienfächern ist möglich. Um ein Zertifikat zu erhalten müssen Studierende mindestens 20 Leistungspunkte erwerben. Dafür können Sie Veranstaltungen aus sechs verschiedenen Modulbereichen wählen und in einem oder zwei davon ihren Schwerpunkt setzen.

„Wir haben bei uns viele sehr motivierte und leistungsstarke Lehramtsstudierende“, sagt Theresa Vollmer, Mitarbeiterin der Allgemeinen Pädagogik, die das Programm mit ausgearbeitet hat. „Es freut uns sehr, diesen mit unserem neuen Enrichmentangebot die Möglichkeit bieten zu können, sich bereits während des Studiums über die Regelanforderungen hinaus zu qualifizieren.“ Das Programm sei sehr flexibel angelegt, so dass die Studierenden viele Möglichkeiten hätten, Veranstaltungen nach ihren jeweiligen Interessen zu belegen. Zudem könnten sie die zusätzlichen Veranstaltungen flexibel über das Studium hinweg verteilen. Dr. Jennifer Scheffler, Mitarbeiterin der Schulpädagogik, ebenfalls für das Enrichmentprogramm verantwortlich, ergänzt: „Für das Zertifikat können sowohl thematische Veranstaltungen besucht werden, als auch solche, die praktische Kompetenzen, z. B. im Bereich Präsentation und Kommunikation, fördern. Es wird dazu unterschiedliche Formate geben und auch Angebote, die exklusiv für Enrichmentstudierende entwickelt werden.“

Max-Emanuel Noack, der gerade sein Erstes Staatsexamen geschrieben hat und für die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur tätig ist, meint: „Wer ein guter Lehrer sein will, sollte auch einige Blicke über den Tellerrand, z. B. des Faches, hinaus werfen und sich für Themen, wie z. B. den interkulturellen Bereich, interessieren. Nur so kann man als angehende Lehrkraft den vielfältigen Aufgaben gerecht werden.“

Die Einrichtung des Enrichmentprogramms ist Teil des Projekts ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘. Die Universität Bayreuth wird hierbei im Rahmen der gemeinsamen ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘ von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Neben dem Ziel, die Qualität der Lehrerbildung an der Universität zu verbessern, widmen sich Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter auch in vielfältiger Weise dem Schwerpunktthema ‚Diversität und Heterogenität in Schule und Hochschule‘.

So wurde z. B. auch eine Ringvorlesung ins Leben gerufen. Ab dem laufenden Semester gibt es regelmäßig Vorträge zu unterschiedlichen Aspekten von Diversität. Dabei werden sowohl Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, als auch der schulischen Praxis zu Wort kommen. Außerdem soll die Vortragsreihe eine Austauschplattform für Lehramtsstudierende, Dozierende und Lehrkräfte bieten.

Weitere Informationen zum Enrichmentprogramm und zur Ringvorlesung finden sich auf den Seiten des Zentrums für Lehrerbildung: www.zlb.uni-bayreuth.de

Rote Karte für die Rote Karte?

Das StuPa lässt die Bayreuther Debatten Revue passieren

Intensiv, aber doch stets zivilisiert und durchaus konstruktiv ging es am vergangenen Dienstag, den 20.6. in der 15. Sitzung der aktuellen StuPa-Legislatur zu. Zunächst stand eigentlich ein Besuch des Herrn Dr. Matros auf dem Programm, um mit ihm, dem Leiter der Stabsabteilung Campus Management die mannigfaltigen Ticks und Tücken des Onlinesystems Campus Online zu besprechen. Da Herr Matros allerdings nicht auf die Einladung reagiert hatte, wurde weiterhin über Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. Angedacht sind unter anderem ein Forum, ein FAQ-Bereich und ein Ticket-System zum Sammeln von Problemanfragen, die den Studierenden weitere Möglichkeiten zum Feedback bieten sollen. Der oftmals komplizierten Handhabung Campus Onlines gewahr, zeigt sich das StuPa immer wieder motiviert, konkrete Lösungsvorschläge zu finden; die Kommunikation mit der Stabsabteilung gestaltet sich allerdings schwierig.

Die MaPhI-Fachschaft berichtete aus dem Fakultätsrat, bestimme Scheine könnten neuerdings nicht mehr anerkannt werden. Andere Fachschaften meldeten das gleiche Problem, gerade Lehramtsstudierende hätten Schwierigkeiten, sich Praktika und bestimmte Module anrechnen zu lassen; auch hier wurde schnell Campus Online als Fehlerquelle identifiziert. Man einigte sich, sich schnellstmöglich mit den Verantwortlichen in Verbindung zu setzen.
Nach den weiteren obligatorischen Berichten der verschiedenen Ressorts, Fachschaften und Hochschulgruppe mit positiven Rückblicken auf das Uni Open Air und die Campus Kulturwoche, wurde sich dem hauptsächlichen Thema des Abends zugewandt: Den Bayreuther Debatten, die am 8. Juni stattgefunden hatten. Neben der Kritik am Einlasssystem (nächstes Mal größer!) und der exklusiven Anmeldemöglichkeit (nächstes Mal auch analog!), ging es um die Aktion „Rote Karte“, die bereits vor der Podiumsdiskussion, besonders aber danach für Furore im StuPa gesorgt hatte.

Hier stand die Grüne Hochschulgruppe (GHG) sozusagen unter Generalverdacht und es wurde darüber nachgedacht, ob ein Mitwirken einzelner Abgeordneter ein Mitwirken der gesamten Hochschulgruppe bedeute. Es fielen Stichworte wie Fraktionszwang und Repräsentation – bald ging es nicht mehr um rote und grüne Details, sondern um Grundsatzfragen: Wie neutral soll das StuPa sein? Wie geschlossen soll es auftreten? Wo hört das Amt auf und wo fängt die persönliche Meinung an? Nach zahlreichen mitunter leidenschaftlichen Beiträgen dazu wurde beschlossen, diese Grundsatzdiskussion outzusourcen und sich in einem anderen Rahmen ausführlich Gedanken darüber zu machen.

Konkret wurde aus fast allen Lagern ein undifferenziertes Einsetzen der Roten Karte kritisiert, die sich durch Übernutzung bald nicht mehr gegen Inhalte, sondern pauschal gegen die Person Gauland gerichtet, und somit einen Teil ihrer Wirksamkeit verspielt habe. Auch Gäste waren zu dieser Diskussion zur StuPa-Sitzung gekommen, unter anderem die Initiatoren der Aktion “Rote Karte“. Als Fazit zog man, dass durch eine bessere Kommunikation im Vorfeld – sowohl innerhalb des StuPas, sowie zwischen StuPa und Protestierenden – Missverständnisse hätten vermieden werden können. Die Idee einer zusätzlichen Grünen Karte fand Anklang; sie könne in Zukunft zu mehr Diskursivität in politischen Debatte beitragen und dem Publikum eine Möglichkeit zum direkten Feedback geben. Nach den mitunter sehr hitzigen Diskussionen plante das StuPa abschließend (es ging bereits gegen Mitternacht) die Wahlparty für den folgenden Abend.

Von Revolutionen und Renaissancen

Nachbericht DLD Campus 2017

Am 21. Juni fand der DLD Campus an der Universität Bayreuth statt und erzählte von artifizieller Intelligenz und entreligionisierter Kunst. Wie viel Zeit muss wohl vergehen, bis das Reisen in autonomen Fahrzeugen zu unserem Alltag gehört? Wann werden wir 3D-gedruckte Organe, die aus einem spinnenseidenähnlichen Material bestehen, in der Medizin für selbstverständlich halten? Der DLD Campus 2017 hat es geschafft, Fragen zu beantworten, vor allem aber hat er es geschafft, neue Fragen anzustoßen. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte fand die DLD Konferenz an einer Universität statt, dieses Jahr im Audimax der Universität Bayreuth. Steffi Czerny, Gründerin der DLD Konferenz, und Prof. Dr. Stefan Leible, Präsident der Uni Bayreuth, eröffneten den DLD Campus, dessen Ziel es ist, Menschen zu vernetzen und über den Einfluss der Digitalisierung auf Wirtschaft, Gesellschaft und Forschung zu diskutieren.

Neben Unternehmergrößen wie Herbert Henzler (früher McKinsey, heute Herbert Henzler Consulting) und Stefan Winners (Hubert Burda Media) sprachen auch Unternehmerinnen und Unternehmer aus Oberfranken wie Sigrun Albert (MGO Ventures) und Ralf Männlein (empiriecom). Thema war die Digitalisierung, ihre rasante Geschwindigkeit und die neuen Strukturen, die sich im Bereich Führung, Kundenverständnis und Unternehmertum ergeben. Stefan Winners betonte, dass die Marktsparte „Künstliche Intelligenz“ ein großes Potenzial für die Region berge und AI nicht länger als bedrohliche Gefahr betrachtet werden solle.

Ein Highlight war sicherlich der Auftritt des ersten durch eine Regierung anerkannten Cyborgs Neil Harbisson. Er klärte darüber auf, wie er selbst zum Cyborg wurde und wie ihm die Antenne, die über seinen Kopf hinweg direkt in den Schädel hineinführt, ermöglicht, Farben zu „hören“. Den lautesten Beifall des Tages erhielt jedoch der Künstler Jonathan Meese, der nicht umsonst als „Rammstein der Kunst“ gilt. Kunst solle nicht religiös, nicht politisch, nicht ideologisch sein, so der Künstler, sie sei das, was uns direkt in die Zukunft katapultiere. Bevor es zu einem gemeinsamen Abschluss des Abends zur DLD Party ins Liebesbier ging, wurde der DLD Campus durch eine Pitch-Session abgeschlossen, in der sich fünf Bayreuther Start-ups mit ihrer Idee präsentieren durften. Der DLD Campus 2017 hat es vorgemacht, den Spagat geschafft und eine Lücke geschlossen: Er diskutierte über Finanzierung, Computerspiele, Musik und Methodik. Über Sensordaten, E-Commerce und Wasserstofffahrzeuge. Ein gebündeltes und originelles Rahmenprogramm, dem ab und an eine größere Verschnaufpause vielleicht ganz gut getan hätte.

Diskursiv

„Lügenpresse“, “Flüchtlinge nehmen uns die Arbeitsplätze weg“, „Unsere Sozialsysteme werden von Flüchtenden unterwandert“ – sind Aussagen, die vor allem zwei Reaktionen hervorrufen: Entweder Anerkennung, für den Mut diese „Wahrheiten“ auszusprechen, oder entschiedene Ablehnung. Die Reaktionen darauf sind so stark, dass sich die entgegengesetzten Lager immer weiter voneinander entfernen und es kaum noch zum Austausch kommt. Der Unwille zum Gespräch und die Ablehnung der anderen Seite findet sich nicht ausschließlich im populistischen Milieu. Auf beiden Seiten wird die neutrale, inhaltliche Auseinandersetzung mit den vermeintlich unbegründeten, faktenignorierenden Aussagen der Gegenseite oftmals verweigert.

Dabei ist gerade dieser kritische Diskurs in Demokratien der Motor gesellschaftlichen Fortschritts – und dieser kommt ins Stottern, wenn die verschiedenen Gruppen sich nicht mehr miteinander austauschen. Diese Entwicklung ist gerade im Zeitalter von meinungskonformen Informationsblasen auf Social-Media-Kanälen problematisch. So boykottieren viele Sympathisanten des Rechtspopulismus etablierte Nachrichtenquellen und konsumieren stattdessen rechtspopulistische Medienportale. Diese verbreiten unter anderem ausgrenzende oder rassistische Inhalte. Die bestehenden Ansichten und Überzeugungen werden dadurch nicht herausgefordert oder relativiert, sondern zementiert oder radikalisiert. Der kaum noch stattfindende, private Disput wird somit zu einer immer bedeutenderen Kontaktstelle, um rechtspopulistische Positionen im Diskurs zu hinterfragen und herauszufordern.

Viele Menschen haben Verwandte oder Bekannte in ihrem Umfeld, die mit rechtspopulistischen Positionen sympathisieren. Einige haben auch schon versucht, mit ihnen kritisch über deren Ansichten zu diskutieren. Das Ergebnis eines solchen Versuches ist jedoch oft Resignation. Denn wer schon einmal beim familiären Abendessen mit seinem rechtsgerichteten Onkel zu diskutieren versuchte, gibt oft schnell auf. Zu kompliziert ist der Umgang mit Ignoranz, zu anstrengend wird es die angeblichen Fakten ständig zu überprüfen und zu widerlegen. Doch obwohl es kompliziert, anstrengend und auch unangenehm sein kann, mit nahestehenden Menschen über Rechtspopulismus zu diskutieren, so ist es doch ein notwendiger Beitrag auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft. Denn Umdenken beginnt zu Hause!

Um diesen Weg zu beschreiten, versucht die studentische Kampagne DISKURSIVdiskursiv, Studierende zu motivieren und zu unterstützen, mit ihrem privaten Umfeld (wieder) in einen kritischen und fairen Diskurs über rechtspopulistische Ansichten einzu treten. Dafür wurdeentwickeln sie  eine Website entwickelt, auf der in den nächsten Monaten die wichtigsten rechtspopulistischen Thesen analysiert und für das private Gespräch aufbereitet werden. Es werden sollen Gesprächsstrategien vorgestellt werden und es soll wird ein Forum geboten werden, auf dem ihr euch über eure Erfahrungen austauschen könnt.

Auf der Website werden sollen die einzelnen Positionen möglichst neutral und sachlich auf ihr Für und Wider untersucht werden. Wer die Website besucht, soll dazu befähigt werden, einen möglichst konstruktiven, aber kritischen Diskurs über Rechtspopulismus zu führen. Versteht ihr euch auch als Botschafter*in gegen Rechtspopulismus? Dann schaut doch ab dem 15.07 mal auf der Website (www.diskursiv.net) vorbei oder schreibt ihnen (kontakt@diskursiv.net).

Rechtspopulistischen Ansichten entgegenzutreten ist alles andere als ein leichter und einfacher Schritt und kostet Mut. Diskursiv will euch dabei unterstützen, diesen Schritt zu machen!

Zwei Tage Musik und Tanz beim Waldstock Festival

Mit arabischen Melodien, britischen Grunge-Heilsversprechern und dänischen Surferboys aus der Hölle lockt Waldstock #24 am zweiten Juli-Wochenende wieder tausende Besucher in die oberfränkische Kleinstadt Pegnitz. Umsonst und draußen, handgemacht, mit Kunst und Musik von KünstlerInnen aus aller Welt und verspielter Deko – das sind die Schlagworte, die das Waldstock Festival in der oberfränkischen Kleinstadt Pegnitz seit 1994 auszeichnen. Hier spielen an zwei Tagen vielversprechende Newcomer aus ganz Europa und langjährige Underground-HeldInnen der alternativen Musikszene.

Mit dabei sind die Berliner Newcomer Oum Shatt mit tanzbar-exotischem Arab-Pop, Demob Happy und Inheaven aus England, ausgeflippter Surfpunk von den vier Dänen Pacific Swell und psychedelischer Pop-Rock aus Belgien von den Robbing Millions. Aber auch lokale Helden sind dabei: Aus Nürnberg kommen Heim, Folk’s Worst Nightmare und The Green Apple Sea auf den Schloßberg, aus Augsburg sind Mississippi Isabel dabei und die Pegnitzer Flagge hält The Black Mile hoch. Waldstock setzt auf kulturelle Vielfalt: Neben Musik gibt’s Foodstock mit Budenzauber und leckeren Köstlichkeiten aus der Region. Camping ist natürlich möglich: Für 10 Euro pro Zelt darf ab Freitag, 15.00 Uhr die Plane aufgeschlagen werden. Alle weiteren Informationen zu Waldstock #24 gibt’s auf waldstock.de und facebook.com/waldstock.

Programm:
Freitag: Mississippi Isabel, The Green Apple Sea, Folk’s Worst Nightmare, Stray Colors
Samstag: Inheaven (GB), Demob Happy (GB), Robbing Millions (BEL), Pacific Swell (DK), Oum Shatt, His Clancyness (I), Heim, The Living, The Black Mile

Schritte der Universität Bayreuth auf dem Weg zu einer „Hochschule für Alle“

Noch immer erschweren bauliche, kommunikative, strukturelle und didaktische Barrieren das Studium beeinträchtigter Studierender. Oft brauchen sie länger bis zum Studienabschluss, unterbrechen das Studium öfter und wechseln das Fach häufiger als ihre nicht beeinträchtigten Kommiliton_innen. Dabei verpflichtet die UN-Behindertenrechtskonvention die Vertragsstaaten – darunter auch Deutschland –, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung und lebenslangem Lernen haben: ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit anderen Studierenden.
Die Universität Bayreuth möchte die Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz „Hochschule für Alle“ umsetzen und ein chancengerechtes Studium für alle Studierende und Studieninteressierte ermöglichen. Das Büro des Beauftragten für behinderte und chronisch kranke Studierende (becks) stellt sich dieser Aufgabe und informiert über die Rechte, Nachteilsausgleiche und weitere Unterstützungen im Studium. Zudem engagiert becks sich für Barrierefreiheit in der Lehre sowie in den Universitätsgebäuden.
Ein Leitfaden für Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit an der Universität Bayreuth ist gemeinsam mit den zentralen Einrichtungen der Universität erarbeitet worden. Auf der Homepage ist er als Online-Version sowie als PDF für den Download verfügbar. Als Hardcover liegt der Leitfaden auch bei den Prüfungsämtern, den Fachschaften, Beratungsstellen sowie in der Zentralbibliothek aus.
Die Beratungen bei becks sind vertraulich, unabhängig und kostenlos. Darüber hinaus werden regelmäßig aktuelle Informationen auf Facebook und der Homepage zum Thema „Studieren mit Behinderung und chronischer Krankheit” geteilt und regelmäßig ein Newsletter per E-Mail verschickt.
Um auch die Lehre barrierefrei zu gestalten, arbeitet becks momentan eng mit dem Fortbildungszentrum für Hochschullehre (FBZHL) zusammen. Für wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Angestellte der Universität werden Fortbildungsmöglichkeiten organisiert, um Ziele der inklusiven Hochschule, wie beispielsweise das Erstellen barrierefreier Dokumente, zu vermitteln. Die Lehrenden werden für die Bedarfe, Ansprüche und Rechte der betroffenen Studierenden sensibilisiert. Insbesondere bei Studierenden mit nicht-wahrnehmbaren Beeinträchtigungen sollen auch Prüfungsämter über die unterschiedlichen Formen des Nachteilsausgleichs für den Einzelnen aufgeklärt werden. Die meisten Beeinträchtigungen sind nicht sichtbar, dazu gehören unter anderem chronische Krankheiten oder psychische Probleme. Auf dem Campus fallen diese benachteiligten Studierenden nicht auf – die wenigsten sitzen im Rollstuhl.
Die Veranstaltungen an der Universität Bayreuth sollen für jede/jeden zugänglich sein, weshalb aktuell mit dem staatlichen Bauamt daran gearbeitet wird, den Campus barrierefreier zu gestalten.
Falls Sie an der Universität Bayreuth auf bauliche, inhaltliche, soziale oder strukturelle Barrieren stoßen, geben Sie becks Bescheid. Ebenfalls sind Fragen, Kritiken und Verbesserungsvorschläge immer willkommen.


becks – Büro des Beauftragten für behinderte und chronisch kranke Studierende
Universität Bayreuth
Wölfelstr. 2, Zi. 205
95444 Bayreuth
Tel.: +49 (0) 921/55 4506 (Montag 8-14 Uhr)
E-Mail: becks@uni-bayreuth.de
www.becks.uni-bayreuth.de
www.facebook.com/becksbayreuth
Offene Sprechstunde in der Vorlesungszeit: Donnerstags, 9 – 10 Uhr, Zimmer 2.57 im Studentenwerk Oberfranken oder Terminvereinbarung im Büro in der Innenstadt


 

„Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“ Das Gedicht am Geogebäude

„Wo ich bin, will ich nicht bleiben.“ Montagmorgens auf dem Weg in den Hörsaal sprechen mir diese Worte aus der Seele.
Wer sich des Öfteren im Glashaus oder im GEO-Gebäude aufhält (die Schnittfläche ist da doch erstaunlich groß), wird sicher schon einmal auf den Lüftungszylinder aufmerksam geworden sein, den diese Zeile ziert. Vielleicht wird der eine oder die andere davor stehen geblieben sein, zwischen Vorlesung und einer Kaffeepause im Glashaus, oder in den frühen Morgenstunden, nach einer wilden Party im beliebtesten Cafe-Wohnzimmer-Club auf dem Bayreuther Campus.
Die genauen Entstehungsumstände des lyrischen Grafitto sind trotz intensiver Recherche nicht klar; dank aufmerksamer Zeugen kann die Tatzeit jedoch auf das Jahr 2014 eingegrenzt werden.
Während der Sprayer nicht aufzuspüren ist (ein Professor in der midlife-crisis? Ein Ku-Wi? Oder doch ein Gecko?), ist der Verfasser des Gedichtes sehr wohl bekannt.
Für ihn waren es nicht etwa unliebsame Vorlesungen, die ihn zum Schreiben der Verse inspirierten.
Thomas Brasch, 1945 in Großbritannien geboren und in der DDR aufgewachsen, schrieb diese Zeilen im Angesicht seiner Umsiedlung in die BRD 1976. Vor diesem Hintergrund liest sich das Gedicht plötzlich ganz anders: Hier die Heimat, dort die Fremde, hier der gewohnte Alltag, dort das Risiko, hier aber auch die Unterdrückung, dort die Freiheit. Unmöglich, das gegeneinander aufzuwiegen. Und obwohl Braschs Gedicht diese für uns kaum vorstellbare Zerrissenheit so wunderbar darzustellen vermag, ist es zugleich zeitlos.
„Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“ Kaum jemand, der dieses vage Gefühl von Unruhe und Wegwollen nicht kennt.
Braschs Verse regen an zum Innehalten und Reflektieren, sie sind einer dieser kleinen Anstöße, über die man stolpern kann -gottseidank-, hat man sich wieder einmal im dichten Dschungel aus Prüfungen, Pflichten und Terminen verrannt. Und diese Stolpersteine sind notwendig – vielleicht mehr denn je in der Studienzeit, in der so vieles möglich ist und viele Weichen noch zu stellen sind.
Daran erinnert das Gedicht am GEO-Gebäude: wie wichtig es ist, die eigenen Umstände immer wieder kritisch zu betrachten und gelegentlich zu hinterfragen: „Will ich bleiben, wo ich bin?“
Vielleicht sogar am Montagmorgen, auf dem Weg zur Vorlesung.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, von Milan Kundera

Wenige Titel vermögen es so wie die “unerträgliche Leichtigkeit”, zum Lesen zu verführen. Aber nicht nur mit der Titelwahl gelang Kundera der große Wurf – er schuf eines der wichtigsten literarischen Werke der Achtziger Jahre.
1982 im französischen Exil verfasst und zwei Jahre später ebenda veröffentlicht, erregte der Roman bald Aufmerksamkeit und gilt bis heute als Kunderas erfolgreichstes Werk. Es spielt in der Zeit des gescheiterten Prager Frühlings – russische Soldaten hatten kurz zuvor tschechische Liberalisierungversuche gewaltsam zerschlagen. Kundera geht auf historische Ereignisse ein, verwebt sie mit der Romanhandlung und lässt seine Figuren an den Widrigkeiten einer kommunistischen Diktatur verzweifeln. Der Roman wird damit zu mehr als einer Liebesgeschichte oder einer poetischen Betrachtung menschlichen Zusammenlebens – er wird ein Manifest für Freiheit und Selbstbestimmung.

Kundera erzählt also die Geschichten zweier durch eine Affäre verbundene Liebespaare im kommunistischen Tschechien der 1960er Jahre. Durchbrochen werden diese beiden Handlungsstränge, die sich in einem kunstvollen Aufbau abwechseln, von nahezu essayistischem Nachsinnen über vielerlei philosophische, psychologische und gesellschaftliche Fragestellungen. In den ersten Kapiteln erörtert Kundera das Gegensatzpaar „leicht und schwer“. So schreibt er zum Beispiel: „Je schwerer das Gewicht, desto näher ist unser Leben der Erde, desto wirklicher und wahrer ist es. Im Gegensatz dazu bewirkt die völlige Abwesenheit von Gewicht, dass der Mensch leichter wird als Luft, dass er emporschwebt, vom irdischen Sein entfernt, dass er nur noch zur Hälfte wirklich ist und seine Bewegungen ebenso frei wie bedeutungslos sind.”
Die Sprache des Romans bewegt sich im gleichen Spannungsfeld wie sein Titel: Ertänzelt sie hier mit lyrischem Anmut die Empfindungen der Figuren, so demonstriert sie dort auf niederschmetternd nüchterne Art die Grausamkeit unerwiderter Liebe. Eine melancholische Grundstimmung aber ist allen Kapiteln (und auch allen Figuren!) gemein.
Einzigartig ist Kunderas Erzählweise. Der stets allwissende Erzähler reflektiert Psyche, Motive und Befindlichkeiten der Charaktere und präsentiert dem Leser diese Analysen auf dem Silbertablett. Kundera ist dabei Schöpfer vielschichtiger Figuren und ihrer ineinander verwobenen Geschichten – er scheint aber zugleich den Lektüreschlüssel mit eingebaut zu haben. Eine der vielen Beobachtungen des Erzählers: „Warum konnte sie in den [Emigranten] nicht rührende, verlassene Geschöpfe sehen? Die Antwort kennen wir schon: Bereits als sie ihren Vater verriet, tat sich das Leben vor ihr auf als ein langer Weg von Verrat zu Verrat, und jeder neue Verrat zog sie an wie ein Laster und wie ein Sieg. (…) Deshalb war sie so verwirrt über ihre eigene Ungerechtigkeit.“ Einerseits erfrischt diese ungewohnt durchsichtige Erzählperspektive, andererseits beraubt sie den Roman einer noch zu durchdringenden Tiefe und den Leser seiner eigenen Auseinandersetzung mit den Figuren.
Trotz allem hat Kundera ein stimmiges, vielschichtiges Werk geschaffen: die Liebesgeschichte von Theresa und Tomas, stets zwischen größtmöglicher Nähe und bitteren Enttäuschungen aufgespannt, und das philosophische Sinnieren des Autors ergänzen sich zu einem wunderbar melancholischen Lesevergnügen.

Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer

Im Jahr 1952 kündigte der US-amerikanische Verlag Charles Scribner’s Sons das Erscheinen eines „neuen Klassikers“ an, eine Novelle, die als „einfach, bezwingend und großartig“ beschrieben wurde und für deren Erzeugnis sich kein Geringerer als der Schriftsteller Ernest Hemingway verantwortlich zeichnete. Die genannte Novelle trägt den Titel „Der alte Mann und das Meer“ und gilt als eines der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts, ihr Autor als Meister seines Fachs. Es sind ein paar wenige Tage im Leben des alten Fischers Santiago, an denen Hemingway den Leser auf berührende Art und Weise teilhaben lässt, ihn mit hinausnimmt in die Weiten der See. Bereits seit 84 Tagen ist dem alten Santiago kein Fisch mehr an den Haken gegangen. Salao, sagen die anderen Fischer, sei er: Vom Unglück verfolgt. Santiagos junger Freund Manolin soll ihn deshalb nicht länger beim Fischen begleiten. So kommt es, dass Santiago an diesem Morgen allein in die See sticht. Um ihn herum ist längst nur steingrauer Horizont, als ihm ein riesiger Fisch an den Haken geht – und das Boot mitsamt dem alten Mann unmittelbar auf das offene Meer hinauszieht.

„Er schaute aufs Meer hinaus und wusste, wie allein er jetzt war. Aber er sah die Prismen im tiefen dunklen Wasser und die gestraffte Leine und die seltsame Wellenbewegung der windstillen See. Die Wolken fanden sich für den Passat zusammen, und weit voraus sah er einen Schwarm Wildenten, die sich über dem Wasser scharf vom Himmel abhoben, dann verschwammen, dann wieder scharf wurden, und er wusste, dass ein Mann auf See niemals allein war.“

Das Ringen, Ausharren und der Kampf zwischen dem alten Mann und seinem Fisch, einem Marlin, sind die Themen, denen die Parabel gewidmet ist. Der Schmerz ist zwingender Bestandteil der Geschichte, gleichermaßen erfasst er nicht nur den Fisch und den zähen alten Mann, sondern auch den teilhabenden Leser. Zwei unnachgiebige Tage hat Santiago bereits auf See verbracht, als sich der Fisch endlich ergibt, sodass der Alte ihn mit der Harpune erlegen und an der Längsseite seines Bootes festtäuen kann. Doch bevor er das Festland erreicht, wittern Haie die wehrlose Beute und zerteilen sie trotz Santiagos erbittertem Widerstand in ihre Bestandteile, bis sie nur noch aus einem vollends abgenagten Skelett besteht. Als Santiago an der Küste Kubas anlegt und den Golfstrom mit seinen Bewohnern hinter sich lässt, ist von seinem Fang nichts mehr übrig geblieben, wovon er sein täglich Brot hätte bestreiten können. Das, was das Meer ihm gab, hat es ihm im gleichen Atemzug wieder genommen. Nach über drei Tagen mit Santiago auf See bekommt der Leser ein Gespür für den alten Mann, dessen Leben dem Meer gewidmet war und dessen Kraft in den sehnigen Armen langsam nachlässt. Ein letztes Mal will er sich der See vollends ausliefern, sich auf ihr umtriebiges Wesen einlassen. Obwohl er den Marlin tötet, gewiss töten muss, um selbst zu überleben, begegnet er dem Tier, das gleichsam zu seinem Freund wird, mit tiefem Respekt. Am Ende sind es die großen Themen – das Leben und das Sterben – die sich in „Der alte Mann und das Meer“ schlicht und würdevoll unter Hemingways Feder entfalten und die noch lange nachklingen, wenn über dem Fischerdorf an der kubanischen Küste längst Ruhe eingekehrt ist.

Bericht aus der 8. StuPa-Sitzung

Das StuPa startete recht gemächlich in das neue Jahr, selten gab es kürzere Tagesordnungen als die der 8. Sitzung. Die Diskussionen zur Semesterticketverhandlung waren das dominierende Thema. Verhandlungen über die agilis-Strecken nach Kulmbach, Weidenberg und Kirchenlaibach stehen an und das StuPa ist auf der Suche nach der Position, mit der die drei Vertreter Anna Oertwig (Sprecherrätin TUS – Technik, Umwelt und Studentenwerksbelange), Franz Mildner (Stellvertretender StuPa-Vorsitzender) und Thomas Lachner (Sprecherrat ÖA – Öffentlichkeitsarbeit und Senator) in die Verhandlung gehen werden. Nach einer Grundsatzdiskussion über die verschiedenen Konzeptionen des Semestertickets, Solidarität und ökonomisches Kalkül gab es eine erste Annäherung an diese Position, die dann in der nächsten Sitzung endgültig beschlossen werden soll.
Außerdem wurden in der Sitzung Niklas Wenzel und Anna-Lisa Greiwe als Vertreter des StuPa bei der Organisation des Zukunftsforums der Universität Bayreuth gewählt, das 2018 wieder stattfinden wird. Das Zukunftsforum ist als Plattform zur Diskussion zukunftsträchtiger Themen gedacht und soll Vertreter der Wissenschaft mit Menschen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Technik ins Gespräch bringen. Durch die Mitarbeit der beiden Vertreter soll das Forum für Studierende wieder attraktiver werden.

Der Sprecherrat für Finanzen, Recht und Internes (FReI), Christian Lauterjung kündigte an, sich in der kommenden Zeit verstärkt um die Rechte studentischer Hilfskräfte zu kümmern. Konkret geht es um die verschiedenen Stufen der Entlohnung, die zwischen Studierenden ohne Abschluss, mit Bachelorabschluss und mit Masterabschluss unterscheiden. Es hat sich nun herausgestellt, dass diese Stufenregelung unzulässige Interpretationslücken zum Nachteil einiger studentischer Hilfskräfte lässt.
Mehr gibt es nicht zu berichten von dieser kurzen StuPa-Sitzung, doch das wird sich in den kommenden Wochen bestimmt wieder ändern, wenn das neue Jahr Fahrt aufgenommen hat und die Trampelpfade nicht mehr unter Schnee begraben sein werden.

Überlegungen zum Grundeinkommen

Längst verstorbene Philosophen, wegweisende Ökonomen des 20. Jahrhunderts und jüngst auch Unternehmer, allen voran der Kopf unserer aller Lieblingsdrogeriemarktkette, diverse CEOs großer deutscher Unternehmen, aber auch Cool Kids wie der aus Südafrika stammende, amerikanisch-kanadische Erfinder-Ingenieur-Investor-Gründer-Visionär Elon Musk (Wer ihn nicht kennt: Ihm ist unter anderem der idiotensicher Bezahldienst PayPal zu verdanken, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs) schlagen vor, dass Menschen früher oder später ein Grundeinkommen erhalten sollten. Puh! Höchste Zeit, diesem Thema einen Beitrag zu widmen, denn bevor man „dafür“ oder „dagegen“ ist lohnt es, sich ein paar Gedanken zu machen. Also, was ist das überhaupt?

„Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das die Regierung bedingungslos allen bezahlt. Ungeachtet, ob diese arbeiten und unabhängig von anderen Einkommensquellen. Es ersetzt die Sozialausgaben und ist hoch genug, um alle Grundbedürfnisse zu decken.“

Hat man diese so vorsichtig wie neutral formulierte Definition gelesen, schießen einem vermutlich sofort einige berechtigte Fragen in den Kopf: Was heißt schon Grundbedürfnisse? Wie hoch soll das sein? Woher kommt das Geld? Weltweit? Wie oft? Auch für Studenten? Tatsächlich sind die meisten Fragen nicht zu beantworten, weil es noch kein Land mit Grundeinkommen gibt. Es käme folglich auf den Versuch an, trial & error, so wie sich auch alle bisherigen wirtschaftlichen und politischen Systeme durch Versuch und Scheitern entwickelt haben (was nicht heißt, dass überholte Systeme nicht manchmal hängen bleiben!); ganz zu schweigen von den Lebewesen selbst, Stichwort natürliche Selektion. Bevor man sich jedoch gleich in Details einfuchst und Haare spaltet, ist es sinnvoll, sich ein paar andere Fragen zu stellen, die den Weg zur der großen Frage bereiten. Aber eins nach dem anderen.

Ein raffinierter Bauer hatte einst die Idee, die anstrengenderen Arbeiten auf dem Feld an jemand stärkeres abzugeben (zum Beispiel an sein Pferd). Das hatte vermutlich nicht zur Folge, dass der Bauer weniger gearbeitet hat, aber er hatte nun vermutlich höhere Erträge und im Vergleich mehr Zeit, sich anderen Arbeiten zu widmen, oder sich neue raffinierte Dinge zu überlegen.

Als die Kirche in Europa aufgehört hat, Erkenntnisse der Wissenschaft als Blasphemie unter Strafe zu stellen (etwa die begründete Annahme des heliozentrischen Weltbildes), was manche Forschungsgebiete sehr unattraktiv, sogar gefährlich gemacht hat, wurden die Grundlagen für tolle Erfindungen geschaffen. Aus den Erkenntnissen wurden Ideen, aus Ideen wurden Erfindungen und einige raffinierte Menschen haben Fließbänder, Dampfmaschinen, Transformatoren, Autos, Satelliten, Roboter, das Internet, clevere Algorithmen, selbstlernende Systeme und und und gebastelt. Dadurch konnte und kann man anstrengendere Arbeiten an etwas abgeben, das stärker, präziser, schneller, ausdauernder, fehlerarm, wartungsarm, besser ist. Das hat zur Folge, dass die Erträge steigen und man mehr Zeit hat, sich anderen Arbeiten zu widmen, oder sich neue raffinierte Dinge zu überlegen. Oder, eventuell, wenn die ganzen Maschinen so toll sind, weniger für Geld zu arbeiten?

Soweit, so gut. Aber was heißt Arbeit? Wäre es nicht sinnvoll, sich dank des Fortschritts Arbeit widmen zu können, die nicht gleichzeitig ein Berufsbild darstellt? Dingen, die körperliche und geistig fordernd sind, aber im System nicht als Beruf auftauchen, weil man sie nicht dauernd ausführen will? Etwa Sport, Musik, Bildung, Kinder erziehen, Oma und Opa dieses Internet erklären, die Vereinsweihnachtsfeier organisieren, eine Petition für Bedingungsloses Grundeinkommen starten, für die Unizeitung schreiben, Sachen erfinden, faullenzen, … . Der Punkt ist, viele Arbeiten gehören zu solchen, die sich nicht zum Beruf machen lassen, – aus verschiedensten Gründen, aber dennoch wichtig bis extrem wichtig sind. So wie es viele Dinge gibt, die sich schwer oder gar nicht in Geld ausdrücken lassen (z.B. Freundschaft). Geld selbst hat keinen Wert, aber es hat durchaus nützliche Funktionen, die Wert stiften können. Leider ist es eine Tatsache, dass Geld auch soziale Teilhabe ermöglicht. Leute die behaupten „Geld ist mir gar nicht wichtig“ drücken sich entweder unvollständig aus („…solange ich genug davon habe.“), haben kein Problem damit, in vollständiger Abhängigkeit von anderen Menschen leben (die Geld besitzen und bereitwillig teilen) oder erwägen zurück in die Natur zu gehen, viel Spaß.

Ein Hintergedanke des Bedingungslosen Grundeinkommens ist, dass jeder Mensch ein menschenwürdiges Leben führen können soll. Da nicht alle gleich begabt zur Welt kommen, erscheint es vernünftig, dass erstmal alle soweit versorgt werden, dass sie zumindest genug Nahrung, ein Dach über dem Kopf und Zugang zu ärztlicher Versorgung sowie zu sozialer Interaktion haben. Einfach so, weil man Mensch ist und in Würde leben darf, und zwar bedingungslos. Auch, wenn man so dermaßen unbegabt zur Welt gekommen ist, zwei linke Hände, Füße und Gehirnhälften hat, soll man in Würde leben können. Auch wenn man das Studium abgebrochen hat, weil es einfach nicht das richtige war, drei Monate nichts tut und dann Gärtner wird, weil das viel besser ist. Und später dann doch Agrarökonomie studiert. Wenn man ein Kind hat und ihm erstmal seine Zeit widmen will, wenn man alt ist und aus Verwirrtheit die Hausschlüssel im Kühlschrank parkt, auch dann. Und vor allem: bedingungslos, weil man da ist.
Wäre das nicht machbar mit den ganzen gestiegenen Erträgen? Sollte einen die absurde Wohlstandsverteilung nicht stutzig machen? Kann die Bank nicht mehr Geld drucken? besteuern wir Maschinen und Roboter, Hochfrequenzaktienhandel, verändern wir das Steuersystem? Oder ganz anders? Zumindest sollte man darüber debattieren! Auf facebook.com/falterbt findet ihr heute Abend eine Linkliste zum Thema. Bis dahin könnt ihr euch schon mal die zweitgrößte Frage stellen:
Was würdest du tun, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre?

□ Weiter studieren
□ Was Anderes studieren
□ Abbrechen und faullenzen
□ Abbrechen und arbeiten
□ Selbst was gründen
□ Reisen
□ …………………………

Was ist das für 1 Life?

Sobald der Jahreswechsel frisch hinter uns liegt, fragen wir uns oftmals, was das eigentlich für ein Leben ist, das wir führen. Wir fragen uns, wie es sein sollte, wie wir es zukünftig haben wollen, aber vor allem, warum es ist, wie es eben ist. Während draußen der Schnee fällt, liegen die Figuren in Georges Seurats »Un dimanche après midi à l’île de la Grande Jatte« auf einer Wiese, die so gartengrün ist wie ein gepflegter Kunstrasen und genießen den Sonnenschein. Es wird Pfeife gepafft, im Fluss geangelt, herumgetollt, musiziert oder still der Moment genossen. So stellt man ihn sich vor, bilderbuchartig, den typischen Sonntagnachmittag, der in diesem Fall auf der Insel La Grande Jatte stattfindet. Jeder tut, wie ihm beliebt, die Sonne scheint, die Kinder spielen, sogar ein Äffchen hat es auf das Bild geschafft. Als der Künstler Georges Seurat sein Werk mit den Maßen von zwei Metern Höhe und drei Metern Breite im Jahr 1886 zum ersten Mal dem Publikum präsentierte, sorgte es zu seiner Zeit für so manche Furore: Dies war also der berüchtigte Kunststil Pointillismus, über den man bereits redete und zu dessen wichtigsten Vertretern Seurat später zählen sollte. Gemälde im Stil des Pointillismus entfalten ihre Wirkung durch die Betrachtung aus der Ferne. Je näher der Betrachter an das Bild herantritt, desto eher wird er nichts weiter erkennen, als eine Ansammlung sich eng aneinanderschmiegender Punkte, aus denen das Bild zusammengefügt wird. Für die Menschen im 19. Jahrhundert eine eher ungewöhnliche Art der Malerei. Da die Farben nicht vermischt werden, sondern rein bleiben, enthält das Bild seine einzigartige Strahlkraft, die für die lichte Atmosphäre an diesem Sonntagnachmittag sorgt. Die Insel der Glückseligen, so würde man meinen. Die gute alte Zeit? Was hat das Bild mit unserem Leben gemeinsam? Mit unseren Sonntagnachmittagen, wo auch immer wir sie verbringen mögen. Betrachtet man das Bild genauer, so fällt seine Exaktheit, seine Akkuratesse auf, doch im nächsten Augenblick wirken die Figuren steif, wie in eine Form gegossen, um sogleich zu erhärten. Selbst der kleine Hund im Vordergrund des Bildes ist im Freudensprung reglos erstarrt. Wo bleibt die Spontanität, die Beweglichkeit der Figuren, die Freude in ihren Gesichtern? Das Bild wirkt wie eine Kulisse, die vor das wirkliche Leben geschoben wurde. Und so fragt man sich: Was ist das für 1 life? Gestern und heute, in Wirklichkeit und in der Kunst.